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Pflanzsaison im Harz schafft 1,67 Millionen neue Bäume



Goslar

Pflanzsaison im Harz schafft 1,67 Millionen neue Bäume

Die Landesforsten forcieren eine Aufforstung mit artenreichen Klimawäldern.

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Symbolbild Foto: pixabay

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Seesen. Die vier Forstämter im niedersächsischen Harz beenden eine ungewöhnlich lange Pflanzsaison, die bis kurz vor Christi Himmelfahrt dauerte. Genau 1.670.014 neuer Bäume setzten die Forstämter Clausthal, Lauterberg, Riefensbeek und Seesen von Oktober bis Mitte Mai. Das frostfreie und nass-kühle Wetter ermöglichte Pflanzarbeiten bis weit über Ostern hinaus. Dies teilen die Niedersächsischen Landesforsten in einer Pressemitteilung mit.



Zahlreiche neue Baum- und Straucharten würden inzwischen die Blößen ehemaliger Fichtenwälder bedecken. Nach mehrjähriger Trockenheit und massiven Borkenkäferschäden würden die Niedersächsische Landesforsten somit ihr Mitte der achtziger Jahre begonnenes Waldumbau-Programm forcieren. Auf die bislang von Fichten beherrschten Höhen und Täler des Mittelgebirges ziehen Baum- und Straucharten ein, die meist nur als Straßennamen in Neubausiedlungen bekannt sind: Berg-, Spitz- und Feldahorn gehören genauso dazu wie Bergulme, Wildkirsche oder Roteiche. Anstelle von Fichten wären die Nadelbaumarten Lärche, Douglasie und Weißtanne gepflanzt oder erstmalig auch großflächig gesät worden. Die gemischt angelegten Wirtschaftswälder seien eingerahmt von Strauch- und Gehölzarten, die als Waldinnen und –außenränder dienen. Haselnuss, Holunder, Weiß- und Schwarzdorn, Salweide, Roterle, Moorbirke, Wildapfel oder Wildbirne würden die neuen Harzwälder bereichern und sorgen für eine nie dagewesene Artenvielfalt.

Artenvielfalt an Bäumen und Sträuchern belebt die Harzer Insektenwelt



Neben den 1,6 Millionen Nutzbäumen, die für nachhaltigen Klimaschutz und zur Holzerzeugung gebraucht werden, würden 13.905 begleitende Straucharten für Abwechslungsreichtum sorgen und besonders dem Insektenschutz dienen. Und auch dort, wo Forstleute die aktuell noch baumfreien Flächen der natürlichen Wiederbewaldung überlassen, entstünden für den Artenschutz wertvolle Bereiche. Dann profitieren Himbeeren und Brombeeren, Waldweidenröschen oder Fuchs-Greiskraut vom Fichten-Sterben und bewachsen ganze Berghänge. Die Folgen solcher Freiflächen mit Gräsern, Wildblumen, Sträuchern und selbstausgesamten Bäumen haben die zurückliegenden Trockenjahre gezeigt: Schwärme von Schmetterlingen, Hummeln und Wildbienen fanden Blüten und Nahrungspflanzen auf den besonnten Kahlflächen. Langfristig schließe Mutter Natur diese Lichtungen wieder mit Baumbewuchs und Fichtennaturverjüngung. Aus den Blößen würden geschlossene Hochwälder mit Pionier-Baumarten wie Birken, Weiden und Ebereschen. Forstleute würden diese natürlich entstandenen Vorwälder übernehmen und ergänzen sie mit wirtschaftlich nutzbaren Holzarten wie Buchen, Ahornen, Eichen oder klimafesten Nadelbäumen wie Douglasien. Letztere hätten sich als wahre „Klimakönner“ bewährt. Dank ihres kräftigen Wachstums würden Douglasien schneller als andere in Deutschland verbreitete Baumarten CO2 in ihrem Holz binden. Und da es als Bauholz gefragt und gut verwendbar ist, bleibe der Kohlenstoff im verbauten Holz langfristig gebunden.

Klimaangepasste Mischwälder mindern Risiko von Sturm- und Borkenkäferschäden


Langfristig solle der Wald im Mittelgebirge deutlich abwechslungsreicher werden. Ziel der Landesforsten sei es, den Mischwaldanteil auf 90 Prozent hochzuschrauben und die Jahrhunderte vorherrschende Fichtendominanz in der alten Bergbauregion zu brechen. „Trotzdem bleibt der Oberharz das Hauptverbreitungsgebiet der Fichte in Niedersachsen, denn im rauen Klima des Mittelgebirges gedeiht sie am besten“, betont Henning Geske. Der Leiter des Forstamtes Seesen sei langjähriger Harzkenner und weiß um die Vor- und Nachteile der Charakterbaumart.

„Allerdings wollen wir unsere Fichtenwälder vielfältig durchmischen und möglichst keine Reinbestände mehr heranwachsen lassen. Damit mindern wir das Risiko, falls eine Baumart mit den Umweltveränderungen nicht klarkommt “, ergänzt Geske, der viele Jahre lang Wälder von Bad Lauterberg bis Seesen betreut habe. Mit den jetzt gepflanzten Baumarten erfinden die Landesforsten das Rad nicht neu, sondern halten den eingeschlagenen Kurs, der da lautet: Den künftigen Harzwald fit zu machen für den Klimawandel. Das würden sie allerdings als Generationenaufgabe sehen. Auch die nächsten Jahre stünden ganz im Zeichen der Wiederbewaldung. „Vorerst hilft den jungen Pflanzen auf ihrem langen Weg bis zum hundertjährigen Baum der kühle Mai mit reichlich Regen“, freut sich Forstamtsleiter Henning Geske über das zarte Grün seiner diesjährigen Setzlinge.


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