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Landesgesundheitsamt zweifelt an Peiner Zeckenstudie



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Landesgesundheitsamt zweifelt an Peiner Zeckenstudie

von Nino Milizia


So klein, aber dennoch nicht ungefährlich: Zecken. Foto: Thorsten Raedlein

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Edemissen. Die Ergebnisse der Zeckenuntersuchung auf dem Golfclub Edemissen (wir berichteten) haben ordentlich Staub aufgewirbelt. Jede zweite Zecke sei infiziert, die Ergebnisse auf den gesamten Landkreis übertragbar. Dies zogen zuletzt jedoch einige Experten wie Dr. Masyar Monazahian vom Landesgesundheitsamt Hannover in Zweifel. regionalHeute.de sprach mit den Verantwortlichen.



Bärbel Desch, Pressesprecherin des Golfplatzes, war selbst Opfer eines Zeckenbisses und mit Borreliose infiziert worden. Daraufhin beauftragte sie die BCA-clinic damit, eine Zeckenstudie auf dem Edemisser Golfplatz durchzuführen. Das Ergebnis fiel überraschend aus: 51 Prozent der untersuchten Zecken trugen die Borreliose-DNA in sich. Laut Robert-Koch-Institut sei ein Borrelia-Befall deutschlandweit von 5 bis 35 Prozent in Zecken nachgewiesen worden. Diese Zahlen seien allerdings das letze Mal 2014 aktualisiert worden. So konnte sich das ungute Gefühl ergeben, dass in den letzten Jahren das Ansteckungspotential vielleicht sogar in ganz Deutschland, aber mindestens im Kreis Peine angestiegen sein könnte. Hieß es in der Pressemitteilung, die es in die Zeitungen der Region schaffte, immerhin: "Die Ergebnisse der Studie seien übertragbar auf jede größere Wiese oder jeden Waldweg im Kreis – ebenso auf private Gärten."


Die auf dem Golfplatz durchgeführte Zeckenstudie sorgte für einigen Wirbel. Foto: Golfclub Edemissen; Bärbel Desch




Doch traten nun Experten auf den Plan, die der BCA-clinic "Panikmache" unterstellten. Auch Dr. Masyar Monazahian vom Landesgesundheitsamt Hannover übte Kritik an der Studie: "Die Ergebnisse können nur auf das überprüfte Areal bezogen werden, sicherlich nicht auf den Kreis Peine. 100 Meter weiter in einem privaten Garten kann es wieder komplett anders aussehen." Dies sei darin begründet, dass das Zeckenbild von der Wirtspopulation abhinge. Einfach gesagt: Wenn sich auf dem Golfplatz viele Kleintiere wie Igel und Mäuse aufhalten und das Klima stimmt, ist dies die perfekte Futterstelle für Zecken. Angesteckte, kranke Kleintiere werden durch den Klimawandel älter und können die Krankheit wiederum auf Zecken übertragen. Der Edemisser Golfplatz war somit scheinbar ein Borreliose-Brutkasten. Da es aber um die Kleintier-Population in jedem Garten, Park oder einer Waldwiese anders bestellt sein kann, lassen sich die Ergebnisse nicht einfach auf andere Areale übertragen.

Studienergebnisse nicht auf den Kreis übertragbar


Wir konfrontierten daher die BCA-clinic mit den Aussagen von Dr. Monazahian, diese zeigte sich jedoch wenig überrascht. Vielmehr lautete die Aussage: "Dr. Monazahian hat absolut Recht. Wir haben niemals behauptet, dass das untersuchte Arreal repräsentativ für das gesamte Kreisgebiet steht." Dies gehe auch aus den Studienergebnissen hervor, die man an die Pressesprecherin Bärbel Desch geleitet habe. Auf Nachfrage unserer Redaktion informierte die Pressesprecherin darüber, dass der Text, der durch die Medien geisterte, aus ihrer Feder stamme. Sie habe sich dabei aber genau am Bericht der BCA-clinic gehalten. Ein Exemplar Studienberichts liegt unserer Redaktion vor. Dass sich die Studienergebnisse auf den Kreis beziehen lassen, lässt sich dem Bericht nicht entnehmen. Desch räumte ein, dass es sich um eine Fehlinterpretation der Ergebnisse handeln könne.

Was der Golfclub gegen sein Zeckenproblem unternehmen könne, wollten wir noch von Dr. Monazahian wissen: "Der Golfclub kann eigentlich nichts anderes tun, als seinen Mitgliedern zu empfehlen, nach jedem Golfspiel den eigenen Körper nach Zecken abzusuchen und gefundene Sauger sofort zu entfernen." Eine Infektion würde erst in zwölf bis 24 Stunden stattfinden. Dennoch rät er dazu, die Bissstelle zu fotografieren und zu beobachten, ob sich die Stelle in nächster Zeit verändert. Es bleibt festzuhalten: Eine Zeckenhysterie ist absolut unbegründet.

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