Influencer der Region: Steuerfahnder nehmen diese Berufsgruppe ins Visier

Eine Task Force des Landes Niedersachsen blickt gezielt auf "Digital agierende Steuerpflichtige" und ihre Abgaben. Auch der Behördennnachwuchs wird bereits speziell darauf geschult.

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Symbolbild | Foto: pixabay

Region. Sogenannte Influencer geraten immer mehr in den Fokus von Steuerfahndern. Medienakteure, die über Videos in den sozialen Netzwerken wie TikTok und Instagram ihr Geld teilweise über Sponsoren verdienen, werden zum Beispiel von den Finanzbehörden in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg momentan sehr genau beobachtet. Doch wie ist die Situation in Niedersachsen und in unserer Region?



Ähnlich wie in anderen Bundesländern ermittelt wird, werten auch die niedersächsischen Steuerfahnder Datensätze zu den gängigen Social-Media-Plattformen aus. "Uns wurden mehrere tausend Datensätze aus anderen Bundesländern übermittelt", erklärt eine Pressesprecherin des niedersächsischen Finanzministeriums auf Anfrage von regionalHeute.de

Keine Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Selbständigen


Finanzämter der Region haben dabei keine besonderen Strukturen, die auf dieses Themenfeld spezialisiert sind. Auch werden keine gesonderten Daten zu der Berufsgruppe der Influencer etwa nach einzelnen Orten differenziert erhoben.

Die Pressesprecherin des Ministeriums erklärt, dass die Herausforderung bei der Besteuerung von Influencern in der Aufklärung und Feststellung des in jedem Einzelfall steuerlich relevanten Sachverhalts liege. Schließlich können Influencer auf vielfältige Weise Einnahmen erzielen. Besonders schwierig sei es, diese Sachverhalte Influencern namentlich zuzuordnen. Gleichwohl hat sich auch die niedersächsische Steuerverwaltung dieser Herausforderung angenommen und ihre Prüfungskräfte entsprechend vorbereitet.

Steuerfahnder bilden sich zum Thema Influencer fort


So gab es zum Beispiel eine landesweite Fortbildungsoffensive zur Qualifizierung der Betriebsprüfungen im Themenfeld „Influencerinnen und Influencer". Diese beinhaltete praxisorientierte Schulungen, Fallbeispiele und eine Vernetzung mit den Finanzämtern für Fahndung und Strafsachen. Die Thematik Prüfung von Influencern sei inzwischen auch Bestandteil der Ausbildung aller Nachwuchsprüfer und Nachwuchsfahnder, heißt es aus dem Ministerium.

258 verdächtige Fälle seit 2017


Außerdem befasst sich seit 2017 eine beim Landesamt für Steuern Niedersachsen eingerichtete Task Force mit dem Themenfeld "Digital agierende Steuerpflichtige / Influencer/innen". Diese hat bislang 258 Kontrollmitteilungen an die niedersächsischen Finanzämter übermittelt. 25 davon wurden als nicht weiter prüfungsbedürftig eingestuft. Von den verbleibenden 233 Kontrollmitteilungen wurden bisher 55 ausgewertet. Davon führten 22 zu Mehrsteuern von insgesamt 276.449 Euro. Bei 33 Fällen blieb die Prüfung ohne steuerlichen Erfolg. Die Auswertung von 178 Kontrollmitteilungen ist noch nicht abgeschlossen.

Grundsätzlich zeige sich aber aktuell, dass der Anteil der Überprüfungen ohne Feststellungen von digital agierenden Steuerpflichtigen im Verhältnis zu den Prüfungen bei anderen selbständig tätigen Berufsgruppen nicht auffällig ist. Influencer hinterziehen ihre Steuern also nicht häufiger als andere Selbständige.

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