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Mittelalterliches Rosenthal: Dorf sollte eigentlich eine Stadt werden



Mittelalterliches Rosenthal: Dorf sollte eigentlich eine Stadt werden

Doch die Funde in Rosenthal gehen noch weiter zurück. Unter anderem wurde auch der Nachweis einer Siedlung der vorrömischen Eisenzeit gefunden.

Vereinfachte Umzeichnung der Verkoppelungskarte von Rosenthal (1855/56). Die damaligen Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung umgeben gestrichelt den Ort. Links unten in Richtung Hildesheim lag das Elstertor, dessen Grundriss sich aber nicht mehr abzeichnete. Oben rechts das Rittergut mit dem Ringgraben der mittelalterlichen Burg und dem Grabenansatz der Vorburg nördlich des Wirtschaftshofs des Ritterguts. (Repro aus: Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Kreis Peine. 1938)
Vereinfachte Umzeichnung der Verkoppelungskarte von Rosenthal (1855/56). Die damaligen Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung umgeben gestrichelt den Ort. Links unten in Richtung Hildesheim lag das Elstertor, dessen Grundriss sich aber nicht mehr abzeichnete. Oben rechts das Rittergut mit dem Ringgraben der mittelalterlichen Burg und dem Grabenansatz der Vorburg nördlich des Wirtschaftshofs des Ritterguts. (Repro aus: Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Kreis Peine. 1938) Foto: Thomas Budde

Rosenthal/Peine. Mehrere Untersuchungen im Zeitraum 2018 bis 2019 brachten neue archäologische Erkenntnisse über das Dorf Rosenthal. Die geschichtliche Überlieferung besagt, dass Bischof Konrad II. von Hildesheim die Burg im Bereich des heutigen Rittergutes 1223 erwarb, um sie als Gegenfestung zu Peine auszubauen und bald darauf zu Füßen der Burg eine Stadt anzulegen. Rosenthal setzte sich jedoch nicht gegen Peine durch. Als Peine um 1260 schließlich selbst an das Bistum Hildesheim kam, muss bald ein Bedeutungsverlust Rosenthals eingesetzt haben. Dies berichtet die Stadt Peine.



Heute sei noch am Dorfbild abzulesen, dass Rosenthal einst planmäßig als Stadt angelegt worden ist. Die Verkoppelungskarte von 1855/56 zeige noch den rechteckigen, von einem Wallgraben umgebenen Grundriss. Die Straßen Im Böge und Im Knick geben noch den Verlauf der Stadtbefestigung an. Der noch im 19. Jahrhundert vorhandene Wallgraben sei heute bis auf geringe Überreste verschwunden. "Über die mittelalterliche Stadt wissen wir sonst fast nichts", so Thomas Budde, freiberuflicher Archäologe und Historiker. Der zum Teil doppelt ausgebildete Graben wäre in der Zeit nach 2000 bei Bauarbeiten im Westteil Rosenthals zweimal archäologisch erfasst worden.

Siedlung aus vorrömischer Eisenzeit



2018 habe sich nun bei Erdarbeiten auf dem Baugrundstück Elstertorstraße- Ecke Pechschwarte auch erstmals ein Grabenansatz der Stadttoranlage des „Elstertores“, nämlich die nördliche Torwange gezeigt. Der Torgrundriss sei ansonsten unbekannt. Das ehemals vom Stadtwall bedeckte Grundstück habe noch ein weiteres Geheimnis verborgen, nämlich den erstmaligen Nachweis einer Siedlung der vorrömischen Eisenzeit (1. Jtsd. v. Chr.), belegt durch Tonscherbenfunde. Mehrere Baumaßnahmen habe es im südlichen Dorf im Bereich der Hildesheimer Straße, insbesondere die Erneuerung der Ortsdurchfahrt mit Kanalisation sowie im Bereich zweier Grundstücke gegeben. Dabei habe sich überraschend deutlich gezeigt, dass es hier im Mittelalter noch keine Besiedlung gegeben haben dürfte. Das hier feuchte Gelände wäre damals für den Bau noch nicht erschlossen worden. Den Funden nach sei dies erst im 17. bis 18. Jahrhundert geschehen. "Wir müssen daher annehmen, dass die mittelalterliche Stadt zunächst nur im Ortskern bebaut gewesen ist", erklärt Budde weiter.

Eisenzeitliche Keramikscherben vom Grundstück Elstertorstraße –Pechschwarte deuten auf eine bisher unbekannte vorgeschichtliche Siedlung unter dem Altdorf von Rosenthal, das günstig auf einer leichten Erhebung zwischen Bachsenken liegt.
Eisenzeitliche Keramikscherben vom Grundstück Elstertorstraße –Pechschwarte deuten auf eine bisher unbekannte vorgeschichtliche Siedlung unter dem Altdorf von Rosenthal, das günstig auf einer leichten Erhebung zwischen Bachsenken liegt. Foto: Thomas Budde




Schere, Bohrer und Hammerkopf im Brunnen


Auf Höhe der Einmündung zum Lindenplatz wäre unter der Hildesheimer Straße ein dörflicher Gemeinschaftsbrunnen vom Bagger angeschnitten worden. Es habe sich vermutlich um einen Kastenbohlenbrunnen gehandelt, wie Holzreste zeigten. Die Füllung habe Funde aufgewiesen, die hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert stammen, darunter eine Schere, ein Bohrer und ein kleiner Hammerkopf aus Eisen, ein gelb glasierter Grapen (Dreibeintopf) und Scherben aus bemalter Irdenware.


Aus der Brunnenfüllung: Schere, Hammerkopf und Bohrer aus Eisen (17. Jahrhundert)
Aus der Brunnenfüllung: Schere, Hammerkopf und Bohrer aus Eisen (17. Jahrhundert) Foto: Thomas Budde



Eine archäologische Baubegleitung habe es auch im nördlichen Bereich des Wirtschaftshofes des Ritterguts gegeben, wo Erweiterungsarbeiten für eine Saatzuchtstation durchgeführt wurden. Hier wäre die Vorburg der Burg Rosenthal zu vermuten, doch hätten sich dafür keinerlei Belege gefunden. Der vom Burggraben abzweigende nördliche Grabenansatz der Vorburg sei auf der Verkoppelungskarte von 1855/56 eingezeichnet, ende dort aber abrupt. Die archäologischen Befunde von 2018/19 legen nahe, dass die Vorburg tatsächlich nicht in geplanter Form und Größe zu Ende gebaut worden sei. Dass es gar keine Vorburg gegeben hat, sei allerdings schwer vorstellbar.


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