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Keine Perspektive: Eintracht droht der Abschied eines großen Talentes



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Keine Perspektive: Eintracht droht der Abschied eines großen Talentes

U-19-Stürmer Seyyid Görgülü plant in diesem Winter einen Wechsel in die Türkei. Aber eigentlich würde er lieber in Braunschweig bleiben.

von Alexander Dontscheff


Seyyid Görgülü plant den Abschied von der Eintracht.
Seyyid Görgülü plant den Abschied von der Eintracht. Foto: Alexander Dontscheff

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Braunschweig. Seyyid Görgülü gilt als großes Nachwuchstalent in den Reihen der Braunschweiger Eintracht. Der heutige U-19-Stürmer wechselte 2019 vom VfL Wolfsburg zur U-17 der Blau-Gelben und trug mit seinen Toren und Flanken zum Wiederaufstieg dieser Mannschaft in die Bundesliga bei. Auch am Gewinn des U-18-Länderpokals der Niedersachsenauswahl in diesem Jahr in Duisburg war er beteiligt. Dass er vor zwei Jahren trotz finanzieller Einbußen von Wolfsburg in die Löwenstadt wechselte, hatte einen klaren Grund: Der gebürtige Braunschweiger wollte es in seiner Heimatstadt schaffen und bei den Blau-Gelben einen Profivertrag bekommen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Alles deutet auf einen Abschied schon in dieser Wechselperiode hin.



Seit Monaten ist aufgrund der Pandemie-Lage kein Amateursport möglich. Auch die U-19 musste den Spiel- und Trainingsbetrieb einstellen. Die Spieler haben keine Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln und müssen sich privat fit halten. Die Hoffnung von Seyyid Görgülü, zumindest mit den Profis trainieren zu dürfen, um sich hier dem Trainer präsentieren zu können, haben sich bislang nicht erfüllt. Aktuell gibt es auch keine Anzeichen, dass sich dies zeitnah ändert. Für den 18-Jährigen ist dies keine zufrieden stellende Perspektive. Wie es aus dem Kreis seiner Familie heißt, verhandele man derzeit mit einigen türkischen Vereinen. Im September hatte bereits ein Angebot des türkischen Meisters und Champions-League-Teilnehmers Başakşehir Istanbul vorgelegen, an einem Probetraining teilzunehmen. Schon in diesem Winter soll es also in die Türkei gehen.

"Ein Wechsel ist nicht im Interesse der Eintracht"


"Ein Vereinswechsel von Seyyid ist nicht im Interesse von Eintracht Braunschweig", erklärt Peter Vollmann, Geschäftsführer Sport bei der Eintracht, auf Anfrage von regionalHeute.de. Seyyid sei vor gut zwei Jahren zur Eintracht gekommen, um mehr Spielpraxis zu erhalten und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. "Aktuell ist er einer von mehreren interessanten Spielern unserer U19, die sich im Blickfeld unserer sportlich Verantwortlichen befinden. Allerdings hatte er im bisherigen Saisonverlauf mit Formschwankungen zu kämpfen. Dies spielt in die Gesamtbetrachtung ebenso mit hinein wie die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie und nicht zuletzt die sportliche Situation unserer Profis", erklärt Vollmann.


Generell entscheide Cheftrainer Daniel Meyer – in Abstimmung mit dem jeweiligen verantwortlichen Nachwuchstrainer und NLZ-Leiter Dennis Kruppke – über die Anzahl und den möglichen Einstiegszeitpunkt der U19-Talente. Gespräche mit Seyyid und seinen Beratern hätten stattgefunden, in denen man seine aktuelle Situation besprochen und Perspektiven aufgezeigt habe. "Seyyid soll sich, sofern das wieder möglich ist, weiter anbieten. Unser Ziel ist es am Ende der Saison ein oder zwei Spielern zu ermöglichen, den Sprung nach oben zu schaffen, wenn die voraussetzende Qualität vorhanden ist. Ein entsprechender Konkurrenzkampf ist hierfür eine wichtige Voraussetzung", betont der bisherige Sportdirektor und jetzige Geschäftsführer.

Grundsätzlich sei man der Überzeugung, dass man die Qualität der Jugendspieler gut analysiere und in regelmäßigen Abständen sowohl menschlich als auch sportlich gerecht einordnen könne. "Auf dieser Basis entscheiden wir – die sportlich Verantwortlichen – dann über den möglichen Zeitpunkt für den Einstieg in unseren Profibereich. Die Regularien für einen möglichen Profianschluss sind für alle U19-Spieler gleich", so Vollmann abschließend.

"Entscheidende Phase der Karriere"


Für Seyyid Görgülü ist die Perspektive, erst im Sommer möglicherweise eine Chance zu bekommen zu wenig. "Seyyid ist jetzt 18 und in der entscheidenden Phase seiner Karriere. Ein weiteres verlorenes halbes Jahr können wir uns da nicht leisten", heißt es aus dem Kreis der Familie des Stürmers. Man zweifle an, dass die aktuell Verantwortlichen die Talente Görgülüs richtig einschätzten. Man könne nicht verstehen, dass in der aktuellen Situation, in der es in der Offensive der 2.-Liga-Mannschaft der Eintracht nicht so gut laufe, es nicht zumindest einmal mit dem U-19-Spieler versuche und er sich noch nicht einmal im Rahmen eines Trainings präsentieren dürfe. Aus diesem Grund werde Seyyid Görgülü seine Heimatstadt vermutlich demnächst schweren Herzens verlassen.


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