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„Schwalben willkommen“ ernst genommen


„Schwalben willkommen“ ernst genommen: Peter Spei wird für seine  Schwalbenfreundschaft von Daniel Dürholt (rechts) ausgezeichnet - Nabu ruft weiter zur Meldung der gefiederten Untermieter auf. Foto: Thomas Appel/Nabu
„Schwalben willkommen“ ernst genommen: Peter Spei wird für seine Schwalbenfreundschaft von Daniel Dürholt (rechts) ausgezeichnet - Nabu ruft weiter zur Meldung der gefiederten Untermieter auf. Foto: Thomas Appel/Nabu Foto: Thomas Appel/Nabu

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08.07.2016


Goslar. Die Schwalben sind wieder in ihre Brutgebiete vor unserer Haustür zurückgekehrt.
„Ihr fröhliches Gezwitscher lässt gute Laune aufkommen – sie sind die Vorboten des Sommers! Wenn sie hoch in das Himmelblau steigen, können wir uns auf gutes Wetter freuen“, erklärte der Altenauer Daniel Dürholt vom NABU Goslar und rief dazu auf, den Mehl- und Rauchschwalben, sowie den Mauerseglern tatkräftig ‚unter die Flügel zu greifen’.


Dieser Aufruf war sehr erfolgreich und fand in der Bevölkerung eine erfreuliche Resonanz. Daniel war in den letzten Wochen unermüdlich unterwegs um alle „Meldungen“ abarbeiten zu können. In St. Andreasberg hat er gestern wieder einem Schwalbenfreund die Plakette überreicht und ihn mit einer Urkunde ausgezeichnet. Peter Spei aus Sankt Andreasberg freut sich über die Mehlschwalben und Mauersegler, die an seinem Haus in einer Höhe von ziemlich genau 605 m über dem Meeresspiegel nisten.

Um ihnen gute Brutmöglichkeiten zu bieten, hat er mehrere künstliche Schwalbennester sowie einen Mauerseglerkasten an seinem Haus angebracht. Für sein Engagement beim Schwalbenschutz hat ihm jetzt Daniel Dürholt vom NABU Goslar die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ des NABU Niedersachsen überreicht und ihm den Dank der NABU-Kreisgruppe Goslar ausgesprochen. Die Schwalben, die am Hause Spei leben, genießen dabei einen wunderbaren Ausblick über den Ort und auf den Glockenturm, dem Wahrzeichen von Sankt Andreasberg. Wahrscheinlich ist ihnen jedoch der proteinhaltige Insektenreichtum in den luftigen Höhen über dem Luftkurort viel wichtiger, denn den brauchen sie, um ihren Nachwuchs zu versorgen.


Schwalbennester an Peter Speis Haus. Foto: Thomas Appel/Nabu


Pfiffige Idee


Peter Spei hat sich eine pfiffige Ergänzung für die Schwalbennester ausgedacht und diese kleine technische Änderung auch gleich in die Tat umgesetzt. An die Bretter, an denen die Schwalbennester angebracht sind, hat er mittig abgewinkelte Blechschlaufen befestigt. Mit einer einfachen Dachlatte kann er so die Nester aus der Aufhängung herausnehmen und auch wieder einsetzen wenn die jährliche Reinigung ansteht, ohne auf eine Leiter steigen zu müssen. Eine ausgefuchste Idee aus dem Harz, die zum Artenschutz wie zur Unfallverhütung gleichermaßen beitragen kann - "Chapeau, Herr Spei!"

Schwalbenvorkommen soll weiterhin gemeldet werden


Jahrhunderte lang waren Schwalben in jedem Dorf, auf jedem Bauernhof und in jeder Stadt zu Hause. Während sich Rauchschwalben auf Balken und Mauervorsprüngen in warmen Ställen einnisten, bauen Mehlschwalben ihr kunstvolles Nest meist außen, an rauen Hauswänden, hoch unterm Dachvorsprung. Der Mauersegler lässt sich lediglich zur Brutzeit im Nest nieder, den Großteil seines Lebens verbringt er in der Luft. „Schwalben ernähren sich vor allem von Fliegen, Mücken und Schnaken. So vertilgt eine Familie während der Jungenaufzucht zahllose Insekten”, erklärt Daniel Dürholt. Kein Wunder, dass die fleißigen Untermieterinnen von jeher als Glücksbringer betrachtet wurden.
Daniel Dürholt rief alle Menschen im Landkreis Goslar und Umgebung dazu auf, Standorte von Nestern und Kolonien von Mehl- und Rauchschwalben, sowie von Mauerseglern, an ihn weiterzugeben. Auf diese Art und Weise will der NABU Goslar einen besseren Überblick über die Situation der Akrobaten der Lüfte erhalten. Viele, viele Menschen machten mit und melden Ihre Untermieter.

„Schwalbenfreundliches Haus“


Menschen, die sich für Schwalben engagieren und an ihren Häusern dulden, wurden vom NABU mit einer Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Mit der Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" hofft der NABU dazu beizutragen, die Akzeptanz für Schwalben und ihre Nester in der Nähe des Menschen zu erhöhen sowie bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen. Bewerben können sich weiterhin Hausbesitzer, die das Brutgeschehen der wendigen Flugkünstler und Sommerboten dulden und fördern. Ganz gleich, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohnhaus, Hotel, Bauernhof oder Fabrikgebäude handelt. Helfen wir ihnen, damit sie gesund und gestärkt in ihre Winterquartiere fliegen können und im nächsten Frühjahr wieder zu uns kommen. Alles rund um das Thema Schwalben sowie Anträge auf Auszeichnung als ‚Schwalbenfreundliches Haus‘ finden Sie hier.

Schwalben haben es beim Nestbau nicht einfach


Die Intensivierung der Landwirtschaft, verstärkte Hygieneanforderungen sowie die starke Versiegelung der Landschaft machen den Vögeln zu schaffen. Der Rauchschwalbe, die ihr Nest im Innern von Gebäuden baut, fehlt es zunehmend an offenen Ställen, Schuppen, Toreinfahrten und Hausfluren. An modernen, glatten Häuserfassaden kann die Mehlschwalbe ihr Nest nicht anheften. Lehm, das Baumaterial für die Nester, wird knapp, denn auf asphaltierten und betonierten Wegen, Plätzen und Höfen gibt es keine schlammigen Pfützen mehr. Dem Mauersegler gehen durch Gebäudesanierungen die Brutplätze aus. Der NABU Goslar bittet deshalb die Bevölkerung darum, Rücksicht auf am Haus brütende Vögel zu nehmen.


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