Marderhunde als Corona-Zwischenwirt? Tierschutzbund fordert Ende der Pelztierzucht

Bereits 2002 war der mit dem neuartigen Coronavirus verwandte SARS-Erreger von Schleichkatzen und Marderhunden auf den Menschen übergesprungen. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, hät das auch beim COVID-19 Erreger für möglich.

Ein Marderhund auf einer Pelzfarm.
Ein Marderhund auf einer Pelzfarm. Foto: Otwarte Klatki

Die Haltung von Tieren zum Zwecke der Verarbeitung zu Pelzen ist tierschutzwidrig und könne laut einer Pressemitteilung des deutschen Tierschutzbundes ebenso ein gesundheitliches Risiko für den Menschen bergen. Der Tierschutzbund bekräftigt daher seine langjährige Forderung nach einem Ende der Pelztierzucht. In einem aktuellen Interview mit der britischen Zeitung „Guardian“ hatte Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charité, die Vermutung geäußert, Marderhunde aus chinesischen Pelztierfarmen könnten als Zwischenwirt bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 eine Rolle gespielt haben.


„Allein aus Gründen des Tierschutzes braucht es endlich ein Ende der Pelztierhaltung – in Europa und weltweit“, fordert Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Zusammengepfercht in Käfigen sind Pelztiere zur Bewegungslosigkeit verdammt. Sie vegetieren dahin und entwickeln Verhaltensstörungen, die bis zur Selbstverstümmelung oder zu Kannibalismus führen.“

Virologe Christian Drosten bringt Marderhunde aus chinesischen Pelzfarmen zudem als möglichen Zwischenwirt von SARS-CoV-2 ins Gespräch. Welche Rolle diese Tiere tatsächlich bei der Verbreitung gespielt haben, müsse allerdings erst noch erforscht werden. Doch schon heute ist klar, dass die Haltung von Wildtieren auf engstem Raum, auf Märkten oder in Pelzfarmen, die Ausbreitung eines Virus und auch ein Überspringen auf den Menschen begünstigen kann. So verweist Drosten auf frühere Literatur zum 2002 auf den Menschen übergesprungenen SARS-Coronavirus, in der von Schleichkatzen und Marderhunden als Träger des Virus die Rede ist.

Marderhund-Pelzfarmen in China


Die Haltung von Pelztieren stehe schon seit Langem in der Kritik des Deutschen Tierschutzbundes. "Auf Pelztierfarmen – selbst in Europa - werden nicht einmal die Minimalansprüche, die die Tiere an ihre Umgebung stellen, erfüllt", kritisiert die Fachreferentin. Weil sich die Fellbeschaffenheit von Marderhunden gut für „modische“ Fellbesätze an Jacken oder Schuhen eigne, hätten diese Tiere aktuell besonders unter der Pelzwut zu leiden. China sei das Land, das weltweit die meisten Marderhunde züchtet – "allerdings unter erbärmlichen Bedingungen", betont Mackensen und erklärt: „Unstrukturierte kleine Drahtkäfige, die oft nicht einmal ein Dach haben, stehen sowohl in Hinterhöfen als auch in großen Farmen. Marderhunde sind einfach und billig zu halten. Sie sind verträglich und anspruchslos was die Fütterung angeht. Das wird ihnen zum Verhängnis.“


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