Wolfenbüttel

Nähen - Stadtteilnetzwerk Nordost lässt altes Handwerk aufleben



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05.12.2013


Wolfenbüttel. Nähen – eines der ältesten Handwerke der Menschheit droht in Vergessenheit zu geraten. Dagegen versuchen die beiden Wolfenbüttelerinnen Ingeborg Zansinger und Karin Korte anzugehen. Die Rentnerinnen leiten die Wolfenbütteler Nähwerkstatt – ein Treffpunkt für jeden Interessierten (immer mittwochs von 9.30 bis 12.30 Uhr im Stadtteiltreff "Die Ulme", Ulmenweg 2b).

Derzeit treffen sich da regelmäßig bis zu zehn begeisterte Hobby-Näherinnen und kümmern sich um offene Nähte an Hosen und Hemden oder nähen einen Knopf an, starten aber auch durchaus größere Textil-Projekte. Khadija Raoudi hat beispielsweise eben noch rechtzeitig einen aufwendigen Adventskalender fertiggestellt. Ihre Gardinen hat sie auch in der Nähwerkstatt zurecht geschneidert. „Ich war neu in Wolfenbüttel und habe hier Anschluss zu anderen Menschen gefunden‟, nennt sie einen weiteren Vorteil des seit etwa sechs Monaten bestehenden Treffs, der Menschen niederschwellig zusammenbringen will.

Für Claudia Sandmann ist die Nähwerkstatt eine willkommene Gelegenheit, auf kreative Weise alten Sachen neuen Glanz zu verleihen. „Ich stehe auf Upcycling‟, sagt sie und zählt zahlreiche Beispiele auf, wie sie aus Stoffresten neue Sachen etwa eine modische Weste hergestellt hat. „Außerdem geht so viel kaputt. Wer nähen kann, kann auch manches mit wenigen Handgriffen reparieren‟, sagt die zweifache Mutter, die ihre Tochter Romina regelmäßig mit zu den Treffen bringt. Für Kinder gibt es eine kleine Spielecke. „Und wenn Ingeborg oder Karin nicht mal die Kleine für eine Zeit auf den Arm nehmen würden, käme ich hier zu nichts‟, betont Sandmann die familienfreundliche und familiäre Atmosphäre bei der Nähwerkstatt.

Auch Remzija Yusuf ist schon seit langer Zeit dabei. „Ich habe hier schon so viele Sachen genäht‟, sagt sie. Von den regelmäßigen Teilnehmerinnen sei sie wohl die erfahrenste Näherin, sagt Korte über Yusuf. Sie gebe den anderen stets gute Tipps. Die Leiterinnen Zansinger und Korte sind selbst nicht vom Fach. „Wir sind keine Schneiderinnen. Aber ein bisschen nähen können wir schon‟, sagt Korte – offensichtlich eine Untertreibung. Die beiden helfen den Hobby-Näherinnen bei allen Belangen. Neulingen bringen sie die ersten Handgriffe bei, aber auch Fortgeschrittenen können sie noch Hinweise geben. Hilfe zur Selbst-Hilfe lautet das Credo der gesamten Gruppe.

„Meine Tochter wohnt in Berlin. Da ist sie der Star bei ihren Freunden, weil sie einen Knopf annähen kann‟, sagt Zansinger scherzhaft, um zu demonstrieren, wie schlecht es teilweise um das Handwerk steht. Für sie sei das auch ein Grund gewesen, das Projekt ins Leben zu rufen.

Die Nähwerkstatt hat im Stadtteiltreff „Die Ulme‟ genug Platz für alle Arbeiten, die rund um das Handwerk anfallen – vom Knopf annähen bis zu riesengroßen Zuschnitten, etwa Gardinen oder Tischdecken. Das richtige Werkzeug ist auch vorhanden. Vieles ist aus Spenden zusammengekommen: ein Bügeleisen von der St. Thomasgemeinde, Kisten zum Verstauen vom Landkreis Wolfenbüttel. Außerdem stehen sechs Nähmaschinen zur Verfügung – alles private Spenden. Einige davon sind schon etwas älter. „Wenn jemand gut Nähmaschinen reparieren kann, ist er bei uns herzlich willkommen‟, sagt Zansinger. Überhaupt seien neue Mitglieder in der Runde gerne gesehen - „auch Männer‟, betont Korte. Wer Interesse hat, könne einfach mittwochs vorbeischauen. Weitere Informationen vorab gibt es telefonisch bei der Projekt-Koordinatorin Susanne Pensler unter (0 53 31) 84 14 7.


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