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Lessingfestival ging zu Ende - wie fällt das Fazit aus?

von Robert Braumann


Lessings "Nathan der Weise" vor dem Lessinghaus. Foto: Sina Rühland
Lessings "Nathan der Weise" vor dem Lessinghaus. Foto: Sina Rühland Foto: Sina Rühland

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23.05.2016


Wolfenbüttel. Das erste Lessingfestival ging Mitte Mai zu Ende - drei Wochen lang drehte sich zuvor alles um Gotthold Ephraim Lessings Leben, seine Werke und deren Wirkung. Für die Zeit sollte sich der öffentliche Raum Wolfenbüttels verändern. Doch gelang dies? Alexandra Hupp, Leiterin Kulturbüro und Lessingtheater, zieht gegenüber regionalHeute.de Bilanz.

Mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner aus Wolfenbüttel und Braunschweig wurde ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm geboten. Mit über 40 Veranstaltungen, von Vorträgen und Lesungen, über Inszenierungen und Illuminationen, bis hin zur Vorstellung verschiedener Projekte, sollte nicht nur das Leben und Wirken Gotthold Ephraim Lessings sichtbar gemacht, sondern auch die Gäste zu einem Perspektivenwechsel angeregt und die Ideen des Aufklärers mit den heutigen Problemen und Fragestellungen in Verbindung gebracht werden, so Alexandra Hupp.

Im Interview mit regionalHeute.de beantwortet Sie die Wichtigsten Fragen rund um das Festival.



Wie viele Besucher zählte das Lessingfestival?


Alexandra Hupp, Foto: Anke Donner



Für die Veranstaltungen des Kulturbüros kann ich sagen, dass wir rund 5.000 Besucherinnen und Besucher hatten. Da im Lessingfestival viele Veranstaltungen bei freiem Eintritt zu erleben waren, lässt sich die exakte Zahl allerdings schwer feststellen. Zumal Quantität nicht immer das Maß aller Dinge ist – viel wichtiger erscheinen mir die Momente, in denen ein kulturelles Erlebnis zu einer Erfahrung wird, an die man sich gerne und lange erinnert.

Was wurde von den Besuchern am meisten frequentiert, wie zeigte sich die Stimmung der Besucher?

Ich habe aus nahezu jeder Veranstaltung sehr positive Rückmeldungen bekommen. Die Menschen – sowohl die Besucher als auch die Künstler – waren berührt, begeistert, nachdenklich, konzentriert, diskussionsfreudig und neugierig. Die Konzentration von vielen, sehr unterschiedlichen Veranstaltungen auf einen klar begrenzten Festivalzeitraum bot die Chance, sich dem Thema „Identität“ und Lessing aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu nähern. Von Seiten der Veranstalter bekam ich die Rückmeldung, dass dadurch auch neues Publikum erreicht werden konnte.

Was waren Ihrer Meinung nach die Höhepunkte?

In diesen drei Wochen gab es für mich so viele Momente, die mich bereichert und glücklich gemacht haben, dass ich nicht von einzelnen Höhepunkten sprechen mag. Es gab große und großartige Konzerte, die tatsächlich in vielen Menschen etwas zum Klingen gebracht haben. Und es gab die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, die für das Zusammenbeleben in einer Gesellschaft ebenso wichtig sind wie die großen Ereignisse.

Mit welchem Fazit gehen Sie aus dem Lessingfestival?

Das Besondere an der Ausrichtung dieses Festivals war für mich, die gemeinsame Themenfindung und die intensive, mehrmonatige Zusammenarbeit in dem vorbereitenden Arbeitskreis. Zudem konnte durch die Vernetzung der Einrichtungen untereinander tatsächlich etwas Neues entstehen, als Beispiele seien hier die „Spaziergangsforschung“ mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung oder das Filmprojekt der Lessing-Akademie zur Ringparabel genannt. Die Vernetzung der Kultureinrichtungen für ein gemeinsames Projekt hat hier – auch über die Grenzen Wolfenbüttels hinaus – gut funktioniert. Da jeder Kooperationspartner sein eigenes Profil und seine eigene Programmatik mit einbrachte, wurde das Programm insgesamt sehr vielfältig und abwechslungsreich. Erfreut war ich auch darüber, wie unsere Objekte im öffentlichen Raum im Lauf der Zeit mehr und mehr „besetzt“ wurden. Der überdimensionale Tisch vor dem Lessingtheater entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt und wurde im Festivalcafé stark genutzt. Insgesamt war der erste Aufschlag für dieses als Biennale angelegte Festival aus meiner Sicht erfolgreich, intensiv und schön.

Was lief Ihrer Meinung nach gut, was könnte man möglichen nächsten Festival verbessern?

Ein so kompaktes Festivals mit über 40 Veranstaltungen in drei Wochen zu organisieren, ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Zudem sind die personellen und finanziellen Ressourcen begrenzt, weshalb manche Vorhaben im Laufe der Planungen angepasst werden mussten. In unserer Arbeitsgruppe werden wir uns zeitnah über das Lessingfestival, die gemachten Erfahrungen und eventuelle Änderungen austauschen. Ob das Lessingfestival dann, wie geplant, als Biennale fortgesetzt wird, entscheiden die politischen Gremien.

Wann soll mit den Planungen für das nächste Festival begonnen werden, gibt es schon neue Ideen?


Wir warten erst die Entscheidungen der politischen Gremien ab, bevor wir in die weiteren Planungen gehen.


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