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Im Dialog mit Pistorius - Fußball zwischen Kommerz und Fankultur



Wolfsburg

Im Dialog mit Pistorius - Fußball zwischen Kommerz und Fankultur

von Alexander Dontscheff


Der ehemalige VfL-Geschäftsführer Klaus Fuchs, Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius, Moderator Lars M. Vollmering, Daniel Schmidt von den Supporters Wolfsburg und Gerd Wagner, Koordinationsstelle Fanprojekte, diskutierten über die Zukunft des Fußballs (v. li.). Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff
Der ehemalige VfL-Geschäftsführer Klaus Fuchs, Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius, Moderator Lars M. Vollmering, Daniel Schmidt von den Supporters Wolfsburg und Gerd Wagner, Koordinationsstelle Fanprojekte, diskutierten über die Zukunft des Fußballs (v. li.). Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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Wolfsburg. "Ist das noch mein Fußball?" Diese Frage stellen sich zunehmend mehr Fans in Deutschland angesichts der sich immer fester zuziehenden Kommerzialisierungsschraube. Um mit den Fans, die bei Fernsehgeldern in Milliardenhöhe und Rekordtransfersummen immer mehr zweifeln, ins Gespräch zu kommen, hatte Niedersachsens Innenministers Boris Pistorius am Dienstagabend ins Wolfsburger Fanhaus zum Dialog eingeladen.



Pistorius, selbst Fan des VfL Osnabrück, geht es um die Zukunft des Fußball. Auch er beobachte zunehmend Dinge, die ihm nicht gefielen. Daher habe er die Veranstaltungsreihe „Wohin steuert der Fußball - Das Stadion spricht!" ins Leben gerufen und bietet an den wichtigsten Fußballstandorten in Niedersachsen den Fans die Gelegenheit, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Alle sollen sich angesprochen fühlen, da seiner Ansicht nach die "schweigende Mehrheit" zu oft keine Stimme habe. Konkrete Ergebnisse erwartet Pistorius dabei weniger. Wichtig sei, dass man ins Gespräche komme und gegenseitiges Vertrauen aufbaue.

In Wolfsburg diskutierte er mit dem ehemaligen VfL-Geschäftsführer Klaus Fuchs, Daniel Schmidt von den Supporters Wolfsburg und Gerd Wagner von der Koordinationsstelle Fanprojekte. Einig war man sich, dass die Vereine die richtige Mischung treffen müssen. Um sportlichen Erfolg zu haben benötige man nun einmal Geld, wenn man aber andererseits den Kontakt zur Basis verliere, könne das auch schlechte Folgen haben. Als negative Beispiele wurden England und Italien genannt, wo die Fankultur weggebrochen sei und nun keine Stimmung mehr in den Stadien herrsche.


Boris Pistorius im Interview:

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Boris Pistorius nach der Diskussion in Wolfsburg. Foto: Alexander Dontscheff



Die Politik habe darauf kaum Einfluss, wann und wo ein Spiel stattfindet, betonte Boris Pistorius. Und Gerd Wagner erklärte, dass die Zersplitterung der Spieltage eine Konsequenz der Zentralvermarktung der Liga sei. Andererseits würde man in Deutschland aber gerade mit der zentralen Vermarktung sehr gut fahren.

Trotzdem sind es gerade solche Spielansetzungen zu unmöglichen Zeitpunkten, die der aktiven Fanszene das Gefühl geben, abgehängt zu werden. Es entsteht der Eindruck, dass das eigene Engagement nicht wertgeschätzt wird,und nur noch das Interesse der Fernsehzuschauer zählt.

Die Fans kamen zu Wort


Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden Fragen aus dem Plenum beantwortet. Das geplante Polizeigesetz kam genauso zur Sprache wie der Dauerbrenner Pyrotechnik oder die Frage nach einer Gehaltsobergrenze für Spieler.

Und auch die Frage nach dem alten VfL-Zinnenwappen durfte an so einem Abend nicht fehlen. Klaus Fuchs erläuterte noch einmal die Beweggründe, warum es seinerzeit nach dem Bundesligaaufstieg abgeschafft wurde. "Wir wollten bewusst einen Gegenpart gegen die damaligen Vorwürfe, der VfL habe keine Tradition, setzen. Wir wollten uns bewusst als Verein der Zukunft positionieren. Das Zinnenwappen, das ja auch nur die zweite Änderung des Originalwappens gewesen ist, wäre nur ein Scheinmantel gewesen. Letztlich hat uns die Geschichte Recht gegeben."

Fanbeauftragter Carsten Ihle im Interview:

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Carsten Ihle. Foto: Dontscheff



Der erste Termin dieser Dialogreihe fand bereits im April in Meppen statt. Weitere Termine in Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Osnabrück sind in den kommenden Monaten mit dem Minister und den Vereinen vor Ort in Planung.


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