Braunschweig

Naturfreunde sammeln Unterschriften für den verbindlichen Artenschutz

Das Volksbegehren Artenvielfalt macht auch in Braunschweig keine Pause

„Josefine Beims und Reinhard Wagner informierten am Infostand für das Volksbegehren Artenvielfalt in Riddagshausen“.
„Josefine Beims und Reinhard Wagner informierten am Infostand für das Volksbegehren Artenvielfalt in Riddagshausen“. Foto: E. Stangenberg

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08.09.2020

Braunschweig. In den ersten zwei Monaten sind bereits über 45.000 Unterschriften für das Volksbegehren Artenvielfalt in Niedersachsen zusammengekommen. Die Unterschriftensammlung soll in ein Gesetz für einen besseren Artenschutz münden.


Denn über die Hälfte von 11.000 in Niedersachsen vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sind bedroht. Der starke Rückgang vieler Arten beweist: es muss sich etwas tun, um Arten wie die Feldlerche und die Bekassine für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Damit der Gesetzesentwurf für das Volksbegehren im niedersächsischen Landtag abgestimmt werden kann, sind insgesamt 610.000 Unterschriften notwendig. Lehnt der Landtag das Gesetz ab, folgt ein Volksentscheid.

Deswegen gehen überall in Niedersachsen Menschen auf die Straße und sammeln unermüdlich Unterschriften. Auch an Ständen in der Stadt Braunschweig informieren die Unterstützer des Volksbegehrens über dessen Inhalte. „Natur-, Arten- und Gewässerschutz müssen gesetzlich verpflichtet werden“, formuliert Reinhard Wagner, 1. Vorsitzender des NABU Helmstedt am vergangenen Freitag am Infostand im Naturschutzgebiet Riddagshausen. Denn nur so könne man Verbindlichkeit für Maßnahmen schaffen, die den Arten zu Gute kommen. Eine verlässliche Ausgleichszahlung für Landwirte, die durch das Anlegen von Gewässerrand- oder Blühstreifen weniger Erträge haben, sei mit dem Volksbegehren Artenvielfalt gesetzlich gesichert.

Viele Passanten in Braunschweig haben bereits von dem Volksbegehren gehört und nur nach einer Möglichkeit zum Unterschreiben gesucht. „Das freut uns natürlich ganz besonders. Es zeigt wie stark das Anliegen für mehr Artenschutz und einen Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft durch verlässliche Ausgleichszahlungen ist. Die Menschen haben verstanden, dass es so nicht weitergehen kann!“, freut sich Josefine Beims, Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Südost-Niedersachsen, über die vielen positiven Rückmeldungen.

Wer seine Unterschrift für das Volksbegehren noch abgeben möchte, kann dies an den zahlreichen Sammelstellen in Braunschweig tun. Die Unterschriftenlisten sind unter anderem in den Denn’s Biomärkten, im Reformhaus Bacher, im Riptide und im Grünen Laden zu finden. Auch weitere Stände in Braunschweig hat das Aktionsbündnis der Stadt bereits geplant. „Wir müssen jetzt handeln. Klimakrise und Artensterben machen keine Pause! Gerade jetzt in der Pandemiezeit ist es wichtig, dass wir weiterhin politisch aktiv sind und unsere demokratischen Instrumente wie das Volksbegehren nutzen, um uns stark zu machen für ein ökologisches Niedersachsen!“, sagt Margaux Erdmann, Vorstandsbeisitzerin BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN BRAUNSCHWEIG.

Neben dem NABU und den Grünen gehört auch der Deutsche Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund zu den drei Initiatoren des Volksbegehrens. Mittlerweile stellen über 200 Organisationen ein breites Bündnis dar, von dem das Volksbegehren Artenvielfalt in Niedersachsen unterstützt wird. Im angekündigten Gesetzesentwurf des Niedersächsischen Weges sehen die Unterstützer des Volksbegehrens erhebliche Lücken. „Wir haben nach wie vor große Sorge, dass der Naturschutz am Ende unter die Räder kommt. Deshalb brauchen wir auch weiterhin das Volksbegehren!“, sagt Klaus Ahrens, Vizepräsident vom Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund. „Unser Ziel ist es, das Insekten- und Artensterben aufzuhalten, daran muss sich auch der Niedersächsische Weg messen lassen. Um den Gesetzentwurf abschließend bewerten zu können, werden wir ihn in Ruhe prüfen. Wenn aber selbst in Naturschutzgebieten wie vorgesehen weiterhin Pestizide auf Ackerflächen zugelassen werden, ist das deutlich zu wenig.“

Für die Unterstützer des Volksbegehrens ist klar: so lange mit dem Niedersächsischen Weg keine adäquaten Ergebnisse für Natur und Umwelt erreicht werden können, sammeln sie weiter.


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