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Polizei-Statistik 2013: Straftaten-Rückgang, aber mehr Raubüberfälle in der Stadt

von André Ehlers



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01.04.2014


Braunschweig. Polizeipräsident Michael Pientka hat gute Nachrichten mitgebracht. Laut Kriminal-Statisik gingen die Straftaten in der Region Braunschweig im vergangenen Jahr um 5,56 Prozent ( von 76.596 auf 72.269 Taten) zurück.

Ein Sorgenkind bleibt allerdings nach wie vor die hohe Zahl an Wohnungseinbrüchen. Sie ist nochmals gestiegen. Auffällig hierbei: Einbrecher werden immer dreister und steigen nicht mehr nur in den Abend- oder Nachtstunden in Häuser und Wohnungen ein, sondern machen sich immer öfter bei Tageslicht ans Werk. In der Region waren das 8,36 Prozent mehr (727 Fälle zu 670 Fälle im Jahr 2012). Dieser Trend spiegelt sich auch im Land wider.



Anders sieht das wiederum im Braunschweiger Stadtgebiet aus. Hier sanken die angezeigten Einbrüche um 73 auf 441 Taten. Interessant ist die Erkenntnis der Polizei, dass es offensichtlich zwei unterschiedliche Tätergruppen gibt. Zum einen handelt es sich um Banden, die meist aus Ost-Europa stammen. Oftmals sind es Fauen, die bundesweit unterwegs sind und es hauptsächlich auf Geld und Schmuck abgesehen haben. Zum anderen machen sich auch einheimische Einbrecher ans Werk, die Wertgegenstände und Elektronik stehlen, die sie anschließend möglichst schnell zu Geld machen können. Die Aufklärungsquote in diesen Fällen ist ungleich höher als bei Kriminellen, die aus dem Ausland kommen. Offenbar lässt hier die Zusammenarbeit mit den polnischen Behörden zu Wünschen übrig.

Größere Sorgen macht den Braunschweiger Beamten allerdings der starke Anstieg von Raubüberfällen, insbesondere im Vergnügungsviertel rund um den Friedrich-Wilhelm-Platz. Hier lag der Wert im vergangenen Jahr bei 202 Straftaten. Das ist ein Anstieg von 66 Überfällen im Vergleich zu 2012 und entspricht dem Niveau von 2009. Die Täter haben es in der Regel auf die Smartphones und Geldbörsen abgesehen. Die Polizei bermerkt in diesem Zusammenhang eine Zunahme von Taten, sobald ein Handy-Hersteller ein neues Gerät auf den Markt gebracht hat.

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Hier die offiziellen Statistikdaten der Braunschweiger Polizei:


23.692 Straftaten registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik für die Stadt Braunschweig im letzten Jahr. Insgesamt wurden 9.745 Tatverdächtige ermittelt. Die Häufigkeitsziffer (Kriminalitätsbelastung pro 100.000 Einwohner) lag mit 252.527 Einwohnern bei 9.382 (9.795 in 2012) und damit unter dem Mittelwert (10.035)  betrachtet seit 2008.

Raubstraftaten

Raubdelikte insgesamt stiegen um 66 Taten auf 202 (136) Fälle an und liegen damit auf  dem Niveau des Jahres 2009. Die Aufklärungsquote beträgt 60,89 Prozent. Raubüberfälle in der Öffentlichkeit belasten das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in hohem Maß. Sie sind, häufig verbunden mit Zeugenaufrufen, immer wieder Thema der polizeilichen Presseberichterstattung. Auffallend ist die Zunahme von Raubtaten auf Straßen, Wegen oder Plätzen im letzten Jahr um 30  auf 88 Fälle. Nachdem die Fallzahlen in den letzten drei Berichtsjahren kontinuierlich gefallen waren, sind sie 2013 auf das Niveau von 2009 angestiegen. Häufig fanden die Überfälle im Umfeld von Diskotheken statt. Ziel der oft jugendlichen Täter waren Geld und Handy Gleichaltriger. Die Aufklärungsquote der als Straßenraub registrierten Fälle liegt bei 42,05 Prozent. Bei den Raubüberfällen in Wohnungen steigen die Fallzahlen zum Vorjahr um elf auf 20 Taten. Den 16 aufgeklärten Fällen können 25 Tatverdächtige zugeordnet werden. In acht Fällen bestand zwischen Täter und Opfer eine Vorbeziehung. Bei den Raubüberfällen auf Zahlstellen und Geschäfte sind von den 24 Delikten 14 als Überfälle auf Spielhallen registriert, wobei die Täter die Opfer mit Waffengewalt bedrohten. Bei drei Taten blieb es beim Versuch. Zwölf Täter konnten ermittelt werden.

Trickbetrug und Trickdiebstahl

Sorge bereiten der Polizei nach wie vor Trickbetrügereien und -diebstähle zum Nachteil älterer Menschen. Hier erbeuten Täter in Einzelfällen die gesamten Ersparnisse der Opfer. 2013 fielen Dieben auf diese Weise Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von 130.000 Euro in die Hände.  Der sogenannte Enkeltrick als führender Modus (57,6 Prozent der Fälle) ist ein Dauerthema in der Präventionsarbeit der Polizei. Von 165 registrierten Taten blieben 117 Taten im Versuchsstadium. Das heißt, dass die Täter nicht zum Zuge kamen und potentielle Opfer sich rechtzeitig an die Polizei wandten - zweifellos ein Erfolg polizeilicher Prävention, die Seniorenkreise, Familienangehörige aber auch z.B. Banken in die Aufklärung zur Vorgehensweise der Täter mit einbezieht. Die nachhaltige Prävention in Verbindung mit fortwährender Berichterstattung durch die Polizei führte zum gestiegenen Anzeigeverhalten.

Taschendiebstahl

Mit 740 Taten in 2013 hat der Taschendiebstahl einen neuen Höchststand (2012 - 601 Fälle) erreicht. Im Polizeikommissariat Mitte wurde bereits vor über zehn Jahren eine Ermittlungsgruppe "Taschendiebstähle" eingerichtet. Die Aufklärungsquote liegt mit 9,46 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt von knapp 5 Prozent. Ein neues Phänomen beim Taschendiebstahl ist das sogenannte "Antanzen" von Opfern. Überwiegend alkoholisierte Männer werden von den Dieben auf offener Straße durch Anrempeln, Hochheben oder Tanzen in gespielter Euphorie angegangen. Bei dem Körperkontakt fingern die Täter Geldbörsen und Handys aus den Taschen der Geschädigten. Bei den ermittelten Tätern handelt es sich überwiegend um junge Asylbewerber aus Nordafrika, die in Gruppen  arbeitsteilig agieren. Öffentliche Aufklärung gegen Taschendiebstahl durch Beamte der Ermittlungsgruppe und der Beratungsstelle führte bislang nicht zur gewünschten Verhaltensänderung zum Schutz gegen Taschendiebe. Im Januar und Februar 2014 registrierte die Polizei bereits 140 neue Fälle.

Einbruchdiebstähle

Landesweit steigende Einbruchszahlen in Wohnungen und Häusern machen vor Braunschweig nicht halt. Die Kriminalitätsstatistik verzeichnet für 2013  441 Einbrüche  im Stadtgebiet, was eine Abnahme im Vergleich zum Vorjahr um 73 Taten (14,2 Prozent) bedeutet. Einbrecher scheiterten in 216 Fällen (44,4 Prozent), weil es ihnen nicht gelang, in die Wohnungen einzudringen. Der spezialisierten Beratung der Haus- und Wohnungsinhaber durch die Polizei zum Thema Einbruchschutz kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Beamte der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle führten auf Wunsch von Hausbesitzern über 550 Schwachstellenanalysen  vor Ort durch. In 161 Fällen drangen Einbrecher in Ein- und Zweifamilienhäuser oder in Doppelhaushälften ein (33,1 Prozent aller Taten). Dagegen wurde in 325 Fällen in Wohnungen von Mehrfamilienhäusern eingebrochen.

Sachbeschädigung durch Feuer

Im Jahr 2013 werden im Stadtteil Watenbüttel serienweise Container, mehrere Autos und ein Wohnwagen in Brand gesetzt. Dabei wurde auch die Hausfassade eines Gemeindehauses schwer beschädigt. Die Brände sorgen für eine große Verunsicherung in der Bevölkerung des Ortsteils.  Die Serie begann bereits im Jahr 2012. Ihr werden insgesamt 32 Taten zugeordnet. Die eigens eingesetzte Ermittlungsgruppe "Ignis" nimmt am 10.12. schließlich einen 21-Jährigen unter dringendem Verdacht fest. Der Beschuldigte legt ein Geständnis ab. Der entstandene Gesamtschaden beträgt etwa 150.000.- Euro. Der Täter gehörte der freiwilligen Feuerwehr an. Die genaue Motivlage des Mannes ist allerdings unklar.

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Die Kriminal-Statistik für die Region Braunschweig


Polizeipräsident Michael Pientka blickte bei der Präsentation der Kriminalstatistik für 2013 insgesamt zufrieden auf die Ergebnisse der Ermittlungsarbeit der Polizei. Die Fallzahlen sanken insgesamt, wahrend die Aufklärungsquote leicht auf 60,89 Prozent stieg. Der erfreuliche Trend, dass Gewaltdelikte, besonders schwere und gefährliche Körperverletzungen, zurückgingen, setzte sich fort.

Pientka: "Ich führe das auf die vielen Aktivitäten zurück, die wir in den letzten Jahren vorangetrieben haben. Wir verfolgen seit 2005 das strategische Ziel, gemeinsam mit anderen Akteuren diese Straftaten deutlich zu reduzieren."

Am Dienstag stellte Michael Pientka die Kriminalstatistik der Polizeidirektion Braunschweig für das Jahr 2013 vor. Die Zahl der Straftaten in der Region Braunschweig sank erneut - im Vergleich zum Vorjahr diesmal um beachtliche 5,65 Prozent (von 76.596  auf 72.269 Taten).

Geprägt war die Gesamtentwicklung von 2012 zu 2013 durch einen sich fortsetzenden Rückgang der Gewaltkriminalität, insbesondere von Körperverletzungsdelikten, einem deutlichen Rückgang der Diebstahlskriminalität (Kraftfahrzeugdiebstahl, Fahrraddiebstahl, Ladendiebstahl, Büro- und Werkstatteinbrüche), sowie ebenfalls deutlich rückläufigen Fallzahlen bei den Betrugsdelikten - insbesondere von Waren- und Warenkreditbetrügereien.

Rückläufig ist auch die Entwicklung im Bereich der Internet-Kriminalität. Allerdings, so Pientka, würden viele der Cybercrime-Delikte durch die Geschädigten nicht angezeigt. "In diesem Verbrechensbereich gibt es eine starke Abweichung von Hell- und Dunkelfeld", führte Pientka aus. Eine Dunkelfeldanalyse des Landeskriminalamtes aus 2013, wonach lediglich 9 Prozent der Fälle angezeigt werden, belege dies sehr deutlich. Pientka: "Hier liegen ganz gewiss die Herausforderungen für die Zukunft."

Während der Komplettdiebstahl von Kraftfahrzeugen, insbesondere von Pkw, ebenfalls zurückging, nahmen Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen in fast gleichem Maße zu. Im Vergleich zum Vorjahr (944 Kfz-Diebstähle) ging die Zahl 2013 auf 617 Fälle zurück. Im Jahr 2013 wurden rund 23 Prozent aller Kraftfahrzeugdiebstähle  in der Polizeidirektion Braunschweig aufgeklärt (Vorjahr: 15,7 Prozent). Die Aufklärungsquote beim Kfz-Diebstahl unter schweren Umständen konnten die Ermittler von 10,80  auf 18,48 Prozent steigern.

Bereits bei der Bekanntgabe der Vorjahresstatistik hatte die Polizeidirektion Braunschweig mit dem Anstieg von Wohnungseinbrüchen einen Problembereich identifiziert. "Wir haben in der Folge die Prävention  verstärkt und gezielt Brennpunkte überwacht, um diese Kriminalität einzudämmen. Trotzdem haben wir erneut Zuwächse hinnehmen müssen." Wohnungseinbrüche beeinträchtigten das Sicherheitsgefühl der  Bevölkerung sehr stark. "Wir setzen deshalb gerade hier auf bewährte, aber auch neue Präventionsansätze. Auch die Kriminalprävention im Städtebau wird zukünftig eine noch größere Rolle spielen als bisher."

Wohnungseinbrüche - besonders zur Tageszeit - nahmen erneut zu:

Tageswohnungseinbrüche um 8,36 Prozent (727 Fälle, AQ 19,28 Prozent, 2012: 670 Fälle; AQ 24,78 Prozent), sonstige Wohnungseinbrüche um 0,10 Prozent (976 Fälle, AQ bei 22,75 Prozent; Vorjahr 975 Fälle, AQ 21,23 Prozent).

Nach der Aktion "(K)EINBRUCH - Keine Chance dem Wohnungseinbruch", die landesweit 2012 begann, beginnt Niedersachsen nun ein Präventionsprogramm zum sicheren Wohnen unter dem Titel "Dein Zuhause - Sicher das!". Polizeipräsident Pientka: "Dieses Programm  wird bis ins Jahr 2019 ausgebaut. Es setzt sich aus zahlreichen Bausteinen zusammen. Es bindet die Politik, Handwerk und Gewerbe, Baugesellschaften und Wohnungsunternehmen genauso ein wie die Präventionsräte und die Bürgerinnen und Bürger." Ziel sei es, die technische Einbruchsicherung weiter zu verbessern und die Verhaltensprävention - z. B. Fenster und Türen verschließen, Briefkästen leeren - zu stärken. Pientka: "Nutzen Sie das kostenlose Angebot der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen. Fachleute der Polizei kommen zu Ihnen nach Hause, machen eine Schwachstellenanalyse und geben Ihnen Tipps, wie Sie sich wirksam schützen können." Im Zusammenhang mit der Offensive für Einbruchschutz hat das Landeskriminalamt Niedersachsen unter dem Titel "Gemeinsam für sicheres Wohnen - 10 goldene Regeln" Verhaltenstipps formuliert, die sich über die Einbruchsprävention hinaus auch auf die Verhinderung von Betrügereien richten. Ein Blatt mit den Tipps für den Aushang in Treppenhäusern stellt das LKA Niedersachsen zum Download bereit: http ://www.lka.polizei-nds.de/praevention/aktuelles_und_kampagnen/geimeinsam-fuer-sicheres-wohnen-10-goldene-regeln-86.html.

Polizeipräsident Pientka: "Rufen Sie die Polizei über 110, wenn Sie Hilfe benötigen oder Verdächtiges beobachten. Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr, sondern lassen Sie sich von Ihrer Polizei helfen." Auf die Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern sei die Polizei angewiesen.


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