Braunschweig

Pflegekammer gefordert


Foto: Peter Sierigk

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06.02.2015


Braunschweig. Momentan befinden sich die Pflegenden in einem kontroversen Diskussionsprozess zu dem Thema, ob eine Pflegekammer den Berufsangehörigen bei der Realisierung ihrer Ziele und bei der Lösung von Problemen helfen wird.


Bis heute ist es den Pflegenden nicht gelungen eine starke Vertretung aller Pflegenden zu realisieren, welche die berufspolitischen Interessen und die fachliche Kompetenz der größten Berufsgruppe innerhalb des Gesundheitssystems vertritt. Insbesondere bei dem zentralen Thema der Begegnung von Pflegebedürftigkeit in der Bevölkerung, das einen Kernpunkt pflegerischen Selbstverständnisses berührt, erhalten die Pflegenden auf den unterschiedlichen Entscheidungsebenen nicht das notwendige Gehör.


Stattdessen werden die Belange der Pflegenden immer wieder über das akzeptable Maß hinaus wirt- schaftlichen bzw. monetären Erfordernissen des Gesundheitssystems untergeordnet und die Rahmenbedingungen von außen vorgegeben. In diesem Umfeld ist es für die Pflegenden geradezu unmöglich, ihren Beruf fachkompetent und berufsethisch in angemessener Qualität auszuüben. Die Bestrebung der Landesregierung, den Pflegenden in Niedersachsen eine demokratisch legitimierte, berufsständische Vertretung zu gewähren, ist angesichts der beschriebenen Probleme sehr zu begrüßen und zu unterstützen.


Der Pflegeberuf würde durch eine Pflegekammer in Niedersachsen, in Deutschland und in Europa, wo ähnliche Berufsvertretungen seit langem bestehen, deutlich gestärkt und aufgewertet. Eine Pflegekammer, in der alle Pflegenden registriert sind, würde u. a.


- als eigenständiger und wichtiger Partner im Gesundheitssystem bei fachlichen und gesund- heitspolitischen Themen auftreten können


- definieren, was eine fachlich gute Pflege ist und nach welchen Qualitätsmerkmalen diese zu beurteilen ist


- festlegen, welche Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Pflegenden notwendig sind, um den Versorgungsauftrag zur Begegnung von Pflegebedürftigkeit in der Bevölkerung gewährleisten zu können


- einheitliche Standards zur Ausübung des Pflegeberufs entwickeln, um die Qualität der Pflege zu sichern und weiterzuentwickeln.


Eine Pflegekammer sollte gerade von ihren momentanen Gegnern als starker Kooperationspartner verstanden werden. Denn nur zusammen wird es zukünftig erst möglich sein, die Profession Pflege nachhaltig im Interesse der Pflegenden zu stärken und die Rahmenbedingungen dauerhaft positiv zu verändern.


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