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Neue Welle von Betrugsanrufen

von Robert Braumann


Symbolfoto: Archiv/A.Donner
Symbolfoto: Archiv/A.Donner Foto: Anke Donner

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08.11.2016

Braunschweig. Vor einer neuen Welle von Anrufen angeblicher Verwandter, die unter einem Vorwand um Geld bitten, warnt die Polizei.Am Montag meldeten sich vier Braunschweiger im Alter von 67 bis 79 Jahren die um die Mittagszeit solche Anrufe erhielten.



Am Telefon war der "Lieblingsenkel", der mit Kuchen vorbei kommen wollte oder der angebliche Sohn. Alle baten kurzfristig um Geld bis zu 40 000 Euro, weil sie Probleme bei einer Scheckeinreichung bei ihrer Bank hatten oder für einen Autokauf. Die Angerufenen fielen zum Glück nicht auf die Betrüger herein. Besonders pfiffig war eine 67-Jährige, deren vermeintlicher Enkel um 38 000 Euro für einen Autokauf bat. Da ihr Enkel erst 16 Jahre alt ist und keinen Führerschein besitzt fragte die Rentnerin misstrauisch nach dem Befinden seines Bruders. Als der Anrufer sagte, dass es dem gut gehe, flog der Schwindel auf. Er hat keinen Bruder.

„Hier wird auf die Naivität und die Hilfsbereitschaft der älteren Mitbürger gesetzt. Von den 210 Betrugsfällen die im Jahr 2015 gemeldelt wurden, sind 155 dem Enkeltrick zuzuordnen, in sieben Fällen hatten die Täter Erfolg und konnten Bargeld in Höhe von rund 230.000 Euro entwenden“, berichtet Polizeisprecher Wolfgang Klages.

Aufklärung fast nicht möglich



Wolfgang Klages, Foto: Polizei



Die Täter würden sehr professionell vorgehen und durch gezieltes Fragen Informationen von den mutmaßlichen Opfer „herauskitzeln“. Die Polizei könne nicht sagen, ob es tatsächlich mehr Fälle gegeben habe oder die Menschen durch Präventionsarbeit sensibilisiert worden wären und nun mehr Taten angezeigt werden würden. Die Aufklärung solcher Taten sei fast nicht möglich. „Die Täter operieren meist aus dem osteuropäischen Ausland, vor Ort gibt es dann lediglich einen Geldboten, der die Summe in Empfang nimmt. Hier handelte es sich aber nur um „Fußsoldaten“, die keinerlei Kenntnisse über die wirklichen Hintermänner haben“, so Klages. Für die Betrogenen wäre nicht nur der wirtschaftliche Schaden eine Bürde: „Die meisten Senioren sind nach so einer Tat tief in ihrem Sozialverständnis erschüttert und kapseln sich völlig ab. Sie trauen sich zum Einkaufen kaum noch auf die Straße und bleiben nur noch in den eigenen vier Wänden, das stellen wir immer wieder fest“, so Klages.

„Niemand Fremdes in die Wohnung lassen“


Der Polizeisprecher sagt: „Als Faustregel gilt, die Gegensprechanlage nutzen, niemand Fremdes in die Wohnung lassen, die eigenen Enkel anrufen und nachfragen und sich bei der Polizei melden“. Man sei auch im regen Austausch mit den Banken, damit Angestellte nachfragen würden, wenn ältere Menschen plötzlich hohe Summen von ihrem Konto abheben wollten. „In diesem Bereich können wir die besten Erfolge mit breiter Präventionsarbeit leisten, dass soll auch in Zukunft weiter verfolgt werden“.


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