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Innenstadt vor "unerwünschter Konkurrenz" schützen - Stadt entwickelt Zentrenkonzept weiter

Mit der aktualisierung des Konzeptes soll nicht nur auf das veränderte Shoppingverhalten der Kunden reagiert werden, auch bei der Erstellung neuer Bebauungspläne für neue Wohnquartiere soll es den Weg für den Einzelhandel weisen.

(Archivbild)
(Archivbild) Foto: Alexander Dontscheff

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23.09.2020

Braunschweig. Der Verwaltungsausschuss hat am Dienstag, 22. September, beschlossen, den Auftrag zur Aktualisierung des Zentrenkonzepts Einzelhandel an das Büro Dr. Acocella zu vergeben. Damit sei ein Fachbüro gefunden, das über hohe Expertise verfüge, sagte Stadtbaurat Heinz Leuer. Es könne jetzt umgehend damit beginnen, mit einer Vollerhebung der Handelsbetriebe im Stadtgebiet Veränderungen zu dokumentieren und für den weiteren Prozess zu prüfen. Zudem würden lokale Händler mittels Experteninterviews befragt. Geplant sei, den Gremien das aktualisierte Konzept im Herbst 2021 vorzulegen und dann öffentlich auszulegen. Voraussichtlich Mitte 2022 könne es dann dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden. Dies berichtet die Stadt Braunschweig in einer Pressemitteilung.



"Das Zentrenkonzept hat sich bewährt und schützt auch in der aktuellen Fassung unsere Innenstadt und den Einzelhandel in den Stadtteilzentren", sagte Leuer. "Es hat in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen, die Innenstadt als regionales Einkaufszentrum zu erhalten, auszubauen und vor unerwünschter Konkurrenz insbesondere in Gewerbegebieten zu schützen. Das tut es auch in der derzeitigen Situation. Es ist gleichwohl wichtig, dass wir es weiterentwickeln, gerade auch angesichts der Herausforderungen durch den Online-Handel, die mit der Corona-Krise noch einmal deutlicher geworden sind. Allerdings gehe ich auch davon aus, dass Änderungen am Konzept, etwa was die Vorgaben, welche Angebote und Sortimente nur in der Innenstadt vorgehalten werden dürfen, eher geringfügig sein werden. Die große Linie beim Zentrenkonzept stimmt und stärkt auch derzeit schon den Innenstadthandel, so sehr ein solches Steuerungsinstrument das vermag."

Nahversorgung und neue Wohngebiete


Die Verwaltung habe die Vergabe und die Eckpunkte und inhaltliche Grundlagen für die Arbeit des Gutachters in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitet. Die Aktualisierung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes der Stadt Braunschweig, da dieser regelt, wo im Stadtgebiet welche Nutzungen zulässig sein sollen. Das betrifft auch die Frage, wo Einzelhandelsflächen vorgesehen werden sollen. Dies sind Fragen in Zusammenhang mit der Planung von Wohngebieten, die etwa die Ansiedlung von Nahversorgung nach sich ziehen.

Bei der Fortschreibung des Zentrenkonzepts wird es im Wesentlichen um eine Aktualisierung des Zahlenwerks (Einwohner, Umsätze, Quantität und Qualität der Einzelhandelsflächen), die Berücksichtigung neuer Baugebiete, die Überprüfung und Weiterentwicklung der Nahversorgungsbereiche) und der Entwicklungsschwerpunkte für den großflächigen, nicht zentrenrelevanten Einzelhandel gehen. Es sei vorgesehen, dass Fraktionsvertreter aus Planungs- und Umweltausschuss sowie Wirtschaftsausschuss neben lokalen und regionalen Handelsexperten in der Analysephase beteiligt werden.

Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt


Die Stärkung des Einzelhandels insbesondere in der Innenstadt geschehe durch eine Reihe von Maßnahmen. Dabei spielen das Zentrenkonzept und die Attraktivität der Innenstadt mit ihrer Aufenthaltsqualität eine wichtige Rolle, jedoch etwa auch der jüngst initiierte Innenstadtdialog. Dieser wird Anfang Oktober mit einem Auftaktgespräch starten. Gemeinsam mit Handel, Gastronomie, Kultureinrichtungen, Kammern und Verbänden, städtischen Gesellschaften und der Immobilienbranche will die Stadt Lösungsansätze für die Gestaltung des fortschreitenden Strukturwandels erarbeiten und damit eine gemeinsame Perspektive für die Braunschweiger Innenstadt entwickeln.

Gemeinsam mit dem Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig e. V. setzt sich die Braunschweig Stadtmarketing GmbH darüber hinaus fortlaufend für die Attraktivität von Innenstadt und Einzelhandel in Braunschweig ein. So entstand während der Corona-Pandemie die Internetseite www.braunschweig.de/bestellen-liefern, auf der Gastronomen und Einzelhändler ihre Liefer- und Abholangebote präsentieren konnten. Mit "Dein Tisch" habe das Stadtmarketing zudem ein kostenloses Online-Reservierungssystem für die Gastronomie eingerichtet. Ergänzend entstand der Instagram-Kanal "@supportyourlocal_bs", um Handel und Gastronomie eine weitere Plattform zu bieten. Aktuell wird ein neuer Stadtgutschein vorbereitet, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll.

Stichwort Zentrenkonzept


Das Zentrenkonzept Einzelhandel gibt es seit 1990. Seitdem hat es in Abstimmung mit dem Rat zahlreiche Ergänzungen und Überarbeitungen erfahren, um es den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Grundsätzlich ist das Ziel jedoch gleichgeblieben. Es geht darum, die Attraktivität der Innenstadt zu erhalten und ihre regionsweite Anziehungskraft als Einkaufsstandort mit einem breitgefächerten Warenangebot sowie hoher Erlebnis- und Aufenthaltsqualität zu stärken. Dies geschieht durch die geordnete Ansiedlung von nicht zentrenrelevanten großflächigen Einzelhandelsbetrieben in dafür vorgesehenen Entwicklungsschwerpunkten außerhalb der Innenstadt und durch Erhalt und Entwicklung der wohnortnahen Grundversorgung der Bevölkerung, unter anderem durch die Festlegung von Zentralen Nahversorgungsbereichen in den Stadtteilen.


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