whatshotTopStory
videocamVideo

"Als Mama Krebs bekam" - Eine Mutter schreibt über ihre Krankheit

Die 35-Jährige schrieb zwei Bücher über Krebs. Eines davon ist ein Kinderbuch.

von Anke Donner


Mandy Falke hat zwei Bücher geschrieben, in denen die Diagnose Krebs thematisiert wird. Foto: Anke Donner

Artikel teilen per:

13.10.2020

Region. Als Mandy Falke kurz vor Weihnachten 2017 die Diagnose Brustkrebs bekam, stellte das erst einmal alles auf den Kopf. Ihre drei Kinder waren noch sehr klein und gerade hatte sie ihr Psychologie-Studium begonnen. Doch Mandy Falke ließ sich nicht unterkriegen und sagte der furchtbaren Krankheit den Kampf an - mit vielen Therapien und Operationen, aber auch einer gehörigen Portion Willen und Zuversicht schaffte sie es durch die harte Zeit. Ihre Gefühle, Gedanken und den Umgang bei Krebs mit Kindern hat sie in zwei Bücher verfasst. regionalHeute.de sprach mit der heute 35-Jährigen über ihre Autobiografie "Und dann am Leben bleiben" und ihr neuestes Werk - das Kinderbuch "Als Mama Krebs bekam".



„Als Mama Krebs bekam“ heißt das neue Buch der Vechelder Autorin Mandy Falke. Die 35-Jährige aus Vechelde erkrankte im Jahr 2017 an Brustkrebs. Kurz vor Weihnachten bekam sie die Diagnose. "Es klingt vielleicht platt, wenn man sagt, man fühlt sich wie in einem falschen Film. Aber so ist es. Man kann es überhaupt nicht einordnen. Es ist nicht so, dass ich dachte, ich sei unsterblich. Aber die eigene Sterblichkeit war immer so weit weg. Ich bin Anfang 30 und dann beschäftigt man sich doch nicht aktiv mit dem Sterben. Und plötzlich war es aber so nah", erzählt Mandy Falke. Ihr jüngster Sohn war damals gerade erst acht Monate alt und den Knoten in der Brust schob man anfangs auf das Stillen. Ein paar Tage vor Weihnachten zeigte eine Mammografie dann, dass es etwas Ernstes sein muss. Was folgte, waren unzählige Untersuchungen, Chemotherapien, Bestrahlungen, die Entfernung beider Brüste und der Lymphknoten. Kaum zu glauben, wenn man Mandy Falke heute sieht. Sie strahlt, ist zuversichtlich und scheint voller Kraft und Energie. Dass sie die schreckliche Krankheit bisher - denn geheilt ist sie erst, wenn fünf Jahre nach der Diagnose kein mehr Krebs nachweisbar ist - gut gemeistert hat, hat sie auch ihrem Kampfgeist zu verdanken. Und dem Umstand, dass sie durch das Schreiben eine Art Selbsttherapie vollzogen hat.


Mandy Falke hat zwei Bücher geschrieben, in dem die Diagnose Krebs thematisiert wird. Foto: Anke Donner

In ihrer Biografie "Und dann am Leben bleiben" verarbeitet sie ihre Krankheit und den langen Weg der Akzeptanz. "Es war nicht so, dass ich mich aktiv hingesetzt habe und das Buch geschrieben habe. Es sind mehr gesammelte Tagebucheinträge, die immer aus den jeweiligen Phasen entstanden sind. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das Schreiben mir bei der Verarbeitung hilft. Manchmal wusste ich einfach nicht, was ich gerade fühle. Das Schreiben hat mir dabei geholfen, alles etwas zu ordnen", erzählt Mandy Falke, die sich seit ihrer Erkrankung ehrenamtlich im Bereich der Aufklärungs- und Präventionsarbeit engagiert und den gemeinnützigen Braunschweiger Verein Momente, die bleiben e. V. initiierte. Aus diesem Aspekt heraus entstand nun auch das Kinderbuch, welches sich an Kinder mit einem an Krebs erkrankten Elternteil richtet.


Mandy Falke mit ihrer Tochter Marie während ihrer Krebserkrankung. Foto: Mandy Falke


Im Buch wird kindgerecht ein Bild über die Krankheit Krebs vermittelt. Spielerisch werden Bewältigungsstrategien und konkrete Übungen dargestellt, die Kindern verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit dieser Erkrankung aufzeigen. So vermittelt beispielsweise der Maulwurf Lutz den beiden Geschwistern Alice und Oskar medizinisches Fachwissen, während die Eule Eugenie in die Rolle einer Psychologin schlüpft. „Kein Blickwinkel ist falsch“, transportiert das Buch und lässt viel Raum für das individuelle Erleben betroffener Familien. Das Buch ist über die Autorin selbst (www.unddannamlebenbleiben.de), auf Amazon oder unter der ISBN-Nr. 978-3949090004 bestellbar.

Krebs darf kein Tabuthema sein


In ihrer Familie und im Freundeskreis wurde ihre Krankheit offen thematisiert, sagt Mandy Falke. Aber nicht nur, damit die Krankheit mehr in die Öffentlichkeit rückt. Es war für Mandy Falke vor allem ein Weg, selber mit der Krankheit klar zu kommen. "Natürlich sollte Krebs kein Tabuthema sein. Bei mir war es aber eher so, dass der eigene Verarbeitungsprozess im Vordergrund stand. Ich hatte einfach das Bedürfnis, darüber zu reden. Auch außerhalb der eigenen vier Wände. Es ist aber auch sehr wichtig, über Krebs zu sprechen, damit es eben aus dieser Tabuzone herausgeholt wird", sagt sie. Bis auf wenige Ausnahmen habe sie auf ihre Art, mit dem Krebs umzugehen, positive Rückmeldungen bekommen. "Am Ende aber ist es doch meine Entscheidung, wie offensiv ich damit umgehe. Und das wurde auch genau so akzeptiert."

Der Krebs war immer allgegenwärtig


Ihre Kinder seien noch sehr klein gewesen, als die Diagnose Brustkrebs kam. "Meine Kinder waren erst acht Monate und drei und vier Jahre alt. Viele Themen rund um die Krankheit waren so abstrakt, dass man das gar nicht richtig erklären konnte. Wir haben einfach gesagt, dass Mama eine schwere Erkrankung hat, die Haare ausfallen werden und lange Zeit krank sein werde. Das war damals das, was wir einfach für angemessen hielten", erzählt Mandy Falke. Die Familie lebte mit der Krankheit - mal besser und mal schlechter, sagt die 35-Jährige. "Die ersten eineinhalb Jahre war die Krankheit 24 Stunden in meinem Kopf präsent. Es ist immer im Hintergrund mitgelaufen, du bist bald tot. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Und ich habe damals nicht gedacht, dass das jemals besser werden wird. Aber es ist besser geworden. Die Angst ist besser geworden und ich habe für mich einen spirituellen Zugang gefunden, der mir geholfen hat, mit der Angst besser umzugehen. Und manchmal kommt die Angst noch hoch, gerade wenn ich von Erkrankungen und Sterbefällen im Bekanntenkreis erfahre. Zum einen, weil es einen traurig und betroffen macht und zum anderen, weil es einem deutlich macht, dass es einen selber treffen kann. Es gibt Momente, da geht es mir nicht so gut, aber meistens geht es mir gut", sagt sie.

Ich bin trotzdem fraulich


Durch die Krankheit und die anschließende Behandlung verlor die junge Mutter ihre Haare und beide Brüste. Doch mit dem Umstand, dass ihr diese äußerlichen Attribute nun fehlten, haderte sie gar nicht so sehr. Ganz im Gegenteil. "Dass ich keine Haare mehr hatte und schließlich keine Brüste, war für mich nicht so ein großes Thema. Es hat sich für mich sogar ein wenig befreiend angefühlt, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass mein Weiblichkeitsgefühl nicht von meinen Haaren oder Brüsten abhängig ist. Und ich fühle mich auch ohne Brüste als Frau. Weil das heißt, dass ich mich in meiner Essenz wahrnehmen kann und das überhaupt nichts mit Haaren und Brüsten zu tun hat", sagt sie selbstbewusst und weiß aber, dass es vielen Frauen anders geht.

Jeder Augenblick ist kostbar


Dass das Leben nicht nur aus glücklichen und unbeschwerten Momenten besteht, hat Mandy Falke in den vergangenen Jahren auf eine brutale Art erkennen müssen. Das hat ihr gezeigt, dass jeder Augenblick und jede Erinnerung kostbar und wichtig ist. Nicht nur die schönen, sondern auch die unschönen Momente sind es wert, eingefangen zu werden. Daher hat sie mit ihrem Mann den Verein "Momente, die bleiben" gegründet. Mit diesem Fotoprojekt möchte sie anderen Familien - die ebenfalls mit einer Krebsdiagnose zu kämpfen haben - durch kostenlose Fotoaufnahmen unterstützen. Mandy Falke begleitet die Familien zuhause in ihrem Alltag und fängt Moment ein. "Das sind keine geschönten und gestellten Bilder. Es sind die ganz normalen Momente, aus denen das Leben eben besteht, die möchte ich festhalten. Mein Mann hat damals auch viele Fotos von mir gemacht und wenn ich die heute sehe, ist es für mich eine schöne Erinnerung, die mir zeigt, dass eben nicht alles immer nur schlecht war", sagt die Hobby-Fotografin. Mehr zum Verein gibt es unter www.momentediebleiben-ev.de


zur Startseite