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Immer mehr Menschen in den Notaufnahmen - Teil II



Braunschweig | Wolfenbüttel

Immer mehr Menschen in den Notaufnahmen - Teil II

von Robert Braumann


Im Klinikum steigen die Zahlen in der Notaufnahme weiter an, Symbolfoto: Archiv
Im Klinikum steigen die Zahlen in der Notaufnahme weiter an, Symbolfoto: Archiv Foto: regionalHeute.de

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Region. Die Krankenkassen laufen Sturm - immer mehr Menschen suchen die Notaufnahmen mit Bagatellen auf und belasten das System. Auch in der Region gibt es immer mehr Zulauf, der schwer zu bewältigen ist. Stimmen aus Wolfenbüttel und Braunschweig.



Die Krankenhäuser in der Region sehen sich immer mehr Patienten ausgesetzt (regionalHeute.de berichtete). "In den letzten Jahren beobachten wir, dass in jedem Jahr etwa 1.000 Menschen mehr kommen als im Vorjahr (von 20.000 Patienten in 2005 auf 31.000 Patienten in 2015). Diese stetige Zunahme ist kein Braunschweiger Phänomen, dies beobachten alle Krankenhäuser mit zentralen Notaufnahmen", so Marion Lenz, Pressestelle Städtisches Klinikum.


Die Kliniken versuchen dem Ansturm gerecht zu werden, Foto: pixabay (Public Domain)




Man habe in den letzen Jahren versucht mit verschiedenen Maßnahmen dieser Entwicklung gerecht zu werden. "Um den ständig steigenden Patientenzufluss zu begrenzen ist die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Anfang November 2015 an den Standort Salzdahlumer Straße in die räumliche Nähe der Zentralen Notaufnahme gezogen. Dies führt dazu, dass Patienten mit Krankheiten, die nicht der stationären Versorgung bedürfen (zum Beispiel einfachen Erkältungskrankheiten) direkt an die Bereitschaftspraxis weiter geleitet werden können.


Marion Lenz. Foto: Klinikum Braunschweig




Dies entlastet die Notaufnahme und steigert die Patientenzufriedenheit, das ist bereits spürbar", so Lenz.

Kurzliegerstation eingerichtet


Sie ergänzt: "Auf der anderen Seite soll der Abfluss der Patienten von der Notaufnahme in die Klinik beschleunigt werden, um die Kapazitäten der Notaufnahme offen zu halten. Gerade die Überleitung der Patienten nach der Akutbehandlung von der Notaufnahme in die einzelnen Kliniken kann sich schwierig gestalten. Viele Patienten brauchen nur 24 oder 48 Stunden zur Beobachtung und Behandlung bleiben und können dann wieder nach Hause geschickt werden - auch am Wochenende. Das ist auf den Stationen der Fachkliniken schwieriger zu handhaben. Deshalb hat Mitte November 2015 die neue Kurzliegerstation KLS 48 am Klinikum-Standort Salzdahlumer Straße ihre Arbeit aufgenommen. Zusammen mit der Zentralen Notaufnahme (ZNA) bildet sie nunmehr die Notaufnahmeklinik (NAK). Das neue Konzept scheint bestens zu funktionieren und entlastet die Notaufnahme." Die Portalpraxis könne auch dazu führen, dass noch mehr Leute ins Krankenhaus gehen und nicht zum Hausarzt, gibt Lenz zu bedenken.

Wie sieht es in Wolfenbüttel aus?



Klinikum Geschäftsführer Axel Burghardt, Foto: Archiv,Anke Donner



"Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat seit einigen Jahren die KV-Bereitschaftsdienste zentralisiert und dazu Räume im Erdgeschoss des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel angemietet. Seitdem ist der jeweilige Diensthabende mittwochs und freitags zwischen 15:00 bis 20:00 Uhr und an den Wochenenden und Feiertagen von 09:00-12:00 und von 15:00-20:00 Uhr in der Notdienstpraxis tätig. Darüber hinaus hat die KV einen weiteren Bereitschaftsdienst außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten rund um die Uhr als Fahrdienst eingerichtet. Zielgruppe des KV-Bereitschaftsdienstes sind ambulante Notfallpatienten, also Patienten mit Beschwerden, deren Behandlung nicht Zeit bis zur regulären Praxisöffnungszeit des Haus- oder Facharztes hat", erklärt Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel.

Wie funktioniert das?


Die Zentrale Ambulanz sei im Sinne der Notfallambulanz eines Akutkrankenhauses an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt. "Primäre Zielgruppe sind auf welchem Wege auch immer hier angelieferte oder ankommende Notfallpatienten, die eine stationäre Krankenhausbehandlung brauchen.


Klinikum Wolfenbüttel, Eingang, Foto: Archiv



Wir decken damit auch die Zeiten ab, in denen die KV-Bereitschaftsdienstpraxis nicht geöffnet ist und sind neben dem Fahrdienst in diesen Zeiten die einzige akutmedizinische Anlaufstelle im Gebiet des Landkreises Wolfenbüttel. Das impliziert, dass wir auch von Patienten aufgesucht werden, deren medizinische Probleme auch ambulant gelöst werden können. Bei Eintreffen eines jeden Patienten wird eine standardisierte sogenannte Triagierung, also eine Ermittlung der medizinischen Dringlichkeit, und anschließend eine dieser folgende Behandlung durchgeführt. Das bedeutet, dass Patienten mit relativ geringer medizinischer Dringlichkeit bei einem hohen Patientenaufkommen mit erheblichen Wartezeiten rechnen müssen", so der Geschäftsführer. Das bedeute aber auch, dass Patienten mit einer hohen medizinischen Dringlichkeit viele andere Patienten mit einer geringeren Dringlichkeit "überholen".

"Lösung hat sich bewährt"


Aus Sicht des Klinikums habe sich die Zentralisierung der Behandlung ambulanter Notfälle durch die Etablierung einer durch die niedergelassenen Haus- und Fachärzte besetzten Bereitschaftsdienstpraxis bewährt. "Es gibt für Notfallpatienten außerhalb der Öffnungszeiten nur eine Anlaufstelle. Stellt sich während der Sprechzeiten der Bereitschaftsdienstpraxis heraus, dass die Mittel der Praxis für die Notfallbehandlung nicht ausreichen, kann der Patient auf kurzem Weg an die Zentrale Aufnahme des Klinikums weitergeleitet werden", sagt Burghardt.

Dennoch habe man täglich das Problem, dass sich Patienten in der Zentralen Ambulanz vorstellen, deren medizinisches Problem entweder schon tage- oder wochenlang bestünde oder nicht so dringend sei, dass diese sich gut auch in den nächsten Tagen in der Praxis ihres Haus- oder Facharztes vorstellen könnten. Darüber hinaus wären täglich Patienten vor Ort, die mit eindeutig ambulant behandelbaren Beschwerden kämen und während der Öffnungszeit der Bereitschaftsdienstpraxis trotzdem direkt in die Zentrale Aufnahme des Klinikums kämen und wenig Verständnis dafür hätten, wenn sie vom Personal freundlich aber bestimmt an die zuständige Bereitschaftsdienstspraxis verwiesen werden würden. "Trotzdem lässt sich aus unserer Sicht resümieren, dass sich das neue Modell bewährt hat und die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den niedergelassenen Haus- und Fachärzten, die abwechselnd in der Bereitschaftsdienstpraxis arbeiten, in aller Regel ausgesprochen gut ist", so Burghardt.

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