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Parkschein ziehen: Autofahrer zahlen immer noch mit Münzen

von Werner Heise


Nur wenig Autofahrer zahlen ihren Parkschein mit dem Smartphone. Symbolfoto: Werner Heise
Nur wenig Autofahrer zahlen ihren Parkschein mit dem Smartphone. Symbolfoto: Werner Heise

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28.06.2018

Region. 85 Prozent der 14- bis 69-Jährigen in Deutschland nutzten 2017 ein internetfähiges Smartphone. So sagt es die repräsentative TNS Convergence Monitor Studie. Um so erstaunlicher ist es, dass nur ein sehr geringer Teil der Autofahrer in der Region das Smartphone einsetzt um Parkscheine bargeldlos mit einer App oder per SMS mobil zu bezahlen.


Am längsten besteht die Möglichkeit in unserer Region in der Kaiserstadt Goslar. Hier führte man das digitale Lösen des Parkscheins bereits im Oktober 2014 ein. Doch trotz der langen Zeit werden nur zwei Prozent der Parkgebühren über das Handy bezahlt. In den Städten Braunschweig und Wolfsburg, die das Angebot nahezu zeitgleich im September 2016 starteten, sind es immerhin fünf Prozent und damit hier in unserer Regionder Höchstwert. Zuletzt hatte die Stadt Salzgitter die Möglichkeit des "Handy-Parken" eingeführt. Seit November 2017 machen dort die Einzahlungen über Mobiltelefone für die Parkscheine knapp ein Prozent der Gesamteinnahmen der Parkgebühren aus.

"Die Zahlen sind eigentlich nicht schlecht", sagt Sarah Munker, Pressesprecherin des in all unseren Städten zuständigen Bezahldienstanbieters travipay. Im Schnitt könne man sagen, dass die Nutzung im Vergleich zur Bargeldzahlung im ersten Jahr deutschlandweit durchschnittlich bei zwei Prozent liegt und im vierten Jahr bei über acht Prozent. Munker weist aber auch darauf hin, dass es generell schwierig sei die Städte miteinander zu vergleichen.

In Saarbrücken, wo das Handy-Parken seit 2012 möglich ist, liegt die Nutzung der mobilen Bezahlart laut Munker bei 26 Prozent und in Magdeburg (seit 2013) immerhin bei über 20 Prozent. Am Unternehmensstandort von travipay, in Erlangen, erreiche man sogar 27 Prozent.

Teurer als das Parken mit Münze



Wer den Parkschein mit Münze zieht parkt meistens günstiger. Foto: Frederick Becker



Beim Vergleich mit den Städten unserer Region fällt auf: Saarbrücken, Magdeburg und Erlangen verzichten auf Zusatzkosten für den Nutzer. Denn auch wenn durch das Handy-Parken als positiver Effekt das Vorhalten des nötigen Kleingeldes wegfällt und man auch von unterwegs die Parkzeit verlängern kann, so gibt es einen offenbar doch entscheidenden Nachteil, der in der kritischen Diskussion immer wieder angeführt wird: Das digitale Lösen eines Parkscheins ist für den Autofahrer oft teurer als der traditionelle Münzeinwurf.

Zusätzlich zu den Kosten für das Parkticket können ein prozentualer Aufschlag auf die Parkgebühr sowie eine Servicegebühr pro Parkvorgang anfallen. So kostet beispielsweise eine Stunde Parken im Braunschweiger Innenstadtbereich 2,19 Euro gegenüber 1,80 Euro bei klassischem Münzeinwurf und bei zwei Stunden 4,24 Euro statt 3,60 Euro. In Salzgitter-Lebenstedt kommen bei normalerweise 70 Cent in der ersten Stunde noch einmal 24 Cent hinzu, bei zwei Stunden 38 Cent.

Verschiedene Preismodelle


Das Unternehmen travipay bietet den Kommunen in den Verträgen drei verschiedene Preismodelle an. Entweder finanziert die Stadt die gesamten Zusatzgebühren und der mobil zahlende Autofahrer zahlt die gleiche Parkgebühr wie der Barzahler, Stadt und Autofahrer beteiligen sich beide an den Kosten oder - und so wenden es unsere Städte an - alle Zusatzkosten werden durch den Autofahrer getragen. Hierbei werden dann 14 Cent Nutzungsgebühr und 14 Prozent Aufschlag auf die eigentliche Parkgebühr erhoben.

Ein Nachteil der sich auch laut Sarah Munker in den Nutzerzahlen widerspiegelt. "Wir sehen auch, dass wenn die Gebühr höher ist, es weniger Nutzer gibt", erklärt die Pressesprecherin im Gespräch mit regionalHeute.de. Dennoch kennt sie auch Städte in denen es trotz zusätzlicher Gebühren eine bis zu dreizehnprozentige Nutzung gebe.

Die Deutschen lieben ihr Bargeld



Getreu dem Motto "Nur Bares ist Wahres!" zahlt der Großteil der Deutschen mit Münzen und Scheinen. Foto: Archiv



Doch in Deutschland spielt offenbar noch ein anderer großer Aspekt eine Rolle. Im bargeldlosen Zahlungsverkehr liegt Deutschland abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Bargeldloses Bezahlen entwickelt sich laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) in Deutschland im internationalen Vergleich nur langsam. Die Kluft zwischen den Ländern, die im bargeldlosen Bezahlen weit vorangeschritten sind, und denen, die hinterherhinken, werde immer größer. „Deutschland war einmal Vorreiter bei Innovationen im Zahlungsbereich und im elektronischen Zahlungsverkehr, droht jetzt aber den Anschluss zu verlieren", warnt BCG Senior Partner und Experte für Technologie und Finanzdienstleister Niclas Storz. "„In Skandinavien, den USA und Australien gehören bargeldlose Zahlungen deutlich stärker zum Alltag als etwa in Deutschland. Unabhängig von der Höhe der Transaktionen wird in diesen Ländern nahezu jede Transaktion bargeldlos abgewickelt. Teilweise wird in Skandinavien gar kein Bargeld mehr als Zahlung akzeptiert“, so Storz.

Und so resümiert auch die Pressesprecherin von travipay: "Es ist schwer Akzeptanz für Mobile-Payment zu schaffen."

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