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Albanischer Ärzteverband: Wichtiges Bindeglied für die Medizin im In-und Ausland

Dr. Aurora Dollenberg aus Wolfenbüttel engagiert sich stark in dem Ärzteverband.

von Anke Donner


Für Dr. Aurora Dollenberg ist der Verein Albanische Ärzte in Deutschland eine Herzensangelegenheit.
Für Dr. Aurora Dollenberg ist der Verein Albanische Ärzte in Deutschland eine Herzensangelegenheit. Foto: Anke Donner

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16.09.2020

Wolfenbüttel. Seit Dezember 2019 ist der Albanische Ärzteverband nun auch in der Region tätig. Als Fortsetzung der 2006 in Tirana (Albanien) an der Medizinischen Fakultät gegründeten OMA (Organisation der Ärzte der Zukunft) hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, junge Ärzte und Medizinstudenten im europäischen Ausland zu unterstützen und zu fördern.


Die hauptsächliche Arbeit des Verbands besteht darin, als Vernetzer und Vermittler zwischen albanischen Ärzten und Ärzten aus ganz Europa zu fungieren. Dabei konzentrieren sich die Mitglieder, die aus Ärztin und medizinischem Fachpersonal bestehen, auf ein weiteres akademisches Wachstum, den beruflichen Austausch und die intensive Lobbyarbeit auf europäischer Ebene für das albanisches Volk. Heute arbeiten in vielen Ländern der EU tausende albanische Ärzte und Spezialisten in verschiedenen Bereichen.

Am Standort Wolfenbüttel ist die Allgemeinmedizinerin Dr. Aurora Dollenberg Kopf und Herz des Verbandes. Als Vize-Präsidentin der Föderation der albanischen Ärzte für Europa investiert sie aus der Lessingstadt heraus Zeit, Wissen und Geld. Die gebürtige Albanerin bezeichnet ihre Arbeit für den Albanischen Ärzteverband als "Herzensangelegenheit". Denn sie wisse um die Situation in ihrer Heimat. "Ich habe mir damit einen Traum erfüllt, weil ich weiß, wie es als Medizinstudent in Albanien ist", sagt Aurora Dollenberg.

"Ich habe mir einen Traum erfüllt"

- Dr. Aurora Dollenberg



Denn studieren, so erklärt die Ärztin für Allgemeinmedizin, sei nicht leicht in Ländern wie Albanien oder Rumanien. Der theoretische Teil sei schon schwierig, aber in der Praxis stoßen die angehenden Mediziner oft an Grenzen, weil es an Materialien, Geräten und vor allem an praktischer Ausbildung mangelt. Hier setze der Verein an und versucht, Studenten im Ausland zu unterstützen. Dies erfolge bei vielen Treffen, Seminaren, Praktika und Konferenzen. "Es ist also ein Austausch zwischen deutschen Ärzten und den Studenten vor Ort", sagt sie. Dabei konzentriere man sich auch darauf, ein einheitliches System im medizinischen Bereich zu schaffen, damit die Ausbildung und das Studium auf ein ordentliches Level erfolgen und das allgemeine Gesundheitssystem verbessert werden kann. "In Albanien ist es so, dass alles monopolisiert ist. Man kommt an eine gute Arbeitsstelle nur, wenn Du Kontakte hast", sagt sie und erzählt, dass sie schon während des Studiums Kontakte zu deutschen Ärzten und Studenten hatte. Über die Privat-Uni Witten, die ebensolche Praktika und Seminare in Albanien anbot, ergab sich für Aurora Dollenberg die Chance, zu lernen. Diese Erfahrung war es auch, die sie antrieb, sich genau in diesem Bereich zu engagieren. "Für uns waren die Deutschen damals schon wichtig für das Studium. Dreimal im Jahr gaben sie Seminare bei uns und wir konnten unsere Defizite des Studiums kompensieren. So haben wir unsere Motivation gefunden, weil die Deutschen schon immer toll und offen waren. Für uns waren sie wie Engel", sagt sie heute.

Win-Win-Situation


Inzwischen ist der Verein, der über 500 Mitglieder verfügt, in ganz Europa tätig und versucht, Studenten zu unterstützen. Und auch nach dem Studium in ihrer Heimat finden die frisch ausgebildeten Ärzte Rat in Deutschland. Nämlich dann, wenn sie nach Deutschland aussiedeln, um hier beruflich Fuß zu fassen. Und das ist wichtig, erklärt Aurora Dollenberg. Denn der Ärztemangel sei in Deutschland merklich spürbar. Und wenn sich ein Arzt oder eine Ärztin aus dem europäischen Ausland entscheidet, hier zu praktizieren, dann greift der Verein bei den ersten Schritten unter die Arme.

Doch nicht nur die angehenden Mediziner unterstützt der Verein. Auch ist man europaweit im Einsatz, um sich um das Wohlbefinden und die ärztliche Versorgung kranker und bedürftiger Menschen zu kümmern. Hierzu reisen Delegationen von Ärzten herum, führen Untersuchungen durch und klären über Krankheiten auf - in der Bevölkerung und beim medizinischen Personal. So ist zum Beispiel die Aufklärung über die seltene und vererbbare Bluterkrankung Thalassämie ein weiterer Teil der Arbeit. Die Erkrankung, die hauptsächlich in den Mittelmeerländern wie Griechenland, Albanien und der Türkei vorkommt, ist in Deutschland weniger verbreitet und entsprechend fehlt es hier an Fachkliniken-und Ärzten. Hier können also die Albanischen Ärzte in Deutschland als Bindeglied in umgekehrter Funktion tätig werden. Ihr wissen über die Krankheit bringen sie in Deutschland ein und sorgen in betroffenen Ländern für Aufklärung und Versorgung. Und natürlich beschäftigt man sich derzeit im In-und Ausland mit der Corona-Pandemie, versichert Aurora Dollenberg. In persönlichen Gesprächen und über die Internetseite des Vereins klärt man über das Virus auf und bietet auf der Seite der Föderation albanischer Ärzte in Europa sogar eine Online-Sprechstunde an.

Wer mehr über die Arbeit des Vereins wissen möchte, kann sich unter www.amfe-federation.eu informieren.


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