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Psychiatrietage im AWO Psychiatriezentrum Königslutter



Helmstedt

Psychiatrietage im AWO Psychiatriezentrum Königslutter


Dr. Markus Schäfer vom Institut für Publizistik der Universität Mainz. Foto: AWO Psychiatriezentrum
Dr. Markus Schäfer vom Institut für Publizistik der Universität Mainz. Foto: AWO Psychiatriezentrum

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Königslutter. Zwei Tage, zwei Themen: Die 36. Psychiatrietage des AWO Psychiatriezentrum Königslutter widmeten sich bei der mittlerweile traditionellen November-Tagung zwei wichtigen und aktuellen Schwerpunkten: Suizidalität und Doppeldiagnosen. Darüber informiert das AWO Psychiatriezentrum.



Am ersten Tagungstag stand die Suizidalität im Mittelpunkt der Betrachtung. Wie wichtig eine offene Auseinandersetzung mit diesem Thema ist, zeigen die Zahlen: Laut Schätzungen der WHO sterben jährlich weltweit rund 800.000 Menschen an Selbsttötung. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes waren es in Deutschland im Jahr 2015 mehr als 10.000. Demnach starben hierzulande fast dreimal so viele Menschen durch Suizid als durch Straßenverkehrsunfälle (3459 Verkehrstote in 2015). Aber trotz der immer noch erschreckenden Zahlen, hat sich seit den 70er Jahre einiges getan. „Aufgrund der offenen Thematisierung haben sich die Zahlen seitdem halbiert“, betonte Dr. Mohammad-Z. Hasan bei der Begrüßung.

„Medien und Suizid – Herausforderungen, Risiken, Chancen“



Experten sprachen an diesem Tag unter anderem über die Suizidalität im Alter, die Psychotherapie suizidaler Patienten sowie über pharmakologische Prävention. Dr. Markus Schäfer vom Institut für Publizistik der Universität Mainz referierte über „Medien und Suizid – Herausforderungen, Risiken, Chancen“. Die Rolle der Medien wird dabei in der Forschung kontrovers betrachtet. Entscheidend sei die Art und Weise der Berichterstattung. Durch die erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien kann es zu Nachahmungen kommen – dem sogenannten Werther-Effekt. „Doch können die Medien auch eine Rolle in der Prävention einnehmen“, so Dr. Schäfer – dem sogenannten Papageno-Effekt. Die Berichterstattung kann auch zu einer Senkung der Zahlen führen. Um dies zu erreichen, gibt die WHO Empfehlungen für die Berichterstattung: z.B. keine Berichterstattung auf der Titelseite, keine Nennung von Methode, Ort oder Details, keine Romantisierung oder Heroisierung und viele mehr. Hingegen seien Berichte über Alternativen oder Nennung von konkreten Hilfsangeboten ratsam.

„Bislang gibt es nur sehr wenige Studien über die Medienberichterstattung und Suizide in Deutschland“, erklärt Dr. Schäfer. Eine Studie aus dem Zeitraum 1992 bis 2009 betrachtete unter anderem die Berichterstattung von Prominenten-Suiziden und deren Folgen. Die Ergebnisse zeigten, dass es durchaus eine Auswirkung auf die Zahlen gebe.

Der zweite Tagungstag stand ganz im Zeichen der Doppeldiagnosen. Diese werden bei Patienten gestellt, die neben einer Abhängigkeitserkrankung zusätzlich an einer psychiatrischen Störung leiden. Heißt: „Doppelte Diagnose bedeutet doppelte Belastung für den Patienten – und den Versorger“, betonte Dr. Hasan bei seiner Begrüßungsrede am zweiten Tag. Die Tagungsteilnehmer hörten unter anderem Referate über das „Zieloffene Arbeiten bei Patienten mit Doppeldiagnosen“ sowie „Schizophrenie und Sucht: Von den Grundlagen zur Behandlung“.


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