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Lichtblick für die Freibadsaison - Badespaß noch im Mai?

Erst seit gestern ist offiziell, dass Freibäder voraussichtlich ab dem 25. Mai wieder öffnen dürfen. Die Freibäder in der Region haben sich schon in die Vorbereitungen gestürzt.

von Marvin König


Das Freibad Bürgerpark soll am 25. Mai (voraussichtlich) als erstes wieder an den Start gehen - Die anderen Braunschweiger Bäder sollen folgen.
Das Freibad Bürgerpark soll am 25. Mai (voraussichtlich) als erstes wieder an den Start gehen - Die anderen Braunschweiger Bäder sollen folgen. Foto: Anke Donner

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07.05.2020

Region. Seit Mitte März sind Freibäder geschlossen. Gerade für vereinsgetragene Bäder eine absolute Katastrophe - doch auch alle anderen Bäder leiden unter dem Lockdown. Mitarbeiter in Kurzarbeit, kein Badespaß für niemanden. Vorsichtig optimistisch stimmt da ein Schreiben der Landesregierung. Laut diesem sei "vorsichtig angedacht", Freibäder ab dem 25. Mai unter strengen Auflagen wieder zu öffnen. Die Freibäder in der Region reagieren erfreut und überrascht auf diesen "Lichtblick" - In Braunschweig soll als Erstes das Freibad Bürgerpark wieder an den Start gehen.


Auch der 25. Mai stehe jedoch unter dem Vorbehalt eines weiter moderat verlaufenden Infektionsgeschehens. Die Hallenbäder werden erst in einer späteren Stufe, deren Zeitpunkt noch nicht feststeht, wieder öffnen.

"Aus unserer Sicht fest, dass es Auflagen geben wird: Allgemeine Hygieneregeln, Verhaltens- und Abstandsregeln. Da ist natürlich der Besucher gefordert, die auch einzuhalten. Besonders im Freibad, wo man ja Spaß haben will und darf", "Wir hoffen, dass wir mit dem Freibad Bürgerpark am 25. Mai als Erstes an den Start gehen können. Die nächsten zwei Wochen werden wir dazu an einem Maßnahmenplan arbeiten", kündigt Fabian Neubert, Pressesprecher der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH im Gespräch mit unserer Online-Zeitung an. Für diesen Maßnahmenplan müsse vieles berücksichtigt werden: "Es muss irgendwie geregelt werden, dass sich am Eingang keine langen Schlangen bilden. Auch in den Umkleiden und Duschen dürfen nicht zu viele Menschen aufeinandertreffen. In einem Hallenbad wären das sicher die Sammelumkleiden, die man schließen würde - Bei den Freibädern sind wir gerade am Zusammentragen. Es gibt viele Bereiche wo wir sehen müssen, dass das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduziert wird." Einen Mundschutz im Wasser werde es aber wohl nicht geben, scherzt der Pressesprecher. In einer bis zwei Wochen soll konkret feststehen, wie ein Freibadbesuch in einer Pandemiesituation aussehen kann.

Bäder sind gut vorbereitet


Wie Sascha Feier, stellvertretender Badleiter des Aquantic in Goslar auf Anfrage unserer Zeitung berichtet, gibt es schon seit dem 9. April einen umfangreichen "Pandemieplan Bäder" der deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB). "Wir haben die Zeit genutzt, um unsere Schwimmbäder richtig auf Vordermann zu bringen", erzählt Feier. Dass die Schwimmbäder "schon" am 25. Mai wieder an der Reihe seien, habe er so nicht erwartet. Nun werde man anhand des Pandemieplans alles für eine Wiedereröffnung vorbereiten - Das könnte so ähnlich aussehen wie im Supermarkt. Einige Punkte:

Eingangsbereich
• Abstandsmarkierungen auf dem Boden für Warteschlangen
• Kassentheken mit Schutz aus Plexiglas, Sicherheitsglas oder Folie versehen
• Möglichkeiten zum bargeldlosen und berührungsfreien Zahlen einrichten
• Gegebenenfalls ein webbasiertes Reservierungssystem mit Begrenzung der Nutzerzahl einführen
• Einrichtungen für die Zählung der Zu- und Abgänge, also der Zahl der aktuell anwesenden Bade- und Saunagäste einrichten.

Umkleide- und Duschbereiche:
• Die Sammelumkleiden bleiben gegebenenfalls geschlossen, Schulen und Vereine nutzen die Einzelumkleiden.
• Um die Abstandsregelungen einzuhalten, kann nur eine begrenzte Anzahl von Umkleideschränken
zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel jeder vierter Schrank, und alle anderen sind verschlossen, die
Schlüssel sind abgezogen.
• Die Duschräume werden, je nach Größe und Ausstattung, nur von maximal zwei Personen benutzt.

Schwimmen in der Pandemie


Für Schwimmbecken sollten Orientierungswerte für die Maximalbelegung definiert werden. Für ein 25 Meter langes Mehrzweckbecken mit fünf Bahnen bedeutet dies zum Beispiel 56 Personen im Nichtschwimmerbereich und 36 Personen im Schwimmerbereich (insgesamt 92 Personen). Bei kleinen Becken, wie Freizeitbecken, Grotten und Wasserattraktionen sowie bei Planschbecken, sollte durch die Aufsicht nach Möglichkeit sichergestellt werden, dass die entsprechenden Abstandsregeln eingehalten werden. Diese Becken müssten aber gegebenenfalls gesperrt werden.


Das Aquantic in Goslar bereitet sich auf seine Wiedereröffnung vor. Foto: Anke Donner



Coronaviren können sich nach aktuellen Erkenntnissen über das Badewasser nicht übertragen. Wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, sollte also dem vergnügten Schwimmen nichts mehr im Wege stehen. Für alles, was zum Becken dazugehört - Wie die Handläufe von Leitern - empfiehlt der Pandemieplan eine regelmäßige Desinfektion, ebenso für Dusch- und Umkleidebereiche.

Es wird vor Ort entschieden


Sascha Freier erinnert: "Dass es vor Ort anhand der baulichen Bedingungen immer noch einmal besondere Regelungen geben muss, ist natürlich auch klar. Jetzt fangen wir an zu gucken, was können wir wie aus diesem Pandemieplan umsetzen, was können wir machen." Ob das Freibad in Vienenburg oder das Aquantic in Goslar zuerst öffnen werden, könne er aber noch nicht sagen: "Es wäre schon empfehlenswert, sie beide versetzt zu öffnen. So kann man gegebenenfalls auch sehen, wo noch nachgesteuert werden muss."

Zu viele Regeln machen keinen Spaß


Der besondere Spagat für ein Freibad sei vor allem, die richtige Balance zwischen Regeln und Spaß zu finden: "In Bädern die überwiegend auf Sportschwimmer setzen gibt es ja Regeln mit Schwimmkorridoren. Da werden dann bestimmte Bahnen abgesperrt. Aber in einem Freibad soll man ja auch Spaß haben dürfen, wie das also für den typischen Freibadbesucher aussehen soll, müssen wir noch sehen." So stehe zum Beispiel zur Debatte, ob Wasserrutschen und Sprungtürme öffnen können, da sich dort erfahrungsgemäß auch lange Schlangen bilden können.

Einnahmen fallen weg - Ausgaben aber auch


Insgesamt divers zeigt sich die finanzielle Situation für die Freibäder in der Region. Während beispielsweise das Stadtbad Okeraue in Wolfenbüttel - Das für ein kurzfristiges Interview leider nicht zur Verfügung stand - die Schwimmbäder in Braunschweig und das Aquantic weitestgehend in städtischer Hand sind, ist das Stadtbad Hornburg vereinsgetragen und kann keine Einnahmen mehr verzeichnen (regionalHeute.de berichtete): "Ohne Zuschüsse wirds wohl nicht gehen. Die Hälfte der Einnahmen sind ja die Dauerkarten. Wir hoffen natürlich, dass die sich wieder gut verkaufen", berichtet ein Mitarbeiter des Stadtbades unserer Online-Zeitung.

Sascha Feier vom Aquantic in Goslar könne noch keine genauen Zahlen nennen, erinnert aber: "Es sind natürlich auch Ausgaben weggefallen - Wir brauchten ja kein Personal in der Gastronomie und mussten keine Waren bestellen. Entlassen haben wir trotzdem keinen. Wir haben 16 Kolleginnen und Kollegen und fünf Azubis. Im April mussten wir zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Im Mai sind es jetzt acht."

Es kommt auf die Gäste an


Einig sind sich die beiden Badbetreiber darüber, dass es letztendlich auch auf den Gast ankommt. In der Vereinbarung vom gestrigen Mittwoch zwischen Bund und Ländern gibt es eine Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro Woche, bei der - sollte sie überschritten werden - Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen. Sollte ein Schwimmbad plötzlich zum Hotspot werden, könne dies also auch wieder geschlossen werden.

"Unser Appell an den Gast ist, mit seiner Umsicht dazu beizutragen, dass der Betrieb eines Freibades auch sicher erfolgen kann", mahnt Neubert. Über alle Lockerungen hinaus gelten weiterhin die Abstandsregeln, die Wichtigkeit des Händewaschens sei ebenso uneingeschränkt gegeben wie das richtige Verhalten beim Husten oder niesen - gerade im Freibad, wo nicht einfach eine Mund-Nasen-Bedeckung beim Schwimmen getragen werden kann. "Kontrollieren können wir das nicht - Wir hoffen einfach nur, dass die Menschen vernünftig sind", so Neubert abschließend.


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