Wolfenbüttel

Osterbotschaft des Altbürgermeisters von Sickte


Altbürgermeister von Sickte Dieter Lorenz. Foto: Privat
Altbürgermeister von Sickte Dieter Lorenz. Foto: Privat Foto: Privat

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28.03.2016




Sickte. Wieder in jedem Jahr überbringt der Altbürgermeister von Sickte eine Osterbotschaft. Diese veröffentlicht regionalHeute.de an dieser Stelle unkommentiert und ungekürzt.



Flüchtlinge 2016 - und wir ?
"Ihr seid das Licht Europas" (Französin) - "Schande für Europa" (Pfarrer)
Osterbotschaft 2016 des Sickter Altbürgermeister Dieter Lorenz

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,


Fünfhundertsieben Millionen Europäer wohnen in 28 Ländern.
Bei der Flüchtlingsaufnahme ist man dauend am Ändern.
Leider haben wir Kriege, Unfrieden und Klimaprobleme auf der Welt.
Schade, dass bei vielen nicht Menschlichkeit, sondern Eigennutz zählt
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Wenn die Menschen in unseren Gemeinden vor der Tür stehen,
Dann können wir nicht die Augen zumachen und einfach weg sehen.
Die Menschenpflicht ruft uns, sich um die Flüchtlinge zu kümmern
Bis ein Ende der Kriegsherde und Flüchtlingsströme beginnt zu schimmern
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"Wenn der Wind des Wandelns weht, bauen die Einen Mauern die Anderen Windmühlen. "In den 28 Ländern Europas, wo keine Kriege herrschen und darüber hinaus, streitet man sich: "Bauen wir Mauern oder Windmühlen", um Kraft zu bekommen für die neuen Aufgaben. Unser Landkreis Wolfenbüttel hat seit 1986 eine Freundschaft mit Cachan, einem Vorort von Paris. Eine Französin schrieb mir: "Ich finde es toll was ihr Deutsche für die Migranten tut. Ihr seid das Licht Europas zurzeit. Ihr macht etwas unheimlich Wichtiges, damit wir uns Europäer in den Spiegel blicken können. Ihr schafft Hoffnung für uns alle. Danke."

Am Sonnabend, dem 28. 02. beschrieb in der St. Ansgar Kirche in Wolfenbütel, der Pfarrer folgendes Beispiel: Er stellte einen 80 Zentimeter langen Stab auf die Kanzel und legte ein nur einen Zentimeter starkes Stück daneben: "Ist das viel ?" Man hörte: "Das kleine Stück sieht man kaum". Dann brachte er vor die Altarstufen einen Stab von 500 Zentimeter Länge, der reichte fast bis zur Decke und ein drei Zentimeter Stück daneben. "Ist das viel ?" Auch hier hörte man. "Die drei Zentimeter fallen gar nicht auf." Dann wurde der Pfarrer deutlicher: Bei uns in Deutschland wohnen 80 Millionen Menschen, wir haben gut eine Million Flüchtlinge. In Europa der EU wohnen 500 Millionen Menschen und etwa drei Millionen Flüchtlinge. Auch wenn noch einige Millionen dazu kommen, wenn viele wollen, dann geht das. Und zum gegenwärtigen dauernden Verhandeln und Geschehen auf Euopaebene kam der Satz: "Schande für Europa."
Zu den Ergebnissen der EU-Türkei-Gespräche der Regierungschef der EU, am 07. März bemerkte der UN-Generalsektretär Ban Ki-moon: "Europa ist ein Kontinent, auf dem mehr geleistet werden kann". Was aber leistet Europa zuzeit?
Es werden mehr und mehr Mauern gebaut, nur wenige ermöglichen Windmühlen. Wir Menschen in den Gemeinden und Städten haben keinen Einfluß auf die Entscheidungen höherer Ebenen. Bei uns stehen die Menschen vor der Tür.

In der Zeitschrift "Das Parlament" am 07.März 2016 liest man auf der ersten Seite in großen Buchstaben: "Wo die Helden handeln" und weiter "In den Städten und Gemeinden wird nicht lange lamentiert, sondern ermöglicht und da wird viel getan. Wir feiern das Osterfest 2016. Das größte Fest der Christen. Für das Zusammenleben der Menschen gelten für die Christen die praktischen Werke der Barmherzigkeit. Papst Franziskus hat mehrfach hervorgehoben, dass die Barmherzigkeit ein gutes Zeichen gelebter Menschlichkeit ist. In diesen Grundsätzen heißt es: Die Hungernden speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Kranke besuchen, sich um Gefangene sorgen und Tote in Würde verabschieden. Alles Hilfen, die Flüchtlinge benötigen. Wie sieht das paktische Leben aus? Da wird in einer Gemeinde bekannt, in dieses Haus, mitten im Ort, mit gut 200 Quadratmetern Wohnfläche kommen Flüchtlinge. Die Einen sagen: "Gut, da können wir weitere Flüchtlinge unterbringen, um die wollen wir uns kümmern." Es gibt aber auch Töne wie: "Nun müssen wir alle Türen abschließen. Die haben es gut, kommen in ein warmes Nest, voll möbliert (weil der Vermieter die nicht mehr benötigten Möbel nicht mehr zum Sperrmüll bringen wollte) haben alle ein Handy und bekommen Geld." Solche Stammtischparolen sind eigentlich für ein christliches Abendland unwürdig. Wie sagten wir am Anfang: "Die Einen bauen Mauern die Anderen Windmühlen". Zu welcher Gruppe wollen wir gehören?

Machmal kommt die Zeit nach 1945 ins Gespräch. Da hört man "Die Flüchtlinge von damals sprachen deutsch und kamen aus unserem Kulturkreis. Die jetzt kommen, sind meist Muslime und darüber hört man viel ungewisses." Sprachen kann man lernen. Und der Islam? Der ist eine Religion, die wir kaum kennen. Wie lösen wir das Problem? Zunächst sich auf unsere eigenen Werte besinnen, dann über den Islam informieren. Gemeinsame Wert mit den Muslimen herausarbeiten und über Unterschiede mit ihnen sprechen. Unseren Gästen deutlich machen, in den vier Wänden seiner Wohnung gelten seine, aber menschenwürdige, Lebensarten. Wer den Fuß auf die Straße, in die Öffentlichkeit setzt, der muß sich an unsere Regeln halten. Wenn ein Engländer mit seinem Auto zu uns kommt, dann muß er anstatt links, jetzt rechts fahren, weil es bei uns Gesetz ist. Tut er das nicht, dann kracht es und er bekommt Fahrverbot. Das müssen wir den Menschen, die zu uns kommen, offen sagen und das muß sich in der Welt herumsprechen. Bevor wir fremde Menschen und deren Lebensart aber verurteilen, sollten wir erst mit ihnen reden, dann wird auch bei uns ein Teil ungewisser Fremdheit abgebaut.
In unserer Heimat wird schon viel geholfen (siehe das Kompliment der Fanzösin), aber, je mehr kommen umso mehr Ungewissheit kommt auf. Da gilt die Regel: "Besser miteinander als übereinander sprechen". Wenn einem auf der Straße ein andersaussehender Mensch begegnete einfach ansprechen "Guten Tag ", bisher kam immer eine Antwort in deutscher Spache. Vielleicht auch ein kleines Gespräch versuchen. Das hilft beiden, Einheimischen und Flüchtlingen.
Ostern ist für die Christen, nach der Kreuzigung, das Fest der Auferstehung und die wird bei uns sehr unterschiedlich gefeiert. Nach Krieg, Bomben, Verlust von Angehörigen und Fluchtstrapazen ist für manchen Flüchtling das Leben bei uns wie eine Auferstehung. Unser Ostergeschenk an Flüchtlinge könnte sein, dass wir helfen, sich bei uns einzuleben und dabei unsere Lebensweisen kennen zu lernen.

Mein Wunsch an uns alle: Ein gesegnetes Osterfest, Freude beim "Ostereiersuchen", beim Besuch der Osterfeuer, vielleicht auch mit Flüchtlingen, und danach gutes Zusammenleben mit allen Menschen die bei uns wohnen.

Mit frohen Grüßen
Dieter Lorenz
Sickter Altbürgermeister.



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