Muna-Rundgang als Zeichen gegen das Vergessen

Der Mahnort Muna ist seit kurzem auch ausgeschildert.

Auf dem gesamten Gelände wurden im Dritten Reich Bahnschienen gelegt, über die die Munition über Lehre und Braunschweig an die Fronten verteilt wurde. Die Wehrmacht entwickelte dafür eigens ein Diesellok, die die damaligen Dampfloks ersetzen sollte. Bei Kohleantrieben kam zu Funkenflug und damit Explosionsgefahr.
Auf dem gesamten Gelände wurden im Dritten Reich Bahnschienen gelegt, über die die Munition über Lehre und Braunschweig an die Fronten verteilt wurde. Die Wehrmacht entwickelte dafür eigens ein Diesellok, die die damaligen Dampfloks ersetzen sollte. Bei Kohleantrieben kam zu Funkenflug und damit Explosionsgefahr. Foto: Niklas Eppert

Lehre. Als ein Zeichen gegen das Vergessen findet am Sonnabend, 1. Oktober, ab 14.30 Uhr, eine Führung auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) Lehre statt. Treffpunkt ist am 1. Oktober die Einfahrt zur Muna. Diese befindet sich im Kampstüh an der Kreisstraße nach Boimstorf, rund einen Kilometer hinter Lehre und ist seit kurzem ausgeschildert. An der Kreuzung Boimstorfer- und Berliner Straße und an der Einfahrt zur Muna weisen Hinweisschilder zum Mahnort Muna. Der Rundgang wird etwa 90 Minuten dauern.


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Mit dem Rundgang auf dem ehemaligen Muna-Gelände soll an die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 erinnert werden. Uwe Otte, der ehemalige Ratsherr befasst sich seit mehr als 30 Jahren mit der Muna-Geschichte, wird berichten, welche Funktion die heute noch stehenden Gebäude vor 77 Jahren hatten.

Historie der Heeresmunitionsanstalt


Die Muna Lehre lieferte beispielsweise große Mengen Munition für den Überfall auf Polen am 1. September 1939. Auf dem rund 200 Hektar großen Muna-Gelände entstanden etwa 140 Gebäude – darunter 92 Bunker. Damit war die Muna zu jener Zeit flächenmäßig größer als der Ort Lehre.

In der Muna waren mehrere Hundert Zwangsarbeiter im Einsatz, darunter bis zu 400 sowjetische Kriegsgefangene und etwa 100 sowjetische Frauen. Mindestens 19 sowjetische Kriegsgefangene überlebten die Zwangsarbeit nicht. Insgesamt waren in der Muna während des Krieges etwa 1.200 Menschen tätig. Truppen des 8. US-Infanterieregiments befreiten am 12. April 1945 die Muna Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten.

Im Sommer 1945 übernahmen die Briten als zuständige Besatzungsmacht die Muna. Bis zu ihrem Abzug im Februar 1951 sprengten die Briten Munition aus der Muna auf der „Neuen Wiese“. Die Räumung der letzten Rüstungsaltlasten auf dem ehemaligen Muna-Sprengplatz hat offensichtlich kürzlich begonnen. Auch daran wird bei dem Rundgang erinnert. Dies teilte der ehemalige Ratsherr Uwe Otte im Vorfeld zum Rundgang mit und lädt alle Interessierten ein: "Für den Muna-Rundgang ist keine Anmeldung erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen."


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