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Künstler Christo im Alter von 84 Jahren verstorben

Sein Werk umfasst auch die in Stoff eingehüllte und verschnürte letzte Lore, die mit Erz beladen das Erzbergwerk Rammelsberg verließ.

von Marvin König


"Package on a Hunt" - Die geschichtsträchtige verhüllte Lore aus dem Rammelsberg auf dem Schlossplatz in Braunschweig. (Archiv)
"Package on a Hunt" - Die geschichtsträchtige verhüllte Lore aus dem Rammelsberg auf dem Schlossplatz in Braunschweig. (Archiv) Foto: Robert Braumann

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01.06.2020

Region. Der weltbekannte Künstler Christo ist am gestrigen Sonntag im Alter von 84 Jahren in New York verstorben. Dies wurde über den offiziellen Twitter-Kanal von Christo and Jeanne-Claude bekannt gegeben. Seine Frau starb bereits im Jahr 2009 im Alter von 74 Jahren an einer Hirnblutung, Christo setzte sein Schaffen dennoch fort. Auch in unserer Region hinterließ der bulgarisch-amerikanische Künstler seine Spuren. So erhielt er 1987 den Goslarer Kaiserring für moderne Kunst.


Im darauf folgenden Jahr schuf Christo für das Mönchehaus-Museum für moderne Kunst in Goslar das Kunstwerk "Package on a hunt". Es handelt sich dabei um die letzte mit Erz beladene Lore (In der Bergbau-Sprache auch "Hunt" genannt), die den Rammelsberg am 30. Juni 1988 im regulären Bergbaubetrieb verließ. Spätestens seit 1995 erlangte Christo mit der spektakulären Verhüllung des Reichstages - damals noch ohne Kuppel - umfassende Bekanntheit.

Der Goslarer Hunt kam auch nach seiner letzten Ausfahrt aus dem Erzbergwerk Rammelsberg noch viel herum. Bis ins Jahr 2000 stand er im Mönchehaus-Museum, zog dann aus Platzgründen in das Museum im Rammelsberg um und war 2016 sogar anlässlich der Ausstellung "Schatzkammer Harz" im Schlossmuseum auf dem Schlossplatz in Braunschweig zu sehen.

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2018 kehrte "Package on a Hunt", ein kunstgewordenes Relikt Harzer Bergbaugeschichte, in das Mönchehaus-Museum zurück und ist dort noch immer zu sehen.

Christo und seine Frau Jeanne-Claude schufen laut dem Mönchehaus-Museum zwischen 1962 und 2005 gemeinsam 19 Projekte auf verschiedenen Kontinenten. Nach dem Tod seiner Frau Jeanne-Claude im Jahr 2009 führte Christo die mit ihr geplanten Projekte alleine fort und plante, in diesem Jahr den Triumphbogen in Paris zu verhüllen. Das Vorhaben wurde aufgrund der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verschoben und wird das Ableben seines Schöpfers überdauern.

Ein letzter Triumph


Die Kunst von Christo und Jeanne-Claude war immer auch von Vergänglichkeit geprägt. Meist blieb nichts von seinen Projekten zurück. "Es ist irgendwie naiv und arrogant, zu glauben, dass dieses Ding für immer bleibt, für die Ewigkeit", soll Christo laut dem ZDF zur Zeit der Reichstagsverhüllung gesagt haben. Doch seiner eigenen Vergänglichkeit zum Trotze sind alle Pläne für die Verhüllung des Triumphbogens geschmiedet, alle Zeichnungen der Visionen des Künstlers erhalten, und sollen laut seinem New Yorker Büro auch wie geplant umgesetzt werden. Christo trotzt seiner eigenen Vergänglichkeit und wird der Welt somit im Jahr 2021 ein letztes Kunstwerk schenken.


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