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"Koma-Saufen": Zahlen sinken - Probleme bleiben dennoch



Wolfsburg

"Koma-Saufen": Zahlen sinken - Probleme bleiben dennoch

von Magdalena Sydow


Weniger Alkohol - mehr Partydrogen bei Wolfsburger Jugendlichen
Symbolbild: Thorsten Raedlein
Weniger Alkohol - mehr Partydrogen bei Wolfsburger Jugendlichen Symbolbild: Thorsten Raedlein Foto: regionalHeute.de

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Wolfsburg. Auch in diesem Jahr setzt sich der Abwärts-Trend im Bezug auf das Alkoholmissbrauchsverhalten von Jugendlichen in Wolfsburg fort, im Gegenzug wird verstärtk auf andere verbotene Substanzen zurück gegriffen.



Laut dem Wolfsburger Klinikum sind die Zahlen in 2016 im Vergleich zu 2015 ungefähr auf dem gleichen Stand. In 2015 behandelte das Klinikum insgesamt 24 Patienten unter 18 Jahren wegen alkoholbedingter Einlieferung. In 2016 waren es zum jetzigen Stand 20 Patienten.

Tendenz weiter fallend


Oberarzt Detlef Schmitz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Wolfsburger Klinikum, äußert sich verhalten optimistisch: „Gefühlt haben wir in letzter Zeit einen leichten Rückgang dieser Problematik gesehen. Es bleibt dennoch ein dauerhaftes Problem, weil Alkohol leicht zugänglich ist für Jugendliche. Es ist wichtig, dass Jugendlichen andere Freizeitangebote unterbreitet werden" Weiterhin warnt er: "Bewusstlosigkeit in Folge von Alkoholkonsum in der kalten Jahreszeit kann zur Unterkühlung und Lebensgefahr führen.“ Sven-Marco Claus, von der Wolfsburger Polizei, spricht im Bezug auf "Koma-Saufen" sogar von einer "Tendenz die gegen Null geht".

Erfolgreiche Präventionsarbeit


Claus führt diese positive Bilanz auf die erfolgreiche Präventionsarbeit der Wolfsburger Polizei zurück. In Projekten an Wolfsburger Schulen will die Polizei Kinder und Jugendliche für das Thema Alkohol-Missbrauch sensibilisieren. "Wir führen den Schülern vor Augen welchen Einfluss der Missbrauch von Alkohol auf ihre Zukunft haben kann", äußert sich Claus. Des Weiteren resümiert er, dass besonders die Gefahr keinen Führerschein machen zu können die Jugendlichen abschrecke. "Wenn jemand zwei Mal von der Polizei nach Hause gefahren werden muss, weil er zu viel Alkohol getrunken hat, wird es schwer einen Führerschein zu machen. Eine MPU ist dann Pflicht", sagt der Pressesprecher. Außerdem kostet so eine unfreiwillige Fahrt im Polizeiauto zwischen 80 und 100 Euro. "Das Geld bekommen die Jugendlichen wieder, wenn sie sich auf eine Beratung im Jugendamt einlassen. Damit haben wir positive Erfahrungen gemacht", vermeldet er.

In Deutschland einmaliges Projekt


Eine wichtige Institution der Alkoholprävention sei "Streetlife". Bei diesem Gemeinschaftsprojekt arbeiten Wolfsburger Polizisten und geschulte Sozialarbeiter Hand in Hand. "Es handelt sich hierbei um ein in Deutschland einmaliges Projekt. Ein Mobiles Team ist in der Stadt unterwegs und spricht Jugendliche genau dort an wo Alkoholmissbrauch betrieben wird", erklärt der Polizeisprecher.

Andere Substanzen auf dem Vormarsch


So positiv die Bilanz im Hinblick auf Alkohol auch sei, Claus sieht neue Herausforderungen: "Wir haben in der letzten Zeit eine Zunahme im Missbrauch von sogenannten Partydrogen gemerkt". Konkrete Zahlen dazu gebe es zwar nicht aber es sei auffällig, dass immer mehr junge Autofahrer zwischen 18 und 25 positiv auf Drogen, wie zum Beispiel Amphitamine getestet werden würden. "Die jungen Leute unterschätzen wie lange diese Stoffe noch nachweisbar sind, anders als bei Alkohol können wir bis zu fünf Tage nach dem Konsum noch Spuren davon feststellen", erklärt Claus.


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