Region. Eine Krankheit, die bereits in der Bibel sowie bei den alten Römern und Griechen Erwähnung fand, breitet sich aktuell wieder vermehrt in Deutschland aus. Auch Niedersachsen ist betroffen – immer wieder berichten Medien über kleinere Ausbrüche. Krätze, in der Fachsprache auch Skabies genannt, ist eine Erkrankung, die starken Juckreiz auslöst – besonders in Gemeinschaftseinrichtungen ist sie auf dem Vormarsch.
Krätze wird durch die Skabies-Milbe verursacht und ist ansteckend. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website schreibt, sind die Milben, die zu den Spinnentieren gehören, nur schwer mit bloßem Auge zu erkennen. Symptome würden erst nach vier bis sechs Wochen aufgrund der Reaktion des Immunsystems auf Eier und Ausscheidungen der Milben auftreten. Krankheitszeichen seien Brennen der Haut und Juckreiz, der besonders nachts stark ausgeprägt sei, stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln.
Mit Milben befallen seien vor allem Zwischenräume von Fingern und Zehen, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und Genitalien. Bei Säuglingen und Kleinkindern könnten auch Kopf und Gesicht betroffen sein. Die Übertragung von Skabiesmilben erfordere meist längeren direkten Hautkontakt.
Über 380.000 Fälle
Für die Skabies besteht keine umfassende Meldepflicht. Das RKI hat daher in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung ambulante vertragsärztliche Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherungen zur Diagnose von Skabies ausgewertet: Im Jahr 2018 wurden über 380.000 Patienten mit Skabies diagnostiziert. Dies entspricht demnach einer Inzidenz von 525 Skabiesdiagnosen pro Jahr auf 100.000 Einwohner. Die Auswertung von Abrechnungsdaten niedergelassener Ärzte zeige, dass seit 2009 die Skabiesdiagnosen etwa um den Faktor 9 zugenommen hätten. Angestiegen sind laut RKI insbesondere Fälle unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, bei denen Skabies im Jahr 2018 sogar mehr als elfmal so häufig wie noch 2009 diagnostiziert worden sei.
Behandlungen im Krankenhaus nehmen zu
Ebenfalls angestiegen sei die Zahl der Patienten, die im Krankenhaus mit Skabies diagnostiziert und behandelt werden. Die Zahl der Diagnosen sei demnach seit 2009 gestiegen und habe sich trotz Pandemie auf hohem Niveau eingependelt. Allein im Jahr 2023 habe es in Deutschland 7094 Fälle von Skabies als Hauptdiagnose bei Krankenhauspatienten gegeben. Insgesamt decke sich diese Entwicklung mit Berichten zur Situation in anderen EU-Ländern.
Diese Personen sind besonders gefährdet
Aufgrund der hauptsächlichen Übertragung durch intensive Haut-zu-Haut-Kontakte ist Skabies eine Krankheit, die an enge Kontaktpersonen wie etwa Familienmitglieder, enge Freunde und Sexualpartner weitergegeben werden kann. In Gemeinschaftseinrichtungen können auch Betreuer und Pfleger betroffen sein. Ältere Menschen, die oftmals an mehreren teils chronischen Krankheiten leiden, sind laut RKI eine Gruppe, die zunehmend Bedeutung bei der Verbreitung der Skabies gewinne, besonders in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen.
So wird Krätze behandelt
Das Abtöten der Skabiesmilben sowie der Larven und Eier mittels spezieller Cremes oder Lotionen ist das vorrangige Ziel der Behandlung. Zusätzlich werden die Symptome behandelt, insbesondere der oft ausgeprägte Juckreiz. Auch mögliche entzündliche Begleiterscheinungen und Sekundärinfektionen stehen im Fokus der Therapie.

