Wolfenbüttel

Lessingtheater im April: Berliner Ensemble zu Gast in Wolfenbüttel


Was bietet das April-Programm? Hier gibt es einen Überblick. Foto: Archiv
Was bietet das April-Programm? Hier gibt es einen Überblick. Foto: Archiv Foto: Werner Heise

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17.03.2016


Wolfenbüttel. Nach »Nathan der Weise« und »Mutter Courage« ist das Berliner Ensemble in dieser Spielzeit mit »Die Juden« bereits zum dritten Mal zu Gast im Wolfenbütteler Lessingtheater. Das Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing ist eines der Hauptbestandteile des ersten Lessingfestivals, welches sich über einen Zeitraum von drei Wochen in der Zeit vom 21. April bis 13. Mai 2016 erstreckt. Was bietet das April-Programm noch? Hier gibt es einen Überblick:

Mit dem Thema Demenzerkrankung beschäftigt sich die Tragikomödie »Sommer der lachenden Kühe«, das Finanzsystem wird anhand eines Goldstücks in »Schuld und Schein« auf einfache Weise durchleuchtet, in »Schmerzliche Heimat« wird die Geschichte des ersten NSU-Opfers erzählt und in »Ein Apartment zu dritt« werden die Komödienfreunde auf ihre Kosten kommen. Eine Krimi-Revue namens »Arte Criminale«, die Klassikmatinee des Staatsorchesters Braunschweig am Sonntagmorgen sowie Lesungen mit Eva Mattes und Katrin Bauerfeind runden den Veranstaltungsmonat ab.


Eva Mattes, Foto: Privat


Streifzug durch 40 Jahre Theater- und Filmgeschichte: Eva Mattes


In ihrem Programm erzählt und liest Eva Mattes, »die stille Königin unter den deutschen Vorleserinnen« (FAZ), am 3. April um 18 Uhr spannende Kapitel aus ihrem Leben. Von Begegnungen mit Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Peter Zadek, Ulrich Wildgruber und anderen Größen aus Film und Theater. Mit im Gepäck hat sie ein paar der schönsten Songs und Chansons von Marlene Dietrich, Hans Albers, Friedrich Hollaender und Kurt Weill. Die Dirigentin und Regisseurin Irmgard Schleier begleitet sie auf dieser ungewöhnlichen Zeitreise musikalisch am Klavier. Eva Mattes, geboren 1954 in Tegernsee, österreichische Staatsbürgerin, Tochter der Budapester UFA-Schauspielerin und Tänzerin Margit Symo und des Wiener Komponisten und Dirigenten Willy Mattes.


Sommer der lachenden Kühe. Foto: Privat


Sommer der lachenden Kühe


Er weiß gerade noch, dass er Tavetti Rytkönen heißt und einmal Panzer-Sergeant war, als ihn Taxifahrer Seppo Sorjonen in Helsinki mitten auf der Straße aufgabelt. Auf die Frage »Wo soll es hingehen?« lautet Rytkönens Antwort: »Egal, einfach vorwärts!«. Und so beginnt eine skurrile Tour, die das ungleiche Paar kreuz und quer durch die finnische Seenplatte führt. Eine Tragikomödie, in der Sorjonen mit dem Zerfall eines alten und demenzkranken Menschen konfrontiert wird, der einfach nur leben, weiter seinen Spaß, Geselligkeit und Freundschaft haben will. Die Vorstellung läuft am 7. April um 19.30 Uhr.


Carrington Brown, Foto: Privat


Musik und Comedy mit Carrington-Brown


Normalerweise werden Dreiecksbeziehungen verheimlicht. Rebecca, Colin und Joe aber leben sie – bühnenreif und mit Hingabe: Rebecca ist schön, klug und sehr komisch; Colin ist cool, smart und sehr stimmlich. Joe, der Dritte im Bunde, ist alt und ein Cello. Mit seinem Bogen umspannt das Traumpaar der Musik-Comedy das musikalische Universum von Bach und Brahms über Bond und Beatles bis Britpop und Billy Jean. Ein eleganter Grenzgang zwischen Klassik und Pop, eine brillante Mischung aus Musik, British Comedy und der ewigen Auseinandersetzung mit den Tücken des Universums. Die Vorstellung läuft am 9. April um 19.30 Uhr.

Für Kinder von 0 bis 4 Jahren: Kopffüssler – Fantasievolle Tanzperformance



Kopffueßler, Foto: PRivat



Das Stück orientiert sich an der globalen kindlichen Entwicklung. Die Tänzerinnen werden selbst zu »Kopffüßlern«, die zu Beginn eingerahmt von Knetkugeln auf der Bühne erscheinen. Die skurrilen Kreaturen entdecken ihren eigenen Körper, erforschen seine Bewegungen und testen die Grenzen seiner Möglichkeiten. Stück für Stück verlassen sie diesen sicheren Raum – erst ganz vorsichtig, dann immer mutiger mit freudigem Wissensdrang. Der Agitationsraum und die Bewegungen werden erweitert, vergrößert und verändert. Am Ende entstehen erkennbare Figuren und Bewegungsmuster werden deutlich. Die Vorstellung läuft am 13. April um 11 Uhr.


Arte Criminale, Foto: Privat


Arte Criminale – Krimi-Revue mit Killersongs und Mördergeschichten


Wenn eine SoKo aus Musik- und Medienprofis auf die Bühne geht, wird es spannend. Vor allem, wenn Kurt Wallander auf Tom Waits, Nancy Sinatra und Mackie Messer auf Håkan Nesser trifft. Unter dem Namen »Arte Criminale« bringt eine neue Formation die Essenz der kriminalistischen Erfolgselemente auf die Bühne: Spannend vorgelesene Kurzkrimis, inszenierte Killermomente und Songs, die abgründige Geschichten erzählen. Krimi- und Musikfreunde erwartet eine Indizienkette aus emotionalen Songs und spannenden Geschichten, die in einer lockeren Rahmenhandlung miteinander verwoben sind. Die Vorstellung läuft am 16. April um 19.30 Uhr.


Staatsorchester Braunschweig. Foto:


Die Klassikmatinee mit Werken von Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann und Wolfgang Amadeus Mozart


Geboten werden in historisch orientierter, kleiner Besetzung Musik mit Erläuterungen: Festlich beginnt das erste Konzert dieser Reihe mit Georg Friedrich Händels Suite D-Dur aus der »Wassermusik« und damit aus jenem legendären Werk, das vermutlich für die Lustfahrt des englischen Königs Georg I. am 17. Juli 1717 auf der Themse entstand. Virtuos erklingt daraufhin als Perle des barocken Solokonzerts das Konzert für Viola und Orchester G-Dur von Georg Philipp Telemann. Den Solopart wird die Bratschistin Sara Kim übernehmen. Den Abschluss bildet schließlich Wolfgang Amadeus Mozarts »Haffner-Sinfonie«, die zu den großen sinfonischen Werken des Wiener Meisters zählt. Die Vorstellung läuft am 17. April um 11 Uhr.


Schuld und Schein, Foto: Privat


Schuld und Schein. Ein Geldstück – Das Schauspiel zur Finanzkrise von Ulf Schmidt


Ist das Finanzsystem im Lauf der Menschheitsgeschichte tatsächlich gänzlich undurchschaubar geworden? Fachleute, Politiker und Banker versichern uns in immer wieder neuen unverständlichen Worten, dass man sich gar nicht erst den Mühen des Verstehens zu unterziehen brauche. Wir mögen uns ganz in ihre Hände begeben und uns in Vertrauen und Demut üben. Der Dramatiker Ulf Schmidt macht nun einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung: Anhand eines Goldstücks gelingt es in kurzen anschaulichen Szenen, die systematische Verschleierung der Finanzjongleure von Beginn an bis zur heutigen Krise zu erklären. Mit Sachverstand und Witz entwirrt sich das Dickicht des Finanzsystems und erweckt uns aus der Ohnmacht der Unwissenden. Die Vorstellung läuft am 19. April um 19.30 Uhr.


Schmerzliche Heimat, Foto: Privat


Schmerzliche Heimat


Ein Blumenstand an einem Autobahnzubringer bei Nürnberg, es ist der 9. September 2000, ein Samstag. Enver Simsek hat aushilfsweise für einen Bekannten an diesem Wochenende den Straßenverkauf übernommen. Als er zwischen 12.45 und 14.15 Uhr aus seinem Wagen etwas holen will, treten zwei Männer auf ihn zu und feuern neun Schüsse auf ihn ab. Enver Simsek ist das erste Opfer der Terrorzelle NSU. Die Geschichte einer Familie in Deutschland. Opfer einer terroristischen rechtsextremen Vereinigung, Opfer deutscher Behörden. Semiya Simsek, geboren 1986, verfasste zusammen mit dem Journalisten Peter Schwarz ihre Erinnerungen an das Leben ihres Vaters und die Jahre nach seinem Tod und erhielt dafür den nach der französischen Frauenrechtlerin und Schriftstellerin benannten Olympe de Gouges-Preis. Die Vorstellung läuft am 21. April um 11 Uhr und um 19.30 Uhr.


Ein Apartment zu dritt, Foto:


Romantische Komödie von Nick Hall: Ein Apartment zu dritt


Lee, eine attraktive Lehrerin in den Dreißigern, hat sich spontan dazu entschieden, ihrem Leben neuen Schwung zu geben und dem Wohlstandsdasein mit Ehemann Bob zu entfliehen. Also beginnt sie ein neues Leben in einem New Yorker Apartment. Da die Miete hoch und das Geld knapp ist, ist es mehr als praktisch, dass es noch zwei Mitbewohnerinnen gibt: Pat und Tracy. Hinter Tracy verbirgt sich allerdings keine Studentin, sondern ein attraktiver Student. Das entstandene Liebesdreieck bleibt nicht lange mit sich selbst beschäftigt, denn Lees Ehemann Bob versucht mit beständiger Hartnäckigkeit, seine Frau für sich zurückzugewinnen. Doch damit fangen die Verwirrungen erst richtig an. Die Vorstellung läuft am 22. April um 19.30 Uhr.


Katrin Bauerfeind, Foto: Tibor Bozi


Katrin Bauerfeind – Hinten sind Rezepte drin!


Kann ich emanzipiert sein und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt? Bin ich schon eine moderne Frau, nur weil ich nicht kochen kann? Kriege ich in einer Beziehung auch Treuepunkte? Muss es in Frauenbüchern eigentlich immer um Männer, Mode und Cellulite gehen? Katrin Bauerfeind bringt ihr Buch auf die Bühne und damit auch Geschichten über Playmobilfrisuren, schlechten Sex und gute Freunde und Frauen im Allgemeinen. Nur Rezepte gibt’s leider keine. Katrin Bauerfeind, 1982 in Aalen geboren, sendet seit Jahren aus der Kulturnische 3sat, wo sie aktuell in »Bauerfeind assistiert...« Prominente porträtiert. Mit ihrem ersten Buch »Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag« war sie über ein Jahr unter den Top-Ten der Bestseller-Liste. Die Vorstellung läuft am 23. April um 19.30 Uhr.


Comedy-Nach mit Abdelkarim, Foto:


Comedy-Nacht mit Abdelkarim und Gästen: Fatih Çevikkollu, Özcan Cosar und John Doyle


Abdelkarim, der Marokkaner des Vertrauens, ist geboren und aufgewachsen in der Bielefelder Bronx. Klingt nach reichlich Zündstoff, ist aber vermutlich das Beste, was Comedy und Kabarett mit »Migrationsvordergrund« derzeit zu bieten haben. Fatih Çevikkollu – rasant, relevant, eloquent: »Wer die Wahrheit verhandelt, muss die Anderen zum Lachen bringen, sonst bringen sie ihn um!«. Özcan Cosar bringt auf die Bühne, was er zwischen Kehrwoche und Beschneidung erlebt, erfahren und zu hören bekommen hat. »Bin ich noch Amerikaner oder schon Deutscher?« Diese Frage stellt sich John Doyle nach fast 20 Jahren in Deutschland. Die Vorstellung läuft am 24. April um 19.30 Uhr.


Die Juden, Foto: Monika Rittershaus


Die Juden – Ein Lustspiel in einem Aufzug von Gotthold Ephraim Lessing


»Ich bin ein Jude.« – dieser lapidare Satz, den der fremde Held der Geschichte, der Reisende, sagt, kippt das lustigfeine Spiel, das Lessing mit gerade einmal 20 Jahren geschrieben hat, in die bittere Realität unserer eigenen Geschichte. Lessing benützt durchaus gängige Theaterrequisiten: Eine Dose (nicht, wie oft üblich, ein Brief ) setzt die Enthüllungsintrige in Gang. Aber absolut neu, ja, kühn, vorausdenkend ist, wie Lessing seine Hauptfigur zeichnet. Eine Sensation und 1749 zugleich Anlass für finstere Religionswächter. Zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv gezeichneten Juden die Bretter des Welttheaters. Taboris Inszenierung erlebte ihre Premiere am 13. September 2003 und wurde seither über 150 Mal aufgeführt. Nie ist Lessings »Die Juden« öfter gespielt worden. Die Vorstellung läuft vom 28. April bis 1. Mai um 19.30 Uhr.

Für die Veranstaltung »Spaaass! [Für Teenies]« sind nur noch Restkarten erhältlich. Die Veranstaltung »Patricks Trick« ist bereits ausverkauft.


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