Heute ist "Tag des Bibers"

NABU Niedersachsen fordert neuen Blick auf den Landschaftsarchitekten

Wo der Biber wirkt, profitieren Gewässer, Artenvielfalt und letztlich auch wir Menschen, so der NABU Niedersachsen.
Wo der Biber wirkt, profitieren Gewässer, Artenvielfalt und letztlich auch wir Menschen, so der NABU Niedersachsen. | Foto: Pixabay

Region. Zum heutigen Tag des Bibers lenkt der NABU Niedersachsen die Aufmerksamkeit auf ein Tier, das für den Zustand unserer Gewässer entscheidender sei als viele vermuten. Angesichts ökologisch stark belasteter Flüsse, zunehmender Wetterextreme und wachsender Nutzungskonflikte werde deutlich: Der Biber ist nicht das Problem, sondern ein zentraler Teil der Lösung, so der NABU in einer Pressemitteilung.


Aktuelle Auswertungen würden zeigen, dass Niedersachsens Flüsse und Bäche vielerorts in einem schlechten Zustand seien. Begradigungen, fehlende Auen und ein gestörter Wasserhaushalt – genau hier entfalte der Biber seine besondere Wirkung.

Konflikte trotz Leistung



Als Schlüsselart gestalte er aktiv und permanent Lebensräume und übernehme Aufgaben, die technisch kaum zu ersetzen seien. Mit dem Bau von Dämmen entstünden Feuchtgebiete, Teiche und strukturreiche Auenlandschaften. Diese würden Wasser speichern, die Versickerung fördern und den Abfluss verlangsamen. Hochwasserspitzen würden gedämpft, während Trockenperioden abgepuffert würden. Gleichzeitig verbessere er die Wasserqualität, fördere die Grundwasserneubildung und schaffe artenreiche Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Trotz dieser Leistungen stünde der Biber in Niedersachsen weiterhin im Spannungsfeld von Konfliktdebatten. Diskussionen würden sich derzeit stark um Schäden, Entschädigungen und mögliche Eingriffe in die Population drehen.

„Wir erleben eine Debatte, die die Potenziale des Bibers weitgehend ausblendet“, sagt Lamin Neffati, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Gerade vor dem Hintergrund des schlechten Gewässerzustands ist es nicht nachvollziehbar, warum seine Renaturierungsleistung nicht stärker in den Mittelpunkt gestellt wird.“

Aus Sicht des NABU Niedersachsen läge der Fokus zu stark auf Konfliktbewältigung, während die positiven Effekte für Gewässerökologie und Biodiversität zu wenig Beachtung fänden.

Gemeinsam für den Biberschutz in Niedersachsen



Mit einem landesweiten Biberschutzprojekt setze sich der NABU Niedersachsen deshalb aktiv dafür ein, die Rückkehr des Bibers in Niedersachsen zu begleiten und nachhaltig zu gestalten. Ziel sei es, geeignete Lebensräume zu verbessern, bestehende zu verbinden und gleichzeitig ein starkes Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Fachleuten und Interessierten aufzubauen. So solle nicht nur der Schutz des Bibers gestärkt, sondern auch ein konstruktiver Austausch gefördert werden, der langfristig zu einem besseren Miteinander von Mensch und Natur beitragen soll. Gleichzeitig betont der NABU Niedersachsen, dass es auch sensible Bereiche gäbe, in denen Lösungen sorgfältig abgewogen werden müssen, etwa bei Forstflächen.

Eine Rückkehr, die uns begeistern sollte



Nach seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert kehre der Biber langsam nach Niedersachsen zurück und treffe dabei häufig auf stark veränderte Gewässer. Umso wichtiger sei es, ihm Raum zu geben und seine Rolle als natürlicher Landschaftsgestalter anzuerkennen. Der NABU Niedersachsen ruft daher dazu auf, den Biber als wichtigen Partner zu begreifen.