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Projekt TimeSlips: Neue Geschichten zu alten Meisterwerken



Braunschweig | Wolfenbüttel

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Projekt TimeSlips: Neue Geschichten zu alten Meisterwerken

von Alexander Dontscheff


Bewohner des Augustinum und aus Bethanien denken sich unter Anleitung von Simone Weiss eine Geschichte zu einem Gemälde aus. Fotos: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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Braunschweig. Ein Anspruch des Herzog Anton Ulrich-Museums (HAUM) ist es, möglichst viele Besuchergruppen anzusprechen und am öffentlichen kulturellen Leben teilhaben zu lassen. Seit Anfang des Jahres gibt es das Projekt TimeSlips, das sich unter anderem an Demenzkranke richtet.



Eine weitere Zielgruppe sind Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Das HAUM kooperiert hier mit der Evangelischen Stiftung Neuerkerode und den Seniorenresidenzen Augustinum und Bethanien. Unter der Leitung der Diplom-Sozialpädagogin Simone Weiss findet wöchentlich ein Angebot für Menschen mit Demenz statt, alle 14 Tage gibt es ein Angebot für geistig Beeinträchtigte unter der Leitung von Heilpädagogin Regina Schultz.

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Heilpädagogin Regina Schultz, Museumspädagoge Dr. Sven Nommensen und Sozialpädagogin Simone Weiss (v. li.) erklären das TimeSlips-Konzept. Foto: Dontscheff



Erinnerungen und Phantasie


Bei TimeSlips handelt es sich um eine evaluierte Methode, die von der Amerikanerin Dr. Anne Basting 1998 entwickelt wurde. Die Philosophie dahinter ist, den Menschen mit seinen Erfahrungen, Erinnerungen und seiner Phantasie in den Mittelpunkt zu stellen. Anhand eines Gemäldes assoziieren die Teilnehmer spontan und frei eigene Geschichten. Die kunsthistorische Bedeutung tritt in den Hintergrund.

In möglichst gleichbleibender Zusammensetzung treffen sich die Gruppen regelmäßig und nehmen vor einem Gemälde Platz. Zum Teil waren die Gruppenmitglieder an der Auswahl der Bilder beteiligt. Doch nicht alle sind für TimeSlips geeignet. Sie müssen groß genug sein und es dürfen weder zu wenige noch zu viele Personen darauf zu sehen sein, erklärt Simone Weiss. Zu Beginn jeder Sitzung wird die Geschichte der vergangenen Woche wiederholt, um Erinnerungen zu wecken.

Eine Geschichte entsteht



Danach stellt die Leiterin offene, einfache Fragen: Wie heißen die Personen? Was ist passiert? Zu welcher Zeit spielt es? So entsteht nach und nacheine Geschichte, die von einem weiteren Mitarbeiter protokolliert und zwischendurch immer wieder vorgelesen wird. Am Ende muss auch über den Titel der Geschichte diskutiert werden. Unterstützung leistet ein mehrköpfiges Team aus Pädagogen, Studierenden der Sozialen Arbeit sowie Auszubildenden der Alten- und Heilerziehungspflege. Das Besondere am TimeSlips-Projekt im HAUM ist, dass aus dem Gemälde und der Geschichte heraus auchThemen erarbeitet werden, die in einem anschließenden Erzählcafé gemeinsam diskutiert werden.

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Bewohner der Einrichtung der Stiftung Neuerkerode in der Gemäldegalerie des HAUM. Foto: Dontscheff


Deutschlandweites Pilotprojekt


TimeSlips wurde von den Akteuren bereits im Kunstmuseum Wolfsburg sowie 2015 im Kupferstichkabinett des HAUM durchgeführt. Mit durchweg positiven Erfahrungen. Doch die Kooperation mit einem so großen Museum wie dem jetzt neu eröffneten HAUM sei ein deutschlandweites Pilotprojekt, betont Simone Weiss. Daher wird es auch fotografisch und filmisch begleitet. Am Ende erhält jeder Teilnehmer eine Mappe mit den Gemälden und dazugehörigen Geschichten. Zudem wird ein Buch entstehen, in dem das Projekt und die Ergebnisse vorgestellt werden.

TimeSlips läuft zunächst bis Juni dieses Jahres. Eine Weiterführung des Projektes ist ab Oktober 2017 geplant.

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Hier wird aus dem Gemälde "Jungfrau am Herdfeuer der Göttin Vesta" von Jean Raoux die Geschichte "Lagerfeuer" der Bewohner aus Neuerkerode. Foto: Dontscheff


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