Wolfenbüttel

Internationale Tagung: "Biographien des Buches"


Symbolfoto: Archiv
Symbolfoto: Archiv Foto: Max Förster

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18.03.2016




Wolfenbüttel. Randbemerkungen sind ein vertrauter Anblick in Büchern. Doch Bilder? Dem lange vernachlässigten Phänomen des Lesers, der sich zeichnend und malend in einem Werk verewigt, geht der Literaturwissenschaftler William H. Sherman (London) in einem Vortrag nach, mit dem am Dienstag, den 5. April 2016 um 17.30 Uhr in der Bibliotheca Augusta die Tagung „Biographien des Buches“ eröffnet wird. Im Mittelpunkt der viertägigen Konferenz stehen materielle Kultur und Lebensgeschichten der Bücher.

Wenn Dinge eine Lebensgeschichte haben, trifft dies besonders auf das alte Buch und die mittelalterliche Handschrift zu. Die Wanderung von einer Sammlung in eine andere, wechselnde Buchnachbarschaften, Transformationen durch Neubindung, Karrieren und Abstürze zeugen von persönlichen, politischen und kulturellen Wechselfällen. Die internationale Tagung „Biographien des Buches“, die vom 5. bis 8. April 2016 an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattfindet, greift die Frage des Anthropologen Igor Kopytoff nach der Biographie von Dingen auf und stellt materielle Kultur und Lebensgeschichten der Bücher ins Zentrum der Vorträge und Diskussionen. Dabei wird das Buch nicht mehr aus der alleinigen Verfügbarkeit durch den Menschen betrachtet. Vielmehr wird ihm Handlungsmacht zugeschrieben, die es als aktives Element in kulturellen Konstellationen erscheinen lässt.

Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel "The Reader's Eye: Between Annotation and Illustration" hält William H. Sherman, Literaturwissenschaftler und Direktor Forschung und Sammlungen des Victoria & Albert Museums in London, am Dienstag, 5. April, um 17.30 Uhr. An den darauffolgenden Tagen widmen sich internationale Referentinnen und Referenten in fünf Sektionen verschiedenen Aspekten von Buchkarrieren wie einer Verwandlung von der Dutzendware zum Unikat, Transformationen etwa in Form von neuen Signaturen und Einbänden oder wechselvollen Wanderwegen und ungewöhnlichen Fundorten. Es referieren unter anderen Christine Haug (München), Andreas Lehnardt (Mainz), Alfred Messerli (Zürich), Claudine Moulin (Trier), Annegret Pelz (Wien), Nicholas Pickwoad (London) und Ulrich Johannes Schneider (Leipzig).

Zum Abschluss der Tagung spricht am Freitag, 8. April 2016, um 12.15 Uhr die Buchwissenschaftlerin Ursula Rautenberg (Erlangen) zum Thema „Das offene Buch: zwischen Medium und Materialität“. Die Tagung der Herzog August Bibliothek findet im Rahmen des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) statt, der damit auch auf Fragestellungen und Anregungen aus eigenen Forschungsprojekten eingeht. Im Forschungsverbund MWW haben sich im Herbst 2013 das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA), die Klassik Stiftung Weimar (KSW) und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) zusammengeschlossen. Ziel von MWW ist es, die Sammlungen dieser drei Einrichtungen national wie international noch stärker in den Fokus von Wissenschaft und Öffentlichkeit zu rücken und dadurch der geisteswissenschaftlichen Forschung zukunftsweisende Impulse zu geben.

Um Voranmeldung zur Tagung wird gebeten unter: forschung@hab.de.


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