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Hoffnung für die Sinti: Bald könnte Wasser fließen



Hoffnung für die Sinti: Bald könnte Wasser fließen

von Anke Donner


Für die Ertüchtigung der Wasserversorgung auf dem Platz der Sinti soll nun Geld zur Verfügung gestellt werden. Foto: Anke Donner
Für die Ertüchtigung der Wasserversorgung auf dem Platz der Sinti soll nun Geld zur Verfügung gestellt werden. Foto: Anke Donner

Braunschweig. Seit vielen Monaten kämpfen die Bewohner des Wohnwagenplatzes am Madamenweg für eine Verbesserung der Wasserversorgung auf dem Platz. An ihrer Seite viele Mitglieder der örtlichen Politik. Nun scheint wirklich Bewegung in die Sache zu kommen. Auch der Finanzausschuss hat nun grünes Licht für die Maßnahme gegeben.



Noch im Sommer des vergangenen Jahres kritisierten die Bewohner, dass die Wasserversorgung auf dem Platz mehr als unzureichend sei. "Wir leben hier menschenunwürdig", klagte Peter Anton im Gespräch mit regionalHeute.de. Nur eine Wasserstelle versorgt derzeit den Platz, auf dem rund 45 Menschen leben, mit Frischwasser. Seitens der Stadt habe man sich Hilfe erhofft, erzählen die Bewohner, passiert sei aber nichts.

Erneuerung der Wasserrohre





Doch nun konnte wieder ein kleiner Schritt in Richtung Wasserversorgung gemacht werden. Wie die BIBS-Fraktion auf Nachfrage vonregionalHeute.de mitteilte, stimmte nun auch der Finanzausschuss zu. Am Sinti-Platz soll die Wasserversorgung durch Erneuerung und Erweiterung der Wasserrohre endlich genug frisches Wasser fließen.BIBS-Ratsfrau Astrid Buchholz erklärt im Rahmen der Haushaltsgespräche: „Besonders hervorzuheben ist außerdem, dass die Sinti nach Jahrzehnten endlich Gewissheit über die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen am Madamenweg 94 bekommen können. Der zweite Runde Tisch Sinti wird am 30. Januar tagen. Dort soll mit der Verwaltung Einigkeit über die konkreten Maßnahmen hergestellt werden, die mit finanzieller Unterstützung der Stadt realisiert werden."


In der Sitzung des Sozialausschuss im Mai 2017 teilte die Verwaltung mit, dass man drei verschiedene Varianten der Sanierung ausgearbeitet habe.Woraufhin die BIBSdie 90.000 Euro-Variante beantragte, die die Installation von zehn Trink- und Schmutzwasseranschlüssen für die Unterkünfte inklusive der Instandsetzung der vorhandenen Dusch-/WC-Container vorsah. Ergänzt wurde der Vorschlag dann um je eine Dusche für Damen und Herren.

"Eine zähe Angelegenheit"


"Im Sozialausschuss Anfang Dezember - die Grünen hatten dies auch beantragt und die Verwaltung wollte sogar von sich aus die 26.400-Variante in den Haushalt einstellen - gab es nun aber plötzlich als Tischvorlage einen gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen, der den Sinti die 90.000 Euro nur geben will, wenn sich die Verwaltung mit dem Ausschuss auf ein tragfähiges Konzept geeinigt hat. Unsere BIBS-Ratsfrau Astrid Buchholz konnte dies während des Ausschusses noch dahingehend abändern, dass das Geld gezahlt wird, wenn ein Konsens der Verwaltung mit dem Runden Tisch hergestellt wurde. Sehr bedauerlich, dass man den Bewohnern nicht traute – denn die Verwaltung sagte im Ausschuss auch so etwas wie „die sind sich ja nicht einig“. Deswegen wird nun am 30. Januar der Runde Tisch tagen, damit dieser Konsens erzielt wird, damit der mit dem „Sperrvermerk“ versehene Antrag nach Annahme des Haushaltes am 6.Februar auch wirksam wird und das Geld ausbezahlt werden kann. Eine sehr zähe Angelegenheit. Der Finanzausschuss hat dieses Vorgehen in seiner Sitzung bestätigt. Der Rat wird den Haushalt am 6. Februar hoffentlich annehmen", erklärtSebastian Barnstorf, Sprecher der BIBS-Fraktion.

30 Stellplätze auf 8.400 Quadratmetern


Die Stadt Braunschweig unterhält seit Anfang der 60er Jahre auf dem städtischen Grundstück „Madamenweg 94“ den rund 8.400 Quadratmeter goßen Wohnwagenaufstellplatz mit 30 Stellplätzen. Die Kosten der Errichtung betrugen damals insgesamt 150.000 DM. Die Stadt hat auf dem Platz laut eigenen Angaben sechs eigene Wohnwagen, die für 115 Euro im Monat vermietet werden.Aktuell beträgt die Standgebühr für eigene Wohnwagen monatlich 46,02 Euro.Die älteste Bewohnerin ist 71 Jahre, der jüngste Bewohner sieben Jahre alt.

1985 wurden das Sanitärgebäude I komplett mit vier Duschen und WC-Zellen, das Sanitärgebäude II mit drei Duschen und WC-Zellen, eine Wasserentnahmestelle und ein Technikraum errichtet und Umbauarbeiten im Außenbereich für 245.000 DM durchgeführt.

Von 2008 bis 2010 wurden Sanierungsarbeiten an den Sanitäreinrichtungen durchgeführt und zusätzlich Dusch- und WC-Container für Durchreisende aufgestellt. Die Kosten hierfür betrugen rund 30.000 Euro.

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