Edemissen. Ein Flug von der Ostseeküste in Richtung Hessen endete im vergangenen Sommer in einer Katastrophe. Am Nachmittag des 1. Juni 2025 stürzte ein Kleinflugzeug bei Edemissen ab. Der Pilot starb. Ein nun veröffentlichter Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig rekonstruiert die dramatischen Minuten vor dem Unglück.
Das Unglück in Edemissen war bereits der zweite Flugzeugabsturz in der Region innerhalb weniger Wochen. Erst am 13. April 2025 war ein zweimotoriges Kleinflugzeug kurz nach dem Start vom Flugplatz Salzgitter-Drütte auf das Werksgelände der Salzgitter AG gestürzt, wobei zwei Menschen ums Leben kamen. Auch hierzu veröffentlichte die BFU vor einigen Wochen einen Zwischenbericht. Der nun vorliegende Bericht zu dem Absturz in Edemissen fasst die bisherigen Erkenntnisse aus der Auswertung von Radardaten, Funkaufzeichnungen und Wetteranalysen zusammen. Die BFU macht in ihrem Bericht deutlich, dass die Untersuchung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ausschließlich der Verhütung künftiger Unfälle und nicht der Feststellung von Verschulden oder Haftung diene.
Maschine auf dem Weg nach Hessen
Laut BFU-Bericht begann der Flug routinemäßig gegen 14:28 Uhr am Flugplatz Grube in Schleswig-Holstein. Der 58-jährige Pilot war allein an Bord seiner viersitzigen Maschine vom Typ Wassmer WA52 und wollte ins etwa 400 Kilometer entfernte Michelstadt im Odenwald (Südhessen) fliegen. Zunächst sei der Flug auch planmäßig in einer Höhe von rund 2.900 Metern verlaufen, wobei das Flugzeug den kontrollierten Luftraum von Hannover durchquerte.
Maschine geriet in Unwetter
Gegen 15:57 Uhr änderte sich die Situation über Niedersachsen jedoch schlagartig, als das Luftfahrzeug nahe Hämelerwald in eine schwere Gewitterfront einflog. Laut den Ermittlungen der BFU begann die Maschine innerhalb von weniger als einer Minute, massiv vom ursprünglichen Kurs abzuweichen und an Höhe zu verlieren. In der Folge kam es zu einem unkontrollierten Flugzustand, bei dem das Flugzeug mehrfach hintereinander stieg und sank, während es gleichzeitig kontinuierliche Rechtskreise mit wechselnden Durchmessern flog. Schließlich geriet die Maschine in eine spiralförmige Flugbahn, aus der sie nicht mehr abgefangen werden konnte.
Großes Trümmerfeld
Augenzeugen am Boden schilderten eine bedrohliche Wetterlage zum Zeitpunkt des Absturzes um 16:11 Uhr. Es herrschte so starker Regen, dass die Sichtweiten vor Ort nur noch auf etwa 10 bis 15 Meter geschätzt wurden. Unter diesen extremen Bedingungen kollidierte die Wassmer mit hoher Geschwindigkeit mit dem Gelände. Die herbeigeeilten Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Piloten feststellen, der aufgrund der enormen Aufprallenergie schwerste Verletzungen erlitten hatte.
Die Wucht des Aufpralls am Ortseingang von Edemissen war so gewaltig, dass das Flugzeug vollständig zerstört wurde und die Trümmer über ein Gebiet von 90 mal 70 Metern verteilt wurden. Auch ein Auto sowie Gebäude in der direkten Nachbarschaft wurden durch das Unglück beschädigt. Erste technische Untersuchungen ergaben bisher keine Hinweise auf einen Defekt, da das Flugzeug ordnungsgemäß gewartet war und auch die Beladung sowie der Schwerpunkt innerhalb der zulässigen Grenzen lagen. Die Experten der BFU werten nun die aufgezeichneten Funkgespräche und Radardaten weiter aus, um die genauen Hintergründe des Kontrollverlusts zu klären

