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Krambuden-Gastronom erhebt Vorwürfe gegen Stadt und IWW

von Anke Donner


Das El Cid steckt in finanziellen Problemen. Betreiber Olaf Meyer glaubt, dass auch die Baustelle vor seiner Tür Schuld daran ist. Fotos: Anke Donner
Das El Cid steckt in finanziellen Problemen. Betreiber Olaf Meyer glaubt, dass auch die Baustelle vor seiner Tür Schuld daran ist. Fotos: Anke Donner Foto: Anke Donner

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03.02.2017

Wolfenbüttel. Olaf Meyer, Betreiber des Cafés El Cid, beklagt hohe Umsatzeinbrüche. Grund sei vor allem die Baustelle direkt vor seiner Tür. Zudem fühle er sich allein gelassen und erhebt Vorwürfe gegen die Stadt und den Vorsitzenden der IWW, Sven Hess.


Ein kleiner Zettel im Schaufenster des Cafés El Cid an den Krambuden verheißt nicht Gutes. "Aufgrund der katastrophalen Entwicklung in der Innenstadt wird dieses Café bei schlechter Witterung ab 15 Uhr geschlossen", steht auf dem Aushang. regionalHeute.de hat mit Inhaber Olaf Meyer gesprochen und ihn gefragt, was ihn zu diesem Schritt treibt. Im Gespräch erklärt Meyer, dass er finanziell inzwischen mit dem Rücken zur Wand stehe. "Die Baustelle vor der Tür ist das I-Tüpfelchen. Das gibt mir den Rest. Ich bin von der Außengastronomie abhängig. Ich habe 80 Außenplätze und die sind seit Ende Mai aufgrund der Baustelle nicht mehr besetzt. Ich habe einen Umsatzrückgang von 70 Prozent", so Meyer. Angefangen habe aber alles schon mit der Schließung des Hertie-Kaufhauses. Viele seiner Stammkunden seien nun lieber in Braunschweig oder Goslar unterwegs. "Wolfenbüttel ist einfach unattraktiv. Es gibt hier einfach nichts mehr", so Meyer.


Olaf Meyer fürchtet um seine Existenz. Foto: Anke Donner


Anschuldigungen gegen Stadt und IWW


Und die Stadt würde nichts tun, führt er weiter aus. Gespräche mit der Stadt hätten nicht viel gebracht, und auch ein Brief an den Niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies hätte nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Bis heute würden die Händler auf eine Antwort aus Hannover warten. Aufgrund des Schreibens habe dann jedoch im Dezember ein Treffen im Rathaus stattgefunden, an dem die an den Krambuden ansässigen Händler ihre Sorgen und Ängste vorgetragen haben, erklärt Meyer weiter. An dem Treffen nahmen neben Bürgermeister Thomas Pink auch Stadtkämmerer Knut Foraita, Mitarbeiter des Bauamtes, sowie der IWW-Vorsitzende Sven Hess teil. Aber auch hier sei aus Meyers Sicht keine wirkliche Lösung hervorgegangen. Erfühlte sich nicht ernst genommen und alleine gelassen. "Man hat uns mehr oder weniger ausgelacht. Dass wir zu dumm wären, unsere Geschäfte zu führen. Man hat uns rhetorisch in Grund und Boden geredet. Meine direkte Frage an den Bürgermeister, wie wir hier überleben sollen, wurde nicht beantwortet und ignoriert. Wir wurden behandelt wie kleine Schulkinder", so Meyer weiter.

"Das ist unter aller Sau"


Nach diesem Gespräch sei Sven Hess, Vorsitzender der Initiative Wirtschaft Wolfenbüttel (IWW), an Meyer herangetreten und habe ihm seine Hilfe angeboten. Hess habe auf die Wirtschaftsförderung der Stadt angesprochen und ihm nahegelegt, diese Fördermittel so schnell wie es geht zu beantragen. Die Förderung in Höhe von maximal 10.000 Euro können Händler beantragen, wenn sie Unterstützung für ihr Geschäft benötigen. "Ich habe schon einmal 2.500 Euro für den Bau meiner Theke vor fünf Jahren bekommen. Also sind noch 7.500 Euro offen, die ich noch beantragen kann. Auf Anraten von Herrn Hess habe ich das sofort gemacht und den Antrag zu ihm gebracht. Das war am 15. Dezember. Herr Hess wollte den Antrag an die Stadt weiterreichen und sich dann umgehend bei mir melden. Herr Hess hat mich nie wieder angerufen. Ich habe 200 Mal versucht ihn anzurufen. Ich habe ihm mehrere SMS geschickt mit der Bitte sich bei mir zu melden", so Meyer weiter. Nun habe sich sein Steuerbüro der Sache angenommen und den Antrag noch einmal gestellt. Denn, so Meyer, der erste Antrag sei nie bei der Stadt eingegangen. Das habe ihm die Wirtschaftsförderung der Stadt mitgeteilt. "Diese Art, in so einer Führungsposition, in der sich Herr Hess befindet, ist unter aller Sau. Was der mit kleinsten Gewerbetreibenden, die durch die Baustelle unter dem Existenzminimum leben, was so einer in so der Führungsposition mit einem macht, das geht gar nicht", so Meyer und kündigt an, sich nun dagegen wehren zu wollen. Er möchte weitere Medien einschalten und sich noch einmal an das Wirtschaftsministerium wenden.


Olaf Meyer glaubt, dass die Baustelle vor seinem Lokal zu den Umsatzeinbrüchen beiträgt. Foto:


Das sagen Hess und die Stadt zu den Vorwürfen:



Sven Hess. Foto: Anke Donner



Sven Hess teilte auf Nachfrage von regionalHeute.de mit, dass er den Antrag bei der Stadt eingeworfen habe. "Im Rahmen der aktuellen Probleme an den Krambuden unterhielt ich mich im Dezember als IWW-Vorsitzender mehrfach mit Herrn Meyer und empfahl ihm, aufgrund seiner schwierigen Situation versuchsweise einen Förderantrag bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Wolfenbüttel zu stellen. Diesen reichte Herr Meyer Ende Dezember bei mir ein. Zusammen mit einer begrüßenden Stellungnahme warf ich diesen Antrag dann kurz vor Silvester in den Briefkasten am Rathaus ein. Aus privaten Gründen war ich im Januar dann leider nicht mehr in der Lage, den Vorgang weiter zu verfolgen", so Hess. Ob der Antrag nun tatsächlich den Weg zur Wirtschaftsförderung gefunden hat, könne er nicht sagen.

"Gespräch war produktiv"


Auch die Stadt Wolfenbüttel äußerte sich auf Nachfrage von regionalHeute.de zu den Vorwürfen.Dazu erklärt Stadt-Sprecher Olaf Danell: "Herr Meyer muss sein Geschäft aufgrund der Baustellensituation nicht früher schließen, er macht dies aus freien Stücken. Da der Zettel bereits seit Ende Oktober/Anfang November 2016 hängt war er schon Thema bei besagtem Gespräch mit den Händlern. Aus Sicht der Stadtverwaltung war das Gespräch mit den Händlern durchaus produktiv. Es wurden von beiden Seiten offen Probleme angesprochen und Lösungen gesucht. IWW-Vorsitzender Sven Hess hatte die Vermittlerrolle übernommen und am Ende wurde vereinbart, drei Personen aus Reihen der Krambuden-Händler zu benennen, die künftig Ansprechpartner für die Stadtverwaltung sind, um zum Beispiel den Informationsfluss zu verbessern.


Olaf Danell, Pressesprecher der Stadt Wolfenbüttel. Foto: Archiv



Damals wurde zum Beispiel auch gewünscht, dass es die Stadt möglich macht, dass trotz Baustelle dort vor dem Alt Wolfenbüttel und vor dem El CID die traditionellen Heiligabend- und Silvester-Treffen stattfinden können. Dies wurde von der Stadt ermöglicht. Es wurde der Wunsch geäußert, die Krambuden weihnachtlich zu dekorieren. Dies wurde von der Stadt möglich gemacht. Es wurde der Wunsch nach einer zusätzlichen Laterne in dem Bereich geäußert. Diese wurde von der Stadt aufgestellt. Die Stadt hat die Baustelle nicht nur winterfest machen lassen, indem Steine vor die Geschäfte unter den Arkaden geschüttet wurden. Hier wurde eine Holzkonstruktion samt Teppich beauftragt, um eine bessere Begehbarkeit und Optik zu gewährleisten. Die Stadt hat während des Altstadtfestes die Baustelle zurückbauen lassen, um auch die dortigen Händler nicht auszugrenzen.

Herr Foraita hat sich weder über die Händler lustig gemacht, noch hat er gesagt, dass die Händler dumm wären. Er hat Vorschläge für Aktionen gemacht – aber dies war ja auch Sinn des Treffens. Die Behauptung von Herrn Meyer ist ehrlich gesagt unverschämt. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, was Herr Meyer denn nun möchte. Er kritisiert die Stadt, dass Vorschläge gemacht werden als Angriff in die Verantwortungsbereiche der Geschäftsführung, beklagt sich dann aber, dass die Stadt nicht erklärt, wie die Händler überleben können.

Herr Meyer war zudem auch immer jemand, der gefordert hatte, die Stadt müsse endlich Hertie revitalisieren. Nun geht dies an – und ist auch wieder falsch. Die Stadt kümmert sich nicht zum Selbstzweck um die Entwicklung des Quartiers. Dies geschieht, um die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu sichern. Das ganze Gebiet ist übrigens ein Quartier und damit eine Baustelle. Unabhängig davon ist seine Behauptung, es dürften keine zwei Baustellen in unmittelbarer Nähe errichtet werden, falsch. Aufgrund der Kritik der Händler wurde der Baustellenplan in der Winterpause nochmals überarbeitet. Das häufige Öffnen und Schließen der Baustellen sollte auf Wunsch der Händler vermieden werden, damit die Bauzeit verkürzt wird. Dies soll nun so umgesetzt werden. Damit scheint Herr Meyer nun wohl aber auch nicht einverstanden zu sein. Das Gespräch mit der Stadt scheint er trotzdem nicht zu suchen, sondern wählt den Weg über die Medien. Auf die Ansprechpartner aus der Händlerschaft wartet die Verwaltung übrigens bislang immer noch.

Abschließend: Ich kann bestätigen, dass zwischenzeitlich ein Antrag bei der Stadtverwaltung eingegangen ist, allerdings kann ich dazu aus verfahrenstechnischen Gründen aktuell keine weiteren Informationen geben. Die Entscheidung wird in entsprechender Sitzungsreihenfolge durch die Politik getroffen", teilte Stadtsprecher Olaf Danell mit.



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