Kein Sport in der Krise: Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat

Fitnessstudios und Sportstätten sind aufgrund der Corona-Krise weiterhin geschlossen. Die mangelnde Bewegung kann jedoch auch Folgen für den Körper und die Psyche haben.

von Julia Seidel


Prof. Dr. Thomas Gösling
Prof. Dr. Thomas Gösling | Foto: Klinikum Braunschweig

Region. Mitte März hat das Land Niedersachsen zur Eindämmung des Coronavirus die Schließung aller Freizeit- und Kultureinrichtungen veranlasst (regionalHeute.de berichtete). Dazu zählen unter anderem Fitnessstudios, Saunen und Schwimmbäder aber auch Vereine mussten ihren Trainingsbetrieb einstellen. Dies könnte auf Dauer Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, wie Chefarzt Prof. Dr. Thomas Gösling von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Braunschweig, der auch einer der medizinischen Betreuer von Eintracht Braunschweig ist, auf Nachfrage von regionalHeute.de berichtet.


Demnach könne die Schließung der Sportstätten bei einigen Menschen zu einer Art Schockstarre führen, denn Menschen lieben ihre gewohnten Verhaltensmuster. Und dies treffe auch auf den Sport zu, wie Gösling weiter ausführt. So würden Alternativen langweilig erscheinen, nicht praktikabel oder statt auf eine andere sportliche Betätigung zu wechseln, werde der Sport häufig ganz eingestellt. Nach Einschätzung des Experten würde dadurch ein Anstieg des Übergewichts nahe liegen. Auch der Wegfall des positiven Einflusses der Bewegung auf das Herz-Kreislaufsystem könne mittelfristig zu einem Anstieg der koronaren Herzerkrankungen führen.

Auswirkungen auf die Psyche



"Regelmäßiger Sport führt nachweislich zu einer positiven Beeinflussung von Erkrankungen. Dies geht mit einer Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer einher. Auch schmerzhafte Veränderungen durch Arthrose oder Osteoporose können durch Sport verbessert werden. Im höheren Alter senkt Sport auch das Sturzrisiko", so Gösling.

Darüber hinaus werden beim Sport Endorphine freigesetzt, die auch als "Glückshormone" bezeichnet werden. Fallen diese weg, können schlechte Laune, Aggressivität oder auch Depressionen die Folgen sein. "Der Körper adaptiert sich an seine regelmäßige Belastung. Eine zu schnelle Steigerung aber auch eine zu schnelle Minderung der sportlichen Aktivität führt zu Problemen beim Stoffwechsel, Herz-Kreislaufsystem, aber auch Gelenken, Muskeln und Sehnen", erklärt Gösling. Besonders risikoreich sei der abrupte Stopp und der Versuch des Wiederbeginns auf gleichem Niveau. Auch die Umstellung auf eine andere Belastung müsse dosiert angegangen werden, da dies sonst besonders für den Bewegungsapparat Risiken berge. "Selbst Hochleistungssportler wie zum Beispiel Fußball-Profis hatten zum Teil unter den komplett anderen Trainingsbedingungen mit Überlastungsreaktionen zu kämpfen", erzählt der medizinische Betreuer von Eintracht Braunschweig.

So bleibt man zuhause fit



Trotz der Corona-Krise sei es empfehlenswert den "inneren Schweinehund" zu überwinden und in Bewegung zu bleiben, um Übergewicht und Krankheiten vorzubeugen. Dabei sollten die Sportarten im besten Fall spezifisch trainiert werden. Dies bedeutet möglichst ähnliche Belastungen durchzuführen, an die der Körper bereits gewohnt ist. Für Fußballspieler würde sich in diesem Fall das Laufen anbieten. Doch trotz allem sollte sich auch der Trainierte langsam steigern und auf gute Schuhe achten, empfiehlt Gösling.

Neben Ausdauer sollten auch Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit trainiert werden. Kreative Ideen seien unter anderem auch auf Online-Plattformen zu finden, bei denen viele Angebote auch kostenlos seien, so Gösling weiter und hat auch noch einen Tipp, um die Geselligkeit nicht zu vernachlässigen: "Meine Frau motiviert ihre beste Freundin in Hamburg via FaceTime mit einem gemeinsamen Work-Out und anschließendem Plausch."


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