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Pollenflug: Allergiker können von der Schutzmaske profitieren



Pollenflug: Allergiker können von der Schutzmaske profitieren

Besonders medizinische Schutzmasken könnten Allergikern zu einer beschwerdefreieren Pollenflugsaison verhelfen.

von Marvin König


(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Pixabay

Region. Die Pollenflugsaison nimmt allmählich an Fahrt auf und mit ihr auch das jährliche Leid der Pollenallergiker. Dr. Thomas Bitter, Cheafarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am Klinikum Braunschweig meint, dass Pollenallergiker in diesem Jahr von der Maskenpflicht profitieren könnten. Gerade FFP2-Masken eigneten sich auch hervorragend, um die Allergenbelastung in den Atemwegen zu reduzieren.



Im letzten Jahr verbreitete sich die Maskenpflicht ab April nur schleppend. Medizinische Schutzmasken waren Mangelware, weshalb sich für Allergiker wohl kaum ein Effekt eingestellt haben dürfte. In diesem Frühjahr sieht es anders aus. Die Pollen von Hasel, Erle, Ulme und Pappel fliegen bereits und im April stoßen Weiden und erste Gräserarten hinzu. Dass Schutzmasken im Allgemeinen schon einmal helfen, dass Dinge eingeatmet werden, liegt auf der Hand. Doch gerade Katzenhaarallergiker werden wissen, wie gut Allergene auch in den Augen wirken. Steht jenen mit Heuschnupfen also ein Maskenfrühling mit Triefnase bevor? "Prinzipiell kann eine allergische Reaktion durch Kontakt mit Allergenen auf sämtlichen Schleimhäuten hervorgerufen werden", bestätigt Dr. Bitter vom Klinikum Braunschweig. Nichtsdestotrotz sei es durch das Tragen von Mundnasenmasken möglich, den Kontakt mit Pollenallergenen im Mund/Nasenbereich deutlich zu reduzieren. "Somit ist es durchaus möglich, durch das Tragen insbesondere von FFP2- und FFP3-Masken die Belastung mit Allergenen derart zu reduzieren, dass hier eine allergische Reaktion abgeschwächt und gegebenenfalls sogar vermieden werden kann", schlussfolgert Bitter.

Triefnase trotz Maske - Warum regelmäßig wechseln hilft


"Das Allergiepotenzial von Feinstaub und Pollen wird durch Partikelgröße, Toxizität/Allergenität und Oberfläche bestimmt. Größere Partikel erreichen nur den Nasenrachenraum, kleinere können bis in die Lunge vordringen", erläutert Dr. Bitter und erklärt: "Die Oberfläche des Vliesmaterials von FFP2- und FFP3-Masken ist elektrostatisch aufgeladen, ebenso wie die Oberfläche von Aerosolen und Partikeln. Durch die elektrostatische Wechselwirkung (Anziehung und Abstoßung) werden vor allem die kleineren Partikel im Vlies absorbiert." FFP-Masken verlieren ihre elektrostatischen Eigenschaften und somit einen Teil ihrer Filterleistung jedoch, wenn sie nass werden. "Daher sollten feuchte Masken regelmäßig gewechselt werden", so der Pneumologe abschließend.


Pollenschutz für zu Hause


Ob Maske oder Heuschnupfen das kleinere Übel ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Zu Hause möchte die Maske aber wohl niemand freiwillig tragen. Bitter erklärt, dass die individuelle Allergenbelastung zu Hause von verschiedenen Faktoren abhängt - unter anderem von der Lage des Hauses. So herrscht laut "Lungenärzte im Netz" im Hochgebirge und am Meer ein allgemein allergenärmeres Klima. "So kommen zum Beispiel Hausstaubmilben ab 1.500 Metern nicht mehr vor", heißt es in einem Bericht. Das sind zwar gute Tipps für den Osterurlaub, diese Bedingungen sind aber nirgendwo im Braunschweiger Land gegeben.


Für Pollenallergiker empfiehlt "Lungenärzte im Netz", die Fenster am Tage geschlossen zu halten und nur morgens und abends zu lüften. In der Stadt weise die Luft zwischen 6 und 8 Uhr die geringste Pollenkonzentration auf, in ländlichen Gebieten zwischen 19 und 24 Uhr. Falls möglich, können auch spezielle Pollenschutzgitter an den Fenstern angebracht werden. Diese halten bis zu 85 Prozent der Allergene draußen. Vor dem Zubettgehen sei empfohlen, die Haare zu waschen und keine Kleidung, die draußen getragen wurde im Schlafzimmer abzulegen. So kann verhindert werden, dass Pollen "eingeschleppt" werden. Auch ein Luftreiniger für Innenräume kann helfen, die Allergenbelastung zu reduzieren.

Allergisches Asthma und Corona


Wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) in einem Blogeintrag unter Berufung auf die Stiftung Deutscher Pollenfluginformationsdienst (PID) berichtet, haben Erwachsene mit einer allergischen Rhinitis, Rhinokonjunktivitis und allergischem Asthma kein erhöhtes Risiko, sich mit Coronaviren anzustecken. Auch ein schwererer Verlauf der Krankheit sei nicht zu befürchten. Coronaviren können sich durch Pollen nicht weiterverbreiten. Versuche, Viren auf die Pollenoberfläche aufzubringen, seien misslungen.


Laut Dr. Bitter sei das Tragen einer medizinischen Schutzmaske bei leichten bis mittelschweren Lungenfunktionseinschränkungen komplikationslos möglich: "Das Atmen durch ein Maskentuch stellt einen zusätzlichen Widerstand für die Atemmuskeln und somit eine Belastung der Atmung dar. Eine geringere Luftdurchlässigkeit ist in der Regel mit einer besseren Filterleistung verbunden, erhöht aber auch die Belastung der Atempumpe". Der Facharzt abschließend: "Bei Patienten mit einer höhergradigen Einschränkung der Lungenfunktion sollte eine Blutgasanalyse unter Belastung durchgeführt werden, um hier mögliche negative Effekte auf den Sauerstoffaustausch zu kontrollieren."









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