Wer sind wir? Schöningens Beitrag zur Menschheitsgeschichte


Die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Welt – die Ausstellung. Foto: Sebastian Petersen
Die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Welt – die Ausstellung. Foto: Sebastian Petersen

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Schöningen. Am Dienstag, den 8. November 2016, startet im paläon eine neue Seminarreihe in Kooperation mit der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. unter dem Motto "Wer sind wir? Schöningens Beitrag zur Menschheitsgeschichte", teilt Astrid Elisat vom paläon mit.


An sieben Terminen werde unter Leitung der Wissenschaftler Dr. Felix Hillgruber (paläon) und Dr. Jordi Serangeli (Universität Tübingen & Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment) archäologisch und kulturgeschichtlich interessierten Menschen eine fundierte Einführung in die Altsteinzeitforschung gegeben. Dabei sollen die Kursteilnehmer die Möglichkeit erhalten, die Originalfunde zu sehen und unter Berücksichtigung des Aktualitätsprinzips ihre Bedeutung mit der Kursleitung zu diskutieren.

Grabung Schöningen mit Original-Fundorten. Foto: Sebastian Petersen

Immer mehr Menschen würden sich dafür interessieren, wo der Homo sapiens herkommt. Sie möchten wissen und verstehen, was uns Menschen ausmacht und wie unsere Entwicklung wohl gewesen ist. Zur Klärung dieser Frage sei das paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere der geeignete Ort. Durch die weltberühmten Funde auf der Grabung Schöningen, wie die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Welt, hätten die Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen. Seitdem könnten Wissenschaftler belegen, dass der Mensch schon vor 300.000 Jahren kognitiv wesentlich leistungsfähiger war, als bislang angenommen. Das und vieles mehr werde nun in einer Seminarreihe mit sieben Veranstaltungen anschaulich vermittelt. Dafür konnte das paläon mit der Ländlichen Erwachsenenbildung e.V. (LEB) einen Kooperationspartner gewinnen, der sich durch Qualität und Fachkompetenz auszeichne. Interessierte hätten somit die Möglichkeit, ihr Wissen durch die gebündelten Kompetenzen von LEB unter Beteiligung der Kreisarbeitsgemeinschaft (KAG) Helmstedt und dem paläon in der Seminarreihe „Wer sind wir? Schöningens Beitrag zur Menschheitsgeschichte“ zu erweitern.

Seit über 20 Jahren geben die Funde aus Schöningen einzigartige Momentaufnahmen des Lebens vor 300.000 Jahren wider. Geschützt unter mehr als zehn Metern Sediment, überstanden die archäologischen Funde nicht nur die gewaltigen Kräfte einer Eiszeit nahezu unbeschadet, auch Bakterien und Pilze, die organische Materialien in der Erde normalerweise in kürzester Zeit zersetzen, konnten den Funden im sauerstoffarmen Grundwasser nichts anhaben. So würden die Archäologen jeden Tag ein reiches Spektrum an Samen, Pollen, Hölzern, Fischresten, Knochen, Eierschalen und sogar Insektenflügeln bergen. Dank dieser Fülle an Informationen könnten die Forscher ein detailliertes Bild der Landschaft rekonstruieren, in dem die frühen Jäger und Sammler ihren Lebensunterhalt bestritten. Aufbauend auf diesen Daten würden auch die kulturellen Errungenschaften des steinzeitlichen Menschen in dieser Region, seine geistigen Fähigkeiten, Werkzeuge und Sozialstruktur greifbar. An den verschiedenen Kurstagen werde den Teilnehmern ein fundierter Abriss der Erforschung der Altsteinzeit von den Anfängen der Menschheit bis zur Ankunft unserer Art in Europa vermittelt. Dabei würden die Fundstellen von Schöningen eine zentrale Rolle spielen und Kursteilnehmer aus erster Hand ein greifbares Erleben der Forschung vermittelt bekommen.

Infokasten: Seminarplan


08. November 2016, 16–17.30 Uhr

START DER SEMINARREIHE
„Klimawandel 1.0.“ Klima und Umwelt des eiszeitlichen Menschen“

15. November 2016, 16–17.30 Uhr
„Auf den Spuren der Archäologen“
Besuch der Grabung und Führung durch die Wissenschaftler

22. November 2016, 16–17.30 Uhr
„Von Adam und Eva“
Wie verlief die Evolution des Menschen und ab wann besiedelte er Europa?

29. November 2016, 16–17.30 Uhr
„Steinzeit - ein nicht ganz korrekter Begriff“
Die Jäger und Sammler von Schöningen und ihre Werkzeuge

06. Dezember 2016, 16–17.30 Uhr
„Von den Alpen bis zur See“
Deutschlands reiches steinzeitliches Erbe

13. Dezember 2016 ,16–17.30 Uhr
„Geliebter Feind“
Säbelzahnkatzen und die sich wandelnde Beziehung des Menschen zu großen Raubtieren

20. Dezember 2016, 16–17.30 Uhr
„Vom Elfenbeinturm herabsteigen“
Besuch der Dauerausstellung im paläon und Fragen zur Wissensvermittlung

wann: Immer dienstags, vom 08. November bis 20. Dezember 2016
wo: Seminarraum 1 im paläon
Dauer: 16-17.30 Uhr
Preis: 38 Euro (inklusive paläon Jahreskarte)
Einzelpreis: 5 Euro pro Seminarsitzung

Näheres zum Kooperationspartner LEB e.V.:
Die Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. (LEB) ist eine nach dem Niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz anerkannte Landeseinrichtung und stellt das größte Bildungsnetzwerk in Niedersachsen dar. Die LEB fühle sich dem Anspruch verbunden, modernste Inhalte und Methoden für die Bildungsbedürfnisse in ganz Niedersachsen bereit zu stellen und gleichzeitig die Traditionen und regionalen Besonderheiten lebendig zu halten. Das tägliche Handeln vor Ort wolle alle Bürgerinnen und Bürger erreichen und stehe unter dem Motto: „LEB – Ihr Bildungspartner“.
Vor diesem Hintergrund sei die neu geschlossene Bildungskooperation zwischen der LEB und dem paläon eine logische Weiterentwicklung für ein bedarfsgerechtes und aktuelles Bildungsangebot für die Menschen in der Region. Beide Akteure würden ihre Methoden- und Fachkompetenz bündeln und diese - erstmalig gemeinsam – als Seminarreihe vorstellen. Eine Wiederholung, beziehungsweise Weiterentwicklung entsprechender Bildungsangebote sei ausdrücklich gewünscht und werde von beiden Kooperationspartnern angestrebt.