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Kinderspielkreis Wedtlenstedt: Landesbischof verkündet das Aus



Peine

Kinderspielkreis Wedtlenstedt: Landesbischof verkündet das Aus

von Frederick Becker


Die Eltern kämpfen seit Wochen für den Erhalt des evangelischen Kinderspielkreises in Wedtlenstedt, doch der Landesbischof Dr. Christoph Meyns gab am Donnerstag bekannt, dass die Kirche den Betrieb nicht über den 31. Juli hinaus aufrechterhalten will. Fotos: Frederick Becker
Die Eltern kämpfen seit Wochen für den Erhalt des evangelischen Kinderspielkreises in Wedtlenstedt, doch der Landesbischof Dr. Christoph Meyns gab am Donnerstag bekannt, dass die Kirche den Betrieb nicht über den 31. Juli hinaus aufrechterhalten will. Fotos: Frederick Becker

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Wedtlenstedt. Seit heute ist es offiziell: Der evangelische Kinderspielkreis stellt im Sommer seinen Betrieb ein. Das erklärte der Braunschweiger Landesbischof Dr. Christoph Meyns am Donnerstagmittag.



Meyns war persönlich nach Wedtlenstedt gekommen, um den Eltern der 15 Kinder, die derzeit den Spielkreis besuchen, die Entscheidung der Landeskirche mitzuteilen. Seit Wochen ist die Zukunft der Einrichtung ungewiss, denn der Kinderspielkreis ist in einem 100 Jahre alten Gebäude untergebracht, das einst als Stall diente. Um den modernen Sicherheitsstandards zu genügen, sind laut Kirche Baumaßnahmen in Höhe von mehr als 200.000 Euro nötig. Das Gebäude sei aber höchstens 20.000 Euro wert. "Das ist eine Investition, die weder aus wirtschaftlichen, noch aus ehtischen Gründen zu rechtfertigen wäre", erklärte Meyns.

Die Kosten sindeinfach zu hoch


Die Kirche plane derartige Baumaßen immer mit einer Perspektive von 50 Jahre, man könne aber nicht garantieren, dass die Einrichtung dann noch genutzt werden wird. Der Bedarf entwickele sich, so erläuterte Meyns, in Richtung einer ganztägigen Betreuung. Der Spielkreis betreue die Kinder nur fünf bis sechs Stunden am Tag und sei damit ein Auslaufmodell.

Die optimale Alternative zum Kinderspielkreis sei die Schaffung einer Kindertagesstätte, "aber da spielt die Kommune nicht mit", so Meyns.

"Auch andere bauliche Lösungen haben wir diskutiert, zum Beispiel die Anmietung von Containern, oder den Umbau des benachbarten Pfarrhauses. Auch in diesen Fällen würden aber höhere, vermutlich sechsstellige Investitionen, notwendig, ohne das eine Lösung erkennbar wäre", sagte der Bischof.

"Ich bin auch persönlich betroffen. Es war eine schmerzliche und schwierige Entscheidung, denn in diesem Spielkreis wird sehr gute Arbeit geleistet, betonte Meyns." Aber: "Die Baubehörde hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt."

Noch bis zum 31. Juli wird der Betrieb voraussichtlich noch laufen. Danach kann das Gebäude nur noch zum Lagern genutzt werden. Fünf der 15 Kinder, die den Spielkreis derzeit besuchen, werden im Sommer eingeschult, der Rest wird in den (kommunalen) Wedtlenstedter Kindergarten übernommen. Die drei Mitarbeiterinnen werden wohl dort Arbeit finden oder werden werden zeitnah eine Beschäftigung bei einem kirchlichen Kindergarten finden.

"Gleichwohl schmerzt es uns, dass das religionspädagogische Angebot des Spielkreises bei einem Wechsel der Kinder in den kommunalen Kindergarten verlorengeht. Deswegen wollen wir zusätzliche Angebote für Kinder von Seiten der Kirchengemeinde machen. Angedacht sind zum Beispiel neue Kindergottesdienstmodelle der Kinderkirchentage. Unabhängig von der Kindergartenarbeit wollen wir alles versuchen, nahe bei den Kindern und ihren Eltern zu bleiben."

Eltern glauben dass es eine Lösung hätte geben können


"Die Kirche und die Kommune vertun hier eine Chance", mahnte Gardenia Alonso, die Mutter eines Kindes, das den Spielkreis besucht. "Seit 40 Jahren bestehen hier ein gutes pädagogisches Konzept." Alonso hätte sich nach eigener Aussage gewünscht, dass sich Kirche, Kommune und Eltern an einen "runden Tisch" gesetzt hätten um über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Man habe nie konkrete Maßnahmen besprochen. "Man hat die Gespräche an einem Punkt abgebrochen, an dem noch ein positives Ergebnis möglich gewesen wäre", meint sie. Vermutlich habe die Kirche keinen Präzedenzfall schaffen wollen. "Wir hätten sicherlich eine Win-Win-Lösung finden können, wenn man weiter dirkutiert hätte", so Alonso.


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