Region. Die Bonitätsbewertung soll dadurch verständlicher werden. Gleichzeitig legt die Auskunftei erstmals offen, welche zentralen Kriterien bei der Berechnung der Bonität eine Rolle spielen. Für Verbraucher kann das etwa bei Krediten, Handyverträgen, Onlinekäufen oder auch bei der Wohnungssuche relevant sein. Insgesamt speichert die Schufa nach eigenen Angaben Daten zu rund 68 Millionen Menschen in Deutschland.
Bislang wurde der sogenannte Basisscore als Prozentwert angegeben. Dieser Wert sollte anzeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllt. Ein Wert von über 97 Prozent galt beispielsweise als sehr gute Bonität, während niedrigere Werte für Unternehmen ein höheres Risiko signalisierten.
Wie der neue Score künftig berechnet wird
Mit der Reform verändert sich vor allem die Darstellung des Scores. Künftig wird er als Punktzahl zwischen 100 und 999 angegeben. Je höher der Wert, desto besser wird die Bonität eingeschätzt. Die neue Punkteskala soll verständlicher sein als der bisherige Prozentwert. Zusätzlich wird der Score verschiedenen Risikostufen zugeordnet. Unternehmen können dadurch schneller einschätzen, wie hoch das statistische Risiko eines Zahlungsausfalls ist. Die Schufa betont allerdings, dass der Score lediglich eine statistische Prognose darstellt. Ob ein Kredit vergeben oder ein Vertrag abgeschlossen wird, entscheiden weiterhin Banken, Händler oder Vermieter selbst.
Welche Kriterien den Score beeinflussen
Parallel zur neuen Darstellung hat die Schufa auch veröffentlicht, welche zentralen Faktoren bei der Berechnung der Bonität berücksichtigt werden. Der neue Score basiert auf zwölf transparent benannten Kriterien, die statistisch mit dem Zahlungsverhalten zusammenhängen sollen. Eine wichtige Rolle spielen mögliche Zahlungsstörungen. Dazu gehören etwa unbezahlte Rechnungen, Inkassoverfahren oder titulierte Forderungen. Solche Einträge können sich deutlich negativ auf die Bonität auswirken.
Auch bestehende Vertragsbeziehungen werden berücksichtigt. Dazu gehört beispielsweise das Alter des ältesten Bankkontos oder der ältesten Kreditkarte. Langjährige stabile Vertragsverhältnisse können statistisch für ein geringeres Risiko sprechen.
Weitere Faktoren betreffen neue Finanzverträge. So kann etwa die Anzahl von Kreditanfragen oder neu eröffneten Konten innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine Rolle spielen. Viele Anfragen innerhalb kurzer Zeit können statistisch als höheres Risiko gewertet werden. Auch laufende Ratenkredite fließen in die Bewertung ein. Dabei werden unter anderem deren Anzahl und Laufzeit berücksichtigt. Zusätzlich können Bürgschaften oder Immobilienfinanzierungen einbezogen werden. Weitere Kriterien betreffen unter anderem das Alter der aktuellen Adresse oder eine erfolgreich durchgeführte Identitätsprüfung.
Verbraucherschützer sehen Reform auch im rechtlichen Kontext
Die Reform des Score-Modells steht auch im Zusammenhang mit rechtlichen Entwicklungen rund um automatisierte Bonitätsbewertungen. In mehreren Entscheidungen hat der Europäische Gerichtshof klargestellt, dass solche Bewertungen für Verbraucher nachvollziehbarer werden müssen. „Der neue Score ist vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen EuGH-Rechtsprechung und der geplanten Reform des Bundesdatenschutzgesetzes zu bewerten“, sagt Kathrin Bartsch, Referentin für Digitales und Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, gegenüber regionalHeute.de.
Nach ihrer Einschätzung müssen Auskunfteien künftig stärker offenlegen, wie ihre Bewertungen zustande kommen. „Die Schufa ist verpflichtet, Betroffenen auf Anfrage präzise Auskunft über die verwendeten Datenarten, die Gewichtung der Kriterien und die Aussagekraft des Scorewerts zu geben“, so Bartsch weiter.
Warum der Score im Alltag eine Rolle spielt
Der Schufa-Score hat für Verbraucher in vielen Situationen praktische Auswirkungen. Banken greifen bei der Vergabe von Krediten oder Dispositionsrahmen regelmäßig auf Bonitätsdaten zurück. Ein niedriger Score kann dazu führen, dass ein Kredit abgelehnt wird oder nur zu höheren Zinsen angeboten wird.
Auch Mobilfunkanbieter nutzen Bonitätsprüfungen. Wer eine schwächere Bewertung hat, erhält unter Umständen keinen klassischen Vertrag mit monatlicher Abrechnung, sondern lediglich einen Prepaid-Tarif. Im Onlinehandel wird der Score häufig genutzt, wenn Kunden Waren auf Rechnung bestellen oder eine Ratenzahlung vereinbaren möchten. Händler prüfen damit, wie hoch das Risiko eines Zahlungsausfalls eingeschätzt wird.
Auch auf dem Wohnungsmarkt spielt die Bonitätsprüfung inzwischen eine wichtige Rolle. Viele Vermieter verlangen vor Vertragsabschluss eine aktuelle Schufa-Auskunft, um sich ein Bild von der finanziellen Zuverlässigkeit potenzieller Mieter zu machen.
Zugriff auf die eigenen Bonitätsdaten
Verbraucher können grundsätzlich überprüfen, welche Informationen über sie gespeichert sind. Nach der Datenschutz-Grundverordnung haben sie das Recht auf eine kostenlose Datenkopie bei der Schufa. Diese sogenannte Selbstauskunft enthält alle gespeicherten Informationen, etwa über bestehende Konten, Kreditkarten, Ratenkredite oder mögliche Zahlungsstörungen.
Darüber hinaus bietet die Schufa inzwischen einen kostenlosen Schufa-Account an. Über diesen Online-Zugang können Nutzer ihre gespeicherten Daten einsehen und künftig auch den neuen Score abrufen.
Dort werden unter anderem Informationen zu bestehenden Verträgen angezeigt, die von Vertragspartnern an die Schufa gemeldet wurden.
Nutzer können so nachvollziehen, welche Daten bei der Berechnung der Bonität berücksichtigt werden.
Blick auf die eigenen Daten kann sich lohnen
Verbraucherschützer raten grundsätzlich dazu, die gespeicherten Daten regelmäßig zu prüfen. Fehlerhafte oder veraltete Einträge können den Score beeinflussen und damit auch Auswirkungen auf Kredite oder Vertragsabschlüsse haben.
Wer Unstimmigkeiten entdeckt, kann eine Korrektur verlangen. Unternehmen sind verpflichtet, falsche Angaben zu berichtigen oder unrechtmäßige Einträge zu löschen. Gerade vor größeren finanziellen Entscheidungen – etwa einem Kredit oder einem neuen Mietvertrag – kann ein Blick auf die eigenen Bonitätsdaten sinnvoll sein. Der neue Score wird schrittweise eingeführt und künftig auch im persönlichen Schufa-Account angezeigt.

