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"Kein Ende in Sicht": Diese Corona-Regeln gelten ab Freitag

Unter anderem werden die privaten Feiern neu geregelt. Aber es gibt auch durchaus Hoffnungen auf einen Impfstoff.

von Julia Fricke


Ministerpräsident Stephan Weil.
Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: Anke Donner

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07.10.2020

Region. Die Zahl der Corona-Infektionen ist in den europäischen Nachbarstaaten in den letzten Wochen rasant angestiegen. In Deutschland verzeichnen vor allem die Metropolregionen einen Anstieg an Infektionen. Und auch Niedersachsen ist davon betroffen. Zwar seien die Zahlen immer um einiges niedriger, als der Bundesdurchschnitt, dennoch würden sie spürbar ansteigen und hätten am vergangenen Samstag mit mehr als 270 Neuinfektionen einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, wie aus der Regierungserklärung am heutigen Mittwoch von Ministerpräsident Stephan Weil hervorgeht. Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus weitestgehend zu verhindern, tritt am Freitag eine Neuordnung der Corona-Verordnung in Kraft. Grundlage bleibt dabei eine noch stärkere Betonung der AHA-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Ergänzend ist in dieser Jahreszeit noch das Stichwort „Lüften“ in geschlossenen Räumen hinzuzufügen.



Im Durchschnitt seien die Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, gegenüber der Situation von vor einem halben Jahr, jünger. So sei auch die Situation in den Krankenhäusern weiterhin unauffällig. Dennoch müsse weiterhin mit Vorsicht agiert werden. "Wenn die Infektionszahlen nicht sprunghaft, sondern nach und nach steigen, ist das der Erfolg von vielen Vorbeugemaßnahmen und vor allem auch der ausgezeichneten Arbeit in den Gesundheitsämtern", so Stephan Weil.

Kinder könnten nur dann weiter in Kita und Schulen gehen, solange ein überschaubares Infektionsgeschehen die Grundlage dafür bildet. Am gestrigen Dienstag musste der Präsenzunterricht in 84 niedersächsischen Schulen teilweise eingestellt werden. Die Risiken für die Gesamtentwicklung seien unübersehbar. "Wir müssen deswegen alle Menschen in Niedersachsen herzlich bitten: Bleiben Sie vorsichtig! Helfen Sie mit, dass es keine neuen Infektionen gibt!"
 

"Es ist kein Ende der Pandemie in Sicht"

- Stephan Weil



Normale Familienfeiern weiterhin möglich


Wurde auf eine zahlenmäßige Begrenzung im privaten Bereich bisher verzichtet, werde eine solche nunmehr als notwendig angesehen. "Dabei wollen wir selbstverständlich die privaten Aktivitäten in einem engeren Rahmen unberührt lassen. Wenn allerdings viele Menschen zusammenkommen, ist auch das Risiko größer", so Weil weiter. Künftig solle daher eine Grenze von 25 Personen bei privaten Zusammenkünften in privaten Räumen gelten. Normale Geburtstags- oder Familienfeiern seien somit auch weiterhin möglich. Für draußen gelte eine Grenze von 50 Personen.


"Wir wollen damit natürlich den Menschen in Niedersachsen nicht die Geselligkeit vermiesen."

- Stephan Weil



Vorgesehen sei weiterhin, den Rahmen für Gaststätten und andere öffentlich zugängliche Räume auf der Grundlage eines Hygienekonzeptes zu erweitern. Dabei solle eine Besucherzahl von 100 Menschen als Obergrenze gelten und die bisherige Beschränkung auf besondere Anlässe entfallen.

Kulturveranstaltungen sollen gefördert werden


Kinos, Theater und andere Kulturstätten sollen mittels einer Schachbrett-Belegung, guten Belüftungsanlagen und sorgfältigen Hygienemaßnahmen vor und nach den Veranstaltungen mehr Möglichkeiten erhalten. Durch diese Maßnahmen könne die Platzkapazität besser ausgenutzt werden. Mit dem Programm des MWK "Niedersachsen dreht auf" sollen ebenfalls verstärkt Kulturveranstaltungen gefördert werden. "Wir wollen, dass Künstlerinnen, Künstler und Kreative wieder mehr Arbeit haben, denn das nutzt ihnen am meisten", so Weil.

Handlungskonzept in vier Stufen


Doch auch das behördliche Vorgehen spiele eine große Bedeutung. So gebe es zwischen dem Land und den Kommunen eine enge Abstimmung. In einem Handlungskonzept sind die dabei entwickelten Regeln zur Bekämpfung möglicher Steigerungen von Infektionszahlen zusammengefasst worden. In vier Stufen werde das Vorgehen adäquat zu der jeweiligen Lage bestimmt, wobei der dezentrale Ansatz hervorzuheben sei. "Regionalität und lokaler Bezug haben sich in unserem Flächenland gerade bei einem erhöhten Infektionsaufkommen sehr bewährt. Landkreise und kreisfreie Städte handeln angemessen und konsequent, sodass vorübergehende Hotspots eingedämmt werden konnten. Das bleibt auch die weitere Grundlage unseres Vorgehens", erklärt Weil.

Schnelltests und Impfstoffe


Wie Weil in seiner Rede weiter berichtet, sollen nach Ankündigung des Bundes sehr schnell Schnelltests zur Verfügung stehen. Die Finanzierung solle für Pflegeheime und Krankenhäuser sichergestellt werden, denn dort sei der Einsatz als erstes vorgesehen. "Ich hoffe sehr, dass wir auf diese Weise besondere Risikoherde noch wesentlich schneller und besser unter Kontrolle bekommen. Bestenfalls gelingt es auf dieser Grundlage, gleichzeitig mehr Sicherheit und mehr Freiheit zum Beispiel bei Besuchsregelungen zu ermöglichen."

Weiteres weiß Weil aus dem Bereich der Impfstoffforschung zu berichten. Demnach würden sich inzwischen weltweit neun Impfstoffkandidaten in einer klinischen Erprobung befinden. Somit seien erste Teillieferungen von zugelassenen Impfstoffen womöglich bereits am Jahresanfang möglich. Auch Niedersachsen sei mit dem HZI, der MHH sowie Einrichtungen wie TWINCORE und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung dabei. Die Vorbereitungen des Landes auf die Impfstoffe würden derweil bereits laufen. So würde Impfbesteck beschafft, die Logistik und die Kühlung des Impfstoffs sichergestellt und gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen würden Impfzentren vorbereitet. Bei aller Euphorie räumt Weil jedoch auch ein, dass man nicht wirklich wisse, wann ein Impfstoff tatsächlich zur Verfügung stehe. "Außerdem werden voraussichtlich zwei Impfungen im Abstand von vier bis sechs Wochen notwendig sein. Und schließlich müssen wir in Anbetracht des weltweiten riesigen Bedarfs auch ansonsten mit Verzögerungen rechnen", so Weil. "Aber immerhin: Wie lange es nun auch genau dauern wird, bis durch Impfungen eine Herdenimmunität erreicht werden kann – alleine die Fortschritte der Forschung werden viele von uns und auch ich ganz persönlich als ausgesprochen ermutigend empfinden."
 
Insgesamt könne gesagt werden, dass Deutschland und auch Niedersachsen heute besser vorbereitet seien, als noch vor acht Monaten. Dabei helfe auch der weit überwiegende Teil der Bürger, die durch eigene Vorsicht helfen würden den Virus in Schach zu halten. "Und die Forschung macht uns noch nicht ganz schnell, aber immerhin doch absehbar Hoffnung, Corona zurückzudrängen", so Weil abschließend.


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