Landesausstellung „SAXONES“ schreibt eine NEUE Geschichte


Widukind von Corvey. Foto: Kelvin Wilson, Ridderkerk (NL)
Widukind von Corvey. Foto: Kelvin Wilson, Ridderkerk (NL) Foto: Kelvin Wilson, Ridderkerk (NL)

Braunschweig. Vor genau 72 Jahren, am 1. November 1946, wurde durch den Zusammenschluss der ehemaligen Länder beziehungsweise Freistaaten Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe das neue Bundesland Niedersachsen gegründet, berichtet das Braunschweigische Landesmuseum in einer Pressemeldung. 2019 soll es „Saxones. Eine neue Geschichte für Niedersachsen“ geben.


„Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen, Heil Herzog Widukinds Stamm“, schallt der Refrain der inoffiziellen Hymne, des Niedersachsenliedes, seitdem landauf, landab durch das Land. Mit „Herzog Widukinds Stamm“ gemeint sind die damaligen Bewohner unseres Landes, die Karl der Große im 8. Jahrhundert n.Chr. Saxones, also Sachsen, nannte und seiner Herrschaft unterwarf. Die heutigen Niedersachsen sind demnach die Nachfahren ebendieser Sachsen, die laut Niedersachsenlied als Volksgruppe oder „Stamm“ schon in der berühmten Varusschlacht im Jahr 9 n.Chr. gegen die Römer ins Feld zogen. Und heroisch „den römischen Adler nieder in den Sand“ warfen.

"Eine schöne Geschichte – aber auch nicht mehr"


Eine schöne Geschichte – aber auch nicht mehr. Die historische Realität sah anders aus, wie die Niedersächsische Landesausstellung 2019 „SAXONES. Eine neue Geschichte für Niedersachsen“ unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stephan Weil erstmals einer breiten Öffentlichkeit erklären wird. Archäologen und Historiker haben die Geschichte des 1. bis 10.Jahrhunderts im heutigen Niedersachsen, aber auch in Westfalen grundlegend revidiert. Die bekannte Erzählung von der Eroberung dieser Gebiete durch den germanischen Stamm der »alten Sachsen« und die angeblich dort praktizierte frühe Demokratie wurden kritisch hinterfragt. Der Mythos entpuppte sich dabei nicht nur als romantisch verklärt, sondern auch als politisch gewollt – und wurde bereits im frühen Mittelalter genutzt, um Herrschaftsansprüche zu rechtfertigen. Schon im 10. Jahrhundert hatte der Mönch Widukind von Corvey eine Geschichte der „Saxones“ verfasst – und begründete so den Mythos der Sachsen. Seine Erzählung fesselt bis heute.

Die Landesausstellung, die gemeinsam vom Braunschweigischen Landesmuseum und dem Landesmuseum Hannover konzipiert und nacheinander in beiden Museen zwischen April 2019 und Februar 2020 gezeigt wird, nimmt das Publikum anhand der Lebensgeschichten von neun Männern und Frauen mit auf eine Reise ins 1. Jahrtausend – und wieder zurück. Viele hochrangige Zeugnisse aus dem ganzen 1. Jahrtausend aus deutschen und internationalen Sammlungen werden hier erstmals zusammengeführt. Die Ausstellung präsentiert über 160 teils umfangreiche Ensembles archäologischer Funde und rund 60 prominente Einzelobjekte: edler Schmuck und Waffen aus Gräbern, einzigartige Handschriften und königliche Urkunden. Sie sind die letzten Zeitzeugen einer fernen Epoche. Ob wertvoller Schatzfund, prächtige Grabbeigabe oder banaler Alltagsgegenstand: Alle geben unvermutet konkrete Einblicke in das Leben einer archaischen Gesellschaft im Schnittpunkt früherer europäischer Kulturräume.

Erster Ausstellungsort der Landesausstellung „Saxones. Eine neue Geschichte für Niedersachsen“ ist das Landesmuseum Hannover vom 5. April bis zum 18. August 2019, im Braunschweigischen Landesmuseum ist sie vom 21. September 2019 bis zum 2. Februar 2020 zu sehen.


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