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Nach Schweden-Eklat: „Negerkönig" noch zu haben



Wolfenbüttel

Nach Schweden-Eklat: „Negerkönig" noch zu haben

von Sandra Zecchino


Astrid Lindgrens Meisterwerk „Pippi Langstrumpf" - Früher (links) und heute. Foto: Marian Hackert
Astrid Lindgrens Meisterwerk „Pippi Langstrumpf" - Früher (links) und heute. Foto: Marian Hackert Foto: Marian Hackert

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Wolfenbüttel. In Schweden kam es zu einem Eklat, da eine Kindergartengruppe eine alte Version von Pippi Langstrumpf mit "Negerkönig" hörte, obwohl der Begriff mittlerweile in "Südseekönig" geändert wurde. Auch in Deutschland gab es diese Änderung. regionalHeute.de fragte nach, ob Kinder dennoch die nicht politisch korrekte Version bekommen könnten.



Die Sprache befindet sich im dauernden Wandel, Begriffe wie "Neger" waren vor einem halben Jahrhundert normal und wurden dementsprechend auch in Kinderbuchklassikern wie „Pippi Langstrumpf" verwendet. Heutzutage sieht das anders aus, neben „Pippi Langstrumpf" wurden auch „Die kleine Hexe", „Räuber Hotzenplotz" oder „Tom Sawyer" in politisch korrekter Version veröffentlicht.

In der Stadtbücherei Wolfenbüttel seien laut Information von Thorsten Raedlein, Pressesprecher der Stadt Wolfenbüttel, beide Versionen vorhanden. "Einmal in der ursprünglichen Version und einmal in der vom Oetinger-Verlag überarbeiteten Auflage, in der er aus seinen Büchern alle „Neger“-Worte entfernt hat. Vorbei sind also die Zeiten, als Pippis Vater Negerkönig war – heute ist er Südsee-Herrscher. Oder auch nicht. Kommt halt auf die ausgeliehene Version an", so Raedlein.

„Diskriminierung" nicht einfach zu beantworten


Doch die Frage nach diskriminierender Sprache sei laut Raedlein gar nicht einfach zu beantworten. "Denn ist es nicht auch diskriminierend, Frauen in erster Linie als Mütter und Hausfrauen darzustellen?", fragt er. "Ja, Diskriminierung, gleich weder Art, ist falsch. Und die Stadt Wolfenbüttel, allen voran Bürgermeister Thomas Pink, engagiert sich auch stark im Kampf gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und radikalem Gedankengut." Trotzdem hätten auch die alten Auflagen der Bücher ihre Daseinsberechtigung in der Stadtbücherei. Es seien nun einmal Dokumente einer vergangenen Zeit und einer damals verwendeten Sprache.

Aufklärung ist die beste Erziehung


"Wenn Pippi Negerprinzessin werden will, meint Astrid Lindgren sicher nicht, dass Pippi ein ganzes Volk unterdrücken will", gibt der Pressesprecher zu bedenken. Bei Wörtern, auch den bösen, käme es immer auf den Zusammenhang an, in dem sie verwendet werden. Anstatt Wörter, die früher eine andere Bedeutung hatten oder heute gar nicht mehr verwendet werden, umzuschreiben oder sie ganz auszurotten, müssten den Kindern Wörter, die sie nicht verstehen beziehungsweise fremd vorkommen eben erklärt werden.

Dinge zu verschweigen, hätte noch nie Probleme gelöst. Im Gegenteil. Aufklärung sei nun einmal die beste Erziehung. Dies sei aber nicht die vornehmliche Aufgabe der öffentlichen Hand, also der Stadtverwaltung oder der Stadtbücherei, sondern die der Eltern, betont Raedlein. "Und wenn ein Mensch zum Rassisten wird, plötzlich radikale Parteien wählt, öffentlich gegen Geflüchtete Menschen hetzt, dann sicher nicht deshalb, weil er als Kind das Wort „Neger“ bei Pippi Langstrumpf gehört oder gelesen hat", sagt er abschließend.


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