Region. Keine Frage: Die Künstliche Intelligenz (KI) ist auf dem Vormarsch. Das hat seine Schattenseiten - wie möglicher Missbrauch durch Kriminelle oder Einsparung von menschlichen Arbeitsplätzen. Doch auf der anderen Seite kann KI auch eine Unterstützung sein, dort wo das Personal knapp ist. So etwa in Schwimmbädern, wo es offenbar Probleme gibt, ausreichend Mitarbeiter zu finden.
Bereits im September 2023 hatte regionalHeute.de über KI-Systeme berichtet, die mit Kameras den Badebetrieb überwachen. Die Kameras messen beispielsweise die Anzahl der Menschen in den Becken, schlagen bei einer Überfüllung Alarm und senden eine Information an die Schwimmaufsicht. Seinerzeit hatten wir in den Städten Braunschweig, Wolfsburg und Wolfenbüttel angefragt, ob diese eine Option für die städtischen Bäder seien. Damals war der Tenor, dass so etwas noch nicht geplant sei, man das Thema aber im Auge behalten wolle.
Systeme wurden weiterentwickelt
Inzwischen wurden die Systeme weiterentwickelt. Unter anderem gibt es auch die Möglichkeit, diese in Freibädern einzusetzen. Das Fehlen dieser Option wurde 2023 noch als Gegenargument angeführt. Zeit also für ein Update. Diesmal fragten wir auch bei der Stadt Salzgitter an, wie man zum Thema KI im Schwimmbad steht.
In Braunschweig werde das Thema durchaus weiterhin sehr interessiert verfolgt. Konkrete Umsetzungsplanungen gebe es dahingehend allerdings aktuell nicht, teilt Fabian Neubert für die Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH mit.
"Keine konkreten Pläne"
Ähnlich sieht die Situation in Salzgitter aus. "Wir verfolgen die Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam und informieren uns regelmäßig über neue Technologien. Derzeit gibt es jedoch keine konkreten Pläne, ein solches System einzuführen", schreibt Doreen Plutta für die Bäder, Sport & Freizeit Salzgitter GmbH. Dabei möchte man betonen, dass solche Systeme lediglich eine unterstützende Funktion hätten und die fachliche Verantwortung der ausgebildeten Fachkräfte keinesfalls ersetzen.
Anders in Wolfsburg: Dort heißt es seitens der Stadt: "Aktuell prüfen wir den Einsatz eines solchen Systems im BadeLand. Das System bietet eine zusätzliche Sicherheit zur Überwachung des Bades gegen Ertrinkendensituationen. Um das System zu finanzieren, sollen Fördermittel des Landes eingesetzt werden."
Verschiedene Becken im Stadtbad
Sehr ausführlich äußert sich Detlev Quidde, Geschäftsführer der Stadtbetriebe Wolfenbüttel GmbH, die das Stadtbad Okeraue betreibt. Dieses ist sowohl ganzjährig Hallenbad mit einem - bei entsprechendem Wetter - zu öffnenden Dach als auch im Sommer zusätzlich ein Freibad.
Seit Anfang der 2020er Jahre seien verschiedene Systeme unterschiedlicher Hersteller sowohl als Test als auch zunehmend im Echtbetrieb im Einsatz. "Die andernorts gemachten Erfahrungen sind überwiegend positiv, Fehlalarme werden weniger. Die Akzeptanz der Gäste auf die Kameraerfassung, ist dem Vernehmen nach, nach wie vor unterschiedlich positiv ausgeprägt", so Detlev Quidde.
"Kein Ersatz für Personal"
"Aus unserer Sicht muss der Einsatz und die Anzahl der Fachangestellten für Bäderbetriebe und Rettungsschwimmer auch bei einem Einsatz KI-unterstützter Erfassungssysteme konstant bleiben. Ein kameragestütztes System erhöht zweifelsohne die Aufmerksamkeit und zahlt auf die Erkennungsquote von Gefahrensituationen ein, dennoch muss dann ein autorisierter Mensch da sein, der in einem solchen Fall reagieren kann und wird", so der Geschäftsführer weiter.
Deshalb habe man nach wie vor einen hohen Fokus auf eine ausreichende Ausstattung an Mitarbeitern und bilde deshalb auch sehr bewusst Auszubildende aus. „Presseberichte, die auf den Einsatz der neuen KI-Systeme als langfristigen, zumindest in Teilen, Ersatz von Personal durch Technik abstellen, gehen unseren Erachtens nach ins Leere. Darüber hinaus ist uns die persönliche Betreuung unserer Gäste grundsätzlich sehr wichtig und steigt sogar in der Priorität", stellt Quidde klar.
Pläne für das Stadtbad
Das Stadtbad Okeraue hätte für die Installation dieser KI-Systeme aufgrund der Struktur mit den verschiedenen Becken einen erheblichen Investitionsbedarf im mindestens mittleren sechsstelligen Bereich. "Wir werden das Jahr 2026 intensiv nutzen, um die gemachten Erfahrungen in anderen Bädern mit den dort installierten aktuellen Versionen abzufragen", kündigt der Geschäftsführer an. Danach wolle man in 2027 in Verhandlungen mit den derzeitigen Marktteilnehmern dieser Systeme einsteigen - nicht als Personalersatz, sondern zur Schaffung einer zusätzlichen Sicherheit. Ziel werde sein, mit einem ausgewählten Becken gegebenenfalls in 2027 oder 2028 den Betrieb einer solchen Anlage zu starten.

