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NABU: Vogelkinder benötigen die Hilfe des Menschen nicht

von Alexander Panknin


Die Vogelmutter füttert ihren Nachwuchs. Foto: NABU; Rita Priemer
Die Vogelmutter füttert ihren Nachwuchs. Foto: NABU; Rita Priemer Foto: NAUB; Rita Priemer

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30.05.2017

Region. Der NABU macht derzeit auf den richtigen Umgang mit Jungvögeln aufmerksam. Diese sollten unbedingt in der Natur belassen werden und brauchen die Hilfe des Menschen im Normalfall nicht. Marlies Gräwe, Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Südost-Niedersachsen, appelliert an die Bevölkerung.


Jedes Jahr zur Brutzeit häufen sich beim NABU Fundmeldungen zu scheinbar hilflosen Jungvögeln, berichtet Gräwe. Doch die vermeintlich hilflose Vogelkinder sollten lieber in der freien Natur belassen werden. Nur ganz selten handelte es sich bei gefundenen Jungvögeln am Boden um verlassene, verletzte oder geschwächte Tiere, die Hilfe benötigen.

„Manche Vogelarten verlassen nämlich das Nest bereits, bevor sie fliegen können“, erläutert Marlies Gräwe. Die fast flügge Vogelbrut verteile sich nach dem Verlassen des Nestes an verschiedene Stellen des Gartens oder Wäldchens. So können nur einzelne Tiere, und nicht die gesamte Brut auf einmal, von natürlichen Feinden entdeckt werden. Im Stadtbereich handelt es sich zumeist um die bräunlich gefleckten Jungamseln, die etwa eine Woche vor dem Flüggewerden der drangvollen Enge des Nestes entflohen sind. „Wer aufmerksam beobachtet, wird feststellen, dass diese unbeholfen herumflatternden Federknäule mit ihrem noch viel zu kurzen Schwänzchen durchaus nicht verlassen sind“, betont Marlies Gräwe. „Sondern auch weiterhin von ihren Eltern betreut und gefüttert werden.“ Damit sie nicht verloren gehen, lassen die Jungvögel fast unablässig sogenannte „Standortlaute“ hören.


Marlies Gräwe, NABU Foto: Alexander Panknin


Nur nackte Vögel kommen ins Nest


„Noch nackte Jungvögel sollten möglichst vorsichtig ins Nest zurückgesetzt werden. Im Gegensatz zu Säugetieren haben Vögel einen schlechteren Geruchsinn und stören sich nicht am menschlichen Geruch, sodass die Jungvögel auch nach dem Umsetzen noch von den Eltern wieder angenommen und versorgt werden“, erklärt Marlies Gräwe. Ein scheinbar verlassener Jungvogel mit relativ vollständigem Gefieder sollte, um die Eltern nicht zu vertreiben, mit gebührendem Abstand mindestens eine Stunde lang beobachtet werden. „Nur so kann festgestellt werden, ob es sich dabei tatsächlich um einen Waisen handelt oder ob er noch weiter durch die Eltern versorgt wird. Lediglich wenn Gefahr droht, wenn Jungtiere beispielsweise auf der Straße sitzen, sollte man eingreifen, die Jungtiere wegtragen und an einem geschützten Ort, aber nicht zu weit vom Fundort wieder absetzen“, so der NABU.

"Jungvögel sind Wildtiere, man darf ihnen nur im echten Notfall helfen", stellt Marlies Gräwe klar. Deshalb sei eine kurze Pflege mit schnellstmöglicher Auswilderung immer das Ziel des verantwortungsbewussten Tierfreunds – alles andere verbiete nicht ohne Grund auch das Naturschutzgesetz. „Junge Vögel, die mit nach Hause genommen werden, haben deutlich schlechtere Überlebenschancen als in der Natur!“ Bei allem Engagement und selbst bei fachgerechter Pflege könne die elterliche Fürsorge in der Naturaufzucht niemals ersetzt werden. Eine Handaufzucht von Jungtieren sei daher immer nur die zweitbeste Lösung. Daher empfiehlt Marlies Gräwe nur in absoluten Ausnahmefällen, echte Waisen in das NABU-Artenschutzzentrum nach Leiferde oder in andere anerkannte Vogelpflegestationen zu bringen.

Die beste Vogelhilfe sei im Übrigen der naturnahe Garten mit abwechslungsreichen, einheimischen Pflanzen, so Marlies Gräwe. Weitere Tipps dazu gibt die NABU-Broschüre „Vögel im Garten“, die gegen sechs Briefmarken zu 70 Cent unter folgender Adresse bezogen werden kann: NABU RGS Südost-Niedersachsen, Stichwort ‚Jungvögel‘, Kurt-Schumacher-Ring 4, 38228 Salzgitter.

Mehr Informationen zum NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde finden Sie auch unter www.NABUzentrum-Leiferde.de. Dort finden Sie auch umfangreiche Tipps zum Umgang mit Wildtieren.


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