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Kühle Witterung bremst Eichenprozessionsspinner in Braunschweig



Braunschweig

Kühle Witterung bremst Eichenprozessionsspinner - Ist der Trend gestoppt?

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Bäume, die mit der gefährlichen Raupe befallen waren, stetig an. In diesem Jahr habe es noch keine Meldung gegeben. Eine Prognose sei jedoch schwierig.

von Marvin König


(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Anke Donner

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Braunschweig. Die anhaltend kühle Witterung hat den Eichenprozessionsspinner (EPS) in Braunschweig offenbar gebremst. Die Raupe der invasiven Nachtfalterspezies verfügt über Brennhaare, die bei Menschen zu schweren allergischen Reaktionen, Reizungen der Schleimhäute und Hautentzündungen führen können. In den vergangenen Jahren war ein stetiger Anstieg der sogenannten "Befallstellen" in der Stadt Braunschweig zu verzeichnen gewesen. Ob der Trend aber in diesem Jahr gestoppt ist, lasse sich noch nicht sagen.



"Bis zum heutigen Datum sind für das laufende Jahr 2021 noch keine EPS-Meldungen beim zuständigen Fachbereich eingegangen", berichtet Stadtsprecherin Anna Krings und fügt hinzu: "Dies ist vermutlich dem Wintereinbruch bei Temperaturen bis -18 Grad und den anschließenden bis heute fortlaufend vergleichsweise niedrigen Temperaturen geschuldet." Eine Prognose für das Ausmaß der Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr könne aktuell nicht erstellt werden. "Das in der Vergangenheit zu diesem Zweck beauftragte Monitoring (Zählen der EPS-Ei-Gelegedichte an ausgewählten Eichen) brachte keine zuverlässigen Ergebnisse und wurde daher für 2021 nicht veranlasst", begründet Krings.

Befall steigerte sich rasant


In den vergangenen Jahren hat der Befall stetig zugenommen. Von 2016 (18 Befallstellen) über 2017 (13 Befallstellen) stieg die Zahl 2018 sprunghaft auf 48 Befallstellen und steigerte sich bis zum Jahr 2020 auf 77 Befallstellen. Mit „Befallstelle“ wird die jeweilige Örtlichkeit beschrieben, also eine Straße, Kita oder eine Schule, die mehrere befallene Eichen mit mehreren EPS-Nestern umfassen kann. Das bedeutet, die Anzahl der aufgefundenen Nester ist immer höher als die Zahl der Befallstellen.

Stufenplan zur Bekämpfung


Die Stadt Braunschweig hat bereits im Jahr 2012 einen Maßnahmenplan zur Bekämpfung des EPS erstellt, der 2016 erweitert wurde. Jeder Befall wird dokumentiert, mögliche Befallstellen per Pressemitteilung kommuniziert. Dabei wird aber nicht jeder Befall bekämpft - geht von dem befallenen Baum keine Gefahr aus - beispielsweise außerhalb geschlossener Ortschaften oder mindestens 50 Meter enfernt von belaufenen Wegen - passiert erst einmal nichts. Gegebenenfalls werden Hinweisschilder aufgestellt. Bei der Kategorie zwei handelt es sich um Örtlichkeiten, bei denen durch den Befall eine Gefahr für Menschen ausgeht. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Orte entlang von Rad- und Wanderwegen, aber ohne angrenzende Wohnbebauung. Auch hier erfolgt in der Regel keine Bekämpfung, es werden Schilder aufgestellt und gegebenenfalls eine Absperrung veranlasst.

Kategorie drei stellt Orte mit einem hohen Gefahrenpotenzial für Menschen dar. Die Kategorie erfasst zum Beispiel Grünanlagen und Parks, Waldrandbereiche mit Wohnbebauung, Parkplätze und Erholungseinrichtungen. Hier wird der Eichenprozessionsspinner binnen fünf Tagen bekämpft. Vorher werden als Hinweis für die Bevölkerung ebenfalls Schilder aufgestellt und Absperrungen veranlasst. Grünpflegemaßnahmen werden in dieser Zeit eingestellt, bis Entwarnung gegeben werden kann.

Baumfällungen und Kampf mit Bioziden


Kategorie vier beschreibt eine sehr hohe Gefahr für Menschen, die beispielsweise an Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, in Siedlungen oder an Badeseen vorliegt. Wegen "Gefahr in Verzug" ist hier eine sofortige Bekämpfung notwendig. Ist ein spezifischer Baum in dieser Kategorie über mehrere Jahre einen Befall aufweisen, könne als letztes Mittel auch über eine Fällung der Eiche nachgedacht werden.

Die letzte Kategorie ist die Kategorie fünf, sie betrifft Bäume, die über mindestens zwei Jahre einen Befall im Gültigkeitsbereich der Kategorie vier aufweisen. Hier können prophylaktische Maßnahmen mit einem biologischen Bekämpfungsmittel durchgeführt werden, die je nach Standort des Baumes aber sorgfältig abgewägt werden müssen.

Bei privaten Liegenschaften müssen sich die Eigentümer selbst um die Entfernung der Nester kümmern. Hierfür muss dann ein Schädlingsbekämpfer beauftragt werden. Pro Baum entstehen nach Angaben im Netz mindestens Kosten zwischen 150 und 300 Euro, je nach Stärke des Befalls, Lage und Zugänglichkeit der Eiche.


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