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KolumneHeute: Refugees welcome



Wolfenbüttel

KolumneHeute: Refugees welcome

von Sina Rühland



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„Helfen Sie mit“: über Twitter und Facebook wird seit Tagen dazu aufgerufen, die geflüchteten Menschen aus Ungarn in Österreich und Deutschland zu begrüßen. Bundesweit organisieren sich Gruppen, die Spenden sammeln, Wasserkisten zu Bahnhöfen transportieren und „Welcome“ auf Banner malen. Selbst der, der nichts geben kann, packt mit an und spendet Zeit. Eine Welle der Hilfsbereitschaft breitet sich aus.

Als sich die Grenze Ungarns für kurze Zeit am Samstagmorgen öffnet, dürfen sich über 10000 Menschen endlich aus dem Budapester Bahnhofs-Chaos auf den Weg nach Österreich und Deutschland machen. Zuvor sind sie aus Syrien geflohen, haben mit Schlauchboten das Mittelmeer überquert und mussten Tage lang ohne Wasser, Toiletten und Lebensmittel ausharren. Viele von ihnen wollen nach Deutschland, da sei es sicher, sagen sie. Aus diesem Grund ist für 7000 Schutzsuchende am Abend der Münchner Hauptbahnhof das erklärte Ziel. Kameras fangen das ein, was eigentlich keiner weiteren Worte bedarf – die Bilder zeigen Menschen, die gleichermaßen erschöpft und erleichtert wirken. Mit herzlichem Applaus werden sie von den Bürgern empfangen, Freiwillige verteilen Lebensmittel, Kleidung und Spielzeug. Es sind Aufnahmen, die zeigen, dass Europa auch anders kann. Ein bisschen solidarische Humanität nach wochenlanger Berichterstattung über hasserfüllte Rechtsextreme und hilflos phrasendreschende Politiker. Ein paar Stunden keine Bilder von ertrunkenen Kindern und weinenden Vätern. Einen Tag lang könnte man meinen, die Krise sei zu bewältigen.


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Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland. Foto:



Ich habe mich schon so sehr an die Bilder von Zerstörung, Wut und Trauer gewöhnt, dass mir die Aufnahmen der vergangenen Tage besonders prägnant erscheinen. Im Stundentakt bekomme ich Mails, die danach fragen, ob ich mich an Spendenaktion beteiligen möchte. Nachbarn und Kollegen organisieren sich, starten Solidaritätsaufrufe. Seit Tagen melden sich Menschen in unserer Redaktion und fragen, ob wir wissen, wie sie helfen könnten. Sie wollen Kleidung, Lebensmittel oder einfach Zeit spenden – es ist großartig. Es ist so fantastisch, dass man einfach mal einen Augenblick lang nichts kritisieren muss und froh sein kann, dass es so viele engagierte Menschen gibt. Wenn das Gutmenschen sind, dann bin ich froh und dankbar, dass es sie gibt.


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