Nachtruhe – Nicht während der WM! Oder doch?

Die ganz großen Public-Viewing-Aktionen auf öffentlichen Plätzen der Region sind noch nicht angekündigt. Dabei gibt es extra dafür einen Beschluss auf Bundesebene.

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Symbolbild | Foto: Anke Donner

Region. Nachtruhe ab 22 Uhr: Diese Regelung ist vielen Menschen heilig. Zur Fußball-WM im Sommer vom 11. Juni bis 19. Juli wird sie aber etwas aufgeweicht. Vor wenigen Tagen beschloss das Bundeskabinett eine entsprechende Verordnung des Bundesumweltministeriums. Damit reagiert die Berliner Politik auf ein sich anbahnendes Problem: Menschen wollen in Deutschland im Freien zusammen die Spiele der Nationalelf live im TV schauen – diese finden aber oft nach 22 Uhr statt. Die Anstoßzeiten der WM orientieren sich schließlich an den Zeitzonen der Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko.



Doch die jetzt beschlossene Verordnung sieht Ausnahmen von den geltenden Lärmschutzregeln vor, damit Städte und Gemeinden auch angesichts der Zeitverschiebung flexibler über Public-Viewing-Veranstaltungen entscheiden können. Davon sind allerdings bislang noch keine vom großen Kaliber in unserer Region auf öffentlichen Plätzen angekündigt. Bei vergangenen Turnieren hatten sich einige Plätze – An der Martinikirche in Braunschweig, Schlossplatz in Wolfenbüttel, dem Härke-Hof in Peine oder der Fläche an der Eissporthalle in Salzgitter – als Publikumsmagnete für Public Viewing im ganz großen Stil erwiesen.

Public Viewing im Schön & Frölich


Zur WM 2026 haben aber schon einige "private Anbieter" Public Viewing in etwas kleinerem Rahmen angekündigt. So wird es in Braunschweig zum Beispiel im frisch fertiggestellten Schön & Frölich möglich sein, gemeinsam Fußball zu schauen und mit der deutschen Nationalmannschaft mitzufiebern – mit mehr als tausend anderen Fans. In der früher als Großraumdiskothek Jolly Joker berühmten Eventlocation werden alle Vorrunden-Spiele der DFB-Elf live gezeigt. Die Veranstalter hatten zunächst geplant, das Public-Viewing auf dem Applaus-Garten-Gelände an der Wolfenbütteler Straße anzubieten – wie schon bei der EM 2024 –, sind aber inzwischen davon abgerückt.

Auch einige kleinere Events sind bereits hier und da in der Region angekündigt. Beispielsweise gibt es eine Aktion auf der Anlage vom BV Germania Wolfenbüttel am 20. Juni rund um das Vorrunden-Spiel des deutschen Nationalteams gegen die Elfenbeinküste – Anstoß: 22 Uhr deutscher Zeit. Die zahlreichen Leinwände in Biergärten, Kneipen und Bars werden ebenfalls größere Massen anlocken – so viel steht fest.

Dennoch gilt: Nachtruhe ist zu schützen


Die jeweiligen kommunalen Behörden haben mit der Verordnung aus Berlin jetzt mehr Flexibilität, "müssen aber im Einzelfall abwägen zwischen dem herausragenden öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe", heißt es in einer Pressemitteilung des federführenden Bundesumweltministeriums. Wegen der vielen Partien, die zur deutschen Nachtzeit stattfinden, wurde in der Verordnung die Bedeutung des Schutzes der Nachtruhe hervorgehoben.

Der Anteil der Spiele, die in der Nachtzeit stattfinden, ist diesmal besonders hoch. Als Nachtzeit gilt in Deutschland der Zeitraum von 22 bis 6 Uhr Ortszeit. Die vier häufigsten Anstoßzeiten sind 21 Uhr (19 Spiele), 3 Uhr (12 Spiele), 22 Uhr (10 Spiele) und 0 Uhr (9 Spiele). Von den drei Vorrundenspielen der deutschen Nationalmannschaft beginnen zwei um 22 Uhr.