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KolumneHeute: Das ist also Toleranz



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KolumneHeute: Das ist also Toleranz

von Sina Rühland


Foto: Sina Rühland

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Es ist erst wenige Tage her, da hat Facebook verkündet, man wolle nun "deutlich mehr kontroverse Inhalte" löschen. Wie gut das bisher geklappt hat, zeigt ein kurzer Selbsttest.

Seit dem Anfang der Flüchtlingskrise steht der Umgang Facebooks mit fremdenfeindlicher Hetze in Deutschland im Fokus. Immer wieder wurde dem Netzwerk vorgeworfen, deutlich erkennbare Hassbeiträge, die gegen das Recht und sogar gegen konzerneigene Richtlinien verstoßen, nicht zu entfernen. Ausländerfeindliche Witze und Hasskommentare finden sich seitenweise in den Weiten des amerikanischen Social-Media-Dienstes. Kaum jemand dürfte noch nicht über die Abgründe menschlichen Denkens gestolpert sein. Nachdem die Kritik in den vergangenen Monaten immer lauter wurde, dass der Konzern seiner Pflicht nicht nachkäme, kündigte er Neuerungen an. Ab sofort sollten deutlich mehr kontroverse Inhalte auf Facebook in Deutschland gesperrt werden, sagte Deutschland-Sprecherin Tina Kulow verschiedenen Medien gegenüber. Die Toleranz gegenüber leichtfertig dahingeschriebenen Kommentaren mit fremdenfeindlichem Unterton solle nun eingeschränkt werden. Zusammengefasst bedeutet das: Facebook hat zwar keine neuen Regeln erlassen, hat sich aber vorgenommen, die bisherigen besser umsetzen. In Zukunft solle "extrem viel mehr gelöscht" werden, heißt es.


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Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland. Foto:



Ob diese Ankündigung nun Menschen künftig davor bewahren wird, ihren geistigen Dünnpfiff und ihre strafbaren Äußerungen für sich zu behalten, wird sich zeigen – aktuell scheint Toleranz für Facebook jedoch noch sehr dehnbarer Begriff zu sein. Vielleicht liegt es am System, vielleicht an mangelnden Mitarbeiterkapazitäten. Als ich den User gemeldet habe, der der Meinung war, man sollte "die unkultivierten Buschmenschen zurück nach Afrika schicken und sie dort zum Arbeiten zwingen", kam folgende Antwort von Facebook: "Danke, dass du uns über den Kommentar informierst, den du wegen wegen Hassbotschaften gemeldet hast. Bisher haben wir sie nicht entfernt, da sie aus unserer Sicht nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstößt". Die gleiche Antwort erhielt ich übrigens auch zu folgendem Kommentar: "So ein Abschaum wird halt gezeugt, wenn man mit Kamelen, Ziegen und Schafen Geschlechtsverkehr hat". Ebenso tolerant zeigte sich Facebook gegenüber Gewaltaufrufen der Presse und privaten Personen gegenüber.

Man kann nur immer wieder betonen: Rassismus, Volksverhetzung, Gewaltaufrufe und Hass sind keine Meinungsäußerungen!


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