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IHK-Umfrage: Regionale Wirtschaft leidet trotz Lockerungen

Jeder zwanzigste Betrieb sieht gar seine Existenz bedroht.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Marvin König

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26.06.2020

Braunschweig. Eine aktuelle Blitzumfrage der IHK Braunschweig unter knapp 100 Unternehmen macht deutlich, dass sich zahlreiche regionale Unternehmen trotz der jüngsten Lockerungen weiter in einer sehr schwierigen Lage befinden. Und mit einer zügigen Rückkehr zur Normalität rechnen nur wenige, wie die IHK in einer Pressemitteilung berichtet.


Die gravierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen den Großteil der Unternehmen im Braunschweiger Wirtschaftsraum hart. Dies äußere sich in vielfältiger Form. So hätten 70 Prozent der Betriebe mit einer geringeren Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen zu kämpfen. Ein Drittel berichtet von Auftragsstornierungen durch Kunden. Der Geschäftsbetrieb leide unter unterbrochenen Absatzwegen (25 Prozent), logistischen Engpässen bei Zulieferprodukten (18 Prozent), fehlenden Waren und Dienstleistungen (16 Prozent) und ausfallenden oder fehlenden Mitarbeitern (11 Prozent). Einen kompletten oder zumindest teilweisen Stillstand der Geschäftstätigkeit haben 15 Prozent der befragten Unternehmen zu verkraften. Und etwa jeder zwanzigste Betrieb sieht gar seine Existenz bedroht.

Eine Perspektive muss her


Hierzu kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Löbermann: „Besonders für die immer noch von einer weitgehenden Einstellung des Geschäftsbetriebes betroffenen Unternehmen - etwa aus der Event- und Veranstaltungsbranche - geht es um nicht weniger als das bloße Überleben. Daher ist es wichtig, diesen Betrieben nicht nur überbrückend Fördergelder zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen vor allem möglichst bald eine tragfähige Öffnungsperspektive zu verschaffen.“

Umsatzeinbußen bei zwei Dritteln der Unternehmen


Dass die regionale Wirtschaft in ihrer ganzen Breite von der Corona-Krise erfasst werde, zeige der bange Blick der Unternehmen auf ihre Umsatzentwicklung. So rechnen der IHK-Umfrage zufolge etwa drei Viertel der Betriebe in diesem Jahr mit weniger Umsatz als im Vorjahr. Jedes fünfte Unternehmen befürchtet sogar einen Einbruch von mehr als 50 Prozent. Nur etwa ein Zehntel sieht keine Auswirkungen auf sein Umsatzvolumen. Umsatzsteigerungen prognostiziert in Zeiten der Corona-Pandemie lediglich ein geringer Teil der Unternehmen – beispielsweise diejenigen, die vom eingetretenen Digitalisierungsschub profitieren.

Folgen der Krise werden nachwirken


Um die Geschäftstätigkeit trotz der gravierenden Auswirkungen der Pandemie aufrechtzuerhalten, ergreifen die Unternehmen unterschiedliche Maßnahmen. Hierzu zählen neue Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen ebenso wie kreative Aktionen zur Kundenpflege und Neukundengewinnung. Viele Unternehmen geben aber auch an, dass sie der Pandemie mit Einsparungen sowie mit Investitionskürzungen (40 Prozent der befragten Unternehmen) und Personalabbau (25 Prozent) begegnen. „Dies unterstreicht, dass die Folgen der Krise noch lange nachwirken werden,“ so Dr. Florian Löbermann. Zahlreiche Betriebe müssen auch staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen.

Kurzarbeit bei Hälfte der Firmen


So hat die Hälfte der befragten Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit genutzt. Knapp 30 Prozent haben Soforthilfe und 15 Prozent Kredite einer Förderbank beantragt. Auch steuerliche Maßnahmen wie Steuerstundungen (21 Prozent der befragten Unternehmen) und Verlustrückträge aus 2020 ins Steuerjahr 2019 (13 Prozent) haben dazu beigetragen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie zumindest zu lindern.

Zuversicht hält sich in Grenzen


Derzeit arbeitet nur knapp jedes siebte Unternehmen in oder über der Vorkrisenauslastung. Bei den Übrigen hält sich die Zuversicht auf eine zügige Rückkehr zur geschäftlichen Normalität in Grenzen. Nicht einmal jeder fünfte Betrieb rechnet mit einem weitgehend normalen Geschäftsbetrieb noch in der zweiten Jahreshälfte 2020. Mehr als ein Drittel geht davon aus, dass dies erst im Verlauf des Jahres 2021 wieder der Fall sein wird. Einige befürchten, dass der aus Vorkrisenzeiten bekannte Alltag erst nach 2021 oder gar nicht mehr wiederkehren wird. „Dies zeigt: Der Weg zurück zur Normalität wird lang“, bemerkt Dr. Löbermann. „Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Um letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen, sind bessere Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören Investitionen in Digitalisierung, Innovationen, Forschung, Glasfaser- und Mobilfunkausbau, Klimaschutz und eine bessere Verkehrsinfrastruktur. Das von der Bundesregierung vorgelegte Konjunkturprogramm bietet hierzu zahlreiche Anknüpfungspunkte. Aber es gibt auch hilfreiche Maßnahmen, die den Staat nichts kosten. So sollten dringend bürokratische Hürden abgebaut und vor allem Planungs- und Genehmigungsverfahren wesentlich beschleunigt werden.“


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