Lachgasverbot tritt heute in Kraft

Ab heute gelten in Deutschland neue Regeln für Lachgas: Der Verkauf und Besitz von Lachgas, das als "Partydroge" insbesondere bei Jugendlichen immer beliebter war, wird stark eingeschränkt.

von


Symbolfoto.
Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Region. Ab dem heutigen Sonntag ändern sich die Regeln für den Verkauf und Besitz von Lachgas in Deutschland. Ziel der neuen Regelung ist es vor allem, den zunehmenden Missbrauch der Substanz als Partydroge einzudämmen und Kinder sowie Jugendliche besser zu schützen. Dass es überhaupt dazu kam, liegt an einer Initiative aus der Region.



Lachgas (Distickstoffmonoxid) wird seit Jahren legal in verschiedenen Bereichen eingesetzt, etwa in der Lebensmittelindustrie oder in der Medizin. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein gefährlicher Trend entwickelt: Vor allem junge Menschen nutzen Lachgas zunehmend als Rauschmittel, häufig aus Kartuschen in Luftballons. Der Weg zu dieser Substanz war bisher leicht, da das Gas unter anderem auch in Snackautomaten erhältlich war. Gesundheitsexperten warnen vor erheblichen Risiken: Der Konsum kann zu Bewusstlosigkeit, Koordinationsverlust und im schlimmsten Fall zu dauerhaften Schäden des Nervensystems führen.

Das neue Gesetz und seine Regelungen


Das neue Gesetz verbietet den Erwerb und Besitz von Lachgas für unter 18-Jährige, schränkt den Verkauf über Automaten und den Online-Handel ein und verpflichtet Händler, Alterskontrollen durchzuführen sowie Mengenbegrenzungen einzuhalten. Ausnahmen bestehen für legitime Anwendungen in Medizin, Wissenschaft oder Lebensmittelproduktion. Das Verbot ist Teil einer umfassenderen Reform des Umgangs mit sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen. Neben Lachgas werden auch Substanzen wie Gamma-Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO) stärker reguliert, da diese als sogenannte „K.-o.-Tropfen“ für Straftaten missbraucht werden können.

Alles begann in Gifhorn


Dass dieses Verbot überhaupt Realität wurde, ist eng mit einer Initiative aus Gifhorn verbunden, die am 30. April 2024 ihren Lauf nahm. Damals stellte Christopher Finck, zweiter Vorsitzender im Stadtelternrat Kitas, fest, dass XXL-Lachgas-Kartuschen in einem Snackautomaten nur 50 Meter von einer Kita entfernt frei verfügbar waren. Der Stadtelternrat schlug daraufhin Alarm und veröffentlichte eine Pressemitteilung: Dieser Zustand sei nicht hinnehmbar, weder in Gifhorn noch anderswo in der Republik.

Das Thema ließ den Elternratsvorsitzenden nicht mehr los. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich aus einem lokalen Hinweis eine bundesweite Debatte. Überregionale Medien wie DER SPIEGEL und die Deutsche Presse-Agentur griffen den Fall auf. Am 21. Mai 2024 erreichte die Aufmerksamkeit ihren Höhepunkt, als mehrere Fernsehteams aus ganz Deutschland nach Gifhorn kamen, um über den unregulierten Verkauf von Lachgas und die Gefahren dieser bis dahin als harmlos geltenden Substanz zu berichten, wie Christopher Finck in einer Pressemitteilung zum Inkrafttreten des Gesetzes erläutert.

Politische Reaktionen und bundesweite Wirkung


Konfrontiert mit dieser Entwicklung positionierten sich auch fachliche und politische Akteure klar. Auf Empfehlung der Ärztekammer Niedersachsen und den Appellen des Stadtelternrates wurden politische Initiativen angestoßen. Sowohl Karl Lauterbach, damals Bundesgesundheitsminister, als auch Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi kündigten an, tätig zu werden. Der Niedersächsische Landtag brachte unter anderem einen Entschließungsantrag sowie eine Bundesratsinitiative auf den Weg. Der Impuls aus Gifhorn wirkte weit über die Region hinaus – bis in die Landes- und Bundespolitik. Im November 2025 wurde das Gesetz zum Verbot von Lachgas schließlich verabschiedet, nachdem mehrere Landkreise zuvor eigene Verbotsverfügungen erlassen hatten.

Einsatz hat sich gelohnt


„Das Beispiel Gifhorn zeigt, was möglich ist, wenn guter Lokaljournalismus, Zivilgesellschaft und Politik gemeinsam handeln“, erklärt Christopher Finck. „Öffentlichkeit, klare Haltung und beharrliche Berichterstattung können Dinge und Gesetzgeber in Bewegung bringen.“ Der Einsatz habe sich gelohnt, ergänzt die Vorsitzende Vanessa Jahns weiter. „Und zwar für mehr Kinder- und Jugendschutz in ganz Deutschland – darauf sind wir stolz!“

Allein der Blick auf das Jahr 2025 zeige, wie ernst die Lage ist: Mehr als 20 junge Menschen haben infolge des missbräuchlichen Konsums von Lachgas in Deutschland ihr Leben verloren – darauf wies auch der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck in der Bundestagsdebatte im letzten Jahr hin.

Themen zu diesem Artikel


Kindertagesstätte Gas