HZI-Forscher: Dunkelziffer bei Corona-Infektionen hat mit der Zeit abgenommen

Die Wissenschaftler untersuchten knapp ein Jahr lang das Blut von 26.000 Studienteilnehmern auf Antikörper.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. (Symbolbild)
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. (Symbolbild) Foto: Alexander Dontscheff

Braunschweig. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) hat in einer Studie herausgefunden, dass die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen in der zweiten und dritten Infektionswelle abgenommen hat. Grundlage dafür war eine bundesweit durchgeführte Antikörperstudie mit 26.000 Teilnehmenden. Hierüber berichtet das HZI in einer Pressemitteilung.


Von Juli 2020 bis August 2021 untersuchte die Abteilung Epidemiologie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig im Rahmen der bundesweit angelegten Studie „MuSPAD“ das Blut von rund 26.000 Menschen auf Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Während in der ersten Welle auf jede gemeldete Infektion zwei bis fünf tatsächliche Infektionen kamen, nahm dieses Verhältnis – und damit die Dunkelziffer – in der zweiten und dritten Welle ab. Die Ergebnisse wurden jetzt in der internationalen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts veröffentlicht. Zudem erschien kürzlich eine Preprint-Publikation zu einer weiteren Studie, in der die Immunantwort nach einer Impfung gegen SARS-CoV-2 mit Proben aus der MuSPAD-Studie untersucht wurde.



Auch wenn viele Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 nur milde Erkältungssymptome verursachen oder symptomlos verlaufen, erfordere die sehr hohe Gesamtzahl an Infektionen wirksame Schutzmaßnahmen, um die besonders gefährdeten Personengruppen vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Dafür ist es wichtig, die Dunkelziffer der Infektionen einschätzen zu können. Besonders interessant sei zudem, in welchen Lebensbereichen die meisten Ansteckungen geschehen und an wie viele Menschen eine infizierte Person das Virus durchschnittlich weitergibt. Im Juli 2020 startete das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) daher die „Multilokale und Serielle Prävalenzstudie zu Antikörpern gegen SARS-CoV-2-Coronavirus in Deutschland“ (MuSPAD) unter Leitung von Prof. Gérard Krause, der am HZI der Abteilung Epidemiologie vorsteht. Anhand von Blutproben bestimmten die Wissenschaftler den Antikörperstatus in der Bevölkerung in sieben Landkreisen, die unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen waren.

Ergebnisse tragen zur Lageeinschätzung bei


MuSPAD habe im Fazit ergeben, dass auch nach der dritten Welle die Mehrheit der Bevölkerung keine Immunität gegen das Virus aufgebaut hat. Die Untererfassung – also die Dunkelziffer – war in der zweiten und dritten Welle geringer als in der ersten. Durchschnittlich war unter sieben Personen, denen eine Quarantäne angeordnet wurde, eine Person dabei, die sich tatsächlich infiziert hatte.

„Trotzdem eine Verlängerung der Studie leider nicht möglich war, um auch aktuelle und künftige Wellen entsprechend zu untersuchen, trägt diese Studie auch jetzt bereits zur aktuellen Lageeinschätzung bei“, sagt Gérard Krause. „In weiteren Analysen werden wir immunologische und gesellschaftliche Fragestellungen vertiefen.”

mRNA-Impfstoffe wirken besser


Im Rahmen einer weiteren Studie in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen wurde die Immunantwort nach einer SARS-CoV-2-Impfung mit Proben aus der MuSPAD-Studie untersucht. Dabei kamen zwei speziell entwickelte Testverfahren zum Einsatz, die beide auf dem sogenannten Multiplex-Verfahren basieren. Während MULTICOV-AB zur Mengenbestimmung von SARS-CoV-2-Antikörpern dient, erlaubt der verwendete RBDCoV-ACE2-Kompetitionstest Aussagen über die Fähigkeit der vorhandenen Antikörper, die Anbindung des Virus an die Zelle zu hemmen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass auch außerhalb klinischer Studien mRNA-basierte Impfstoffe – zum Beispiel von Moderna und BioNTech – in oder ohne Kombination mit einem vektorbasierten Impfstoff von AstraZeneca mit einer höheren Bildung an inhibitorischen Antikörpern gegen verschiedene SARS-CoV-2-Virusvarianten einhergeht als eine Impfung mit vektorbasierten Impfstoffen allein.

Die Studie MuSPAD wurde vollständig von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren finanziert.


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